Orthomol Logo

Unfruchtbarkeit: Formen, Ursachen, Symptome, Therapien

Der richtige Partner ist gefunden, ihr habt regelmäßig Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen, die empfängnisverhütenden Mittel wurden längst abgesetzt und trotzdem läuft jeder Versuch auf eine Schwangerschaft ins Leere. Warum bleibt es manchen Paaren  verwehrt, Kinder zu bekommen?

Männer und Frauen sind im vergleichbaren Maß von einer ungewollten Kinderlosigkeit betroffen. Die Suche nach den Ursachen für die Unfruchtbarkeit kann ein langer, emotional belastender Prozess sein. Auch wenn die Diagnose für viele Paare im ersten Moment bestürzend sein kann, gibt es inzwischen viele Möglichkeiten, eine Sterilität zu behandeln.

Was verstehen Mediziner und Medizinerinnen unter einer Unfruchtbarkeit? Welche Ursachen können sich hinter Fruchtbarkeitsstörungen bei Männern und Frauen verbergen und was können Paare selbst und die Medizin tun, damit es doch noch mit einem eigenen Kind klappt? Hier erhältst Du alle wichtigen Informationen rund um das Thema Unfruchtbarkeit.

 

Was ist Unfruchtbarkeit?

Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt ein Paar als unfruchtbar, wenn die Frau innerhalb von 12 Monaten trotz regelmäßigen und ungeschützten Geschlechtsverkehrs zur Zeit des Eisprungs nicht schwanger wird.

Mediziner:innen unterscheiden verschiedene Arten der Unfruchtbarkeit:

  • Primäre Sterilität: bei dieser Form ist die Frau trotz ungeschützten Geschlechtsverkehrs noch nie schwanger geworden und der Mann hat bislang kein Kind gezeugt.
  • Sekundäre Sterilität: eine sekundäre Unfruchtbarkeit liegt hingegen vor, wenn die Frau bereits einmal im Leben schwanger war oder der Mann schon einmal ein Kind gezeugt hat, danach aber keine Schwangerschaft mehr zustande kommt.
  • Infertilität: Frauen werden zwar schwanger, können die Schwangerschaft aber nicht austragen, weil es durch Fehlgeburten zum Schwangerschaftsabbruch kommt (Abortneigung).

 

Unfruchtbarkeit: Häufigkeit

Probleme mit der Fruchtbarkeit sind nicht selten. Etwa 15 Prozent der mitteleuropäischen Paare sind von einer Sterilität betroffen. In Deutschland gelten etwa 1,5 bis 2 Millionen Paare, manchmal auch nur vorübergehend, als unfruchtbar.

Die Ursachen für eine ungewollte Kinderlosigkeit aufgrund einer Sterilität liegen in etwa 40 Prozent der Fälle beim Mann, zu 40 Prozent bei der Frau und zu 10 Prozent bei beiden Partnern, was dann als Paarsterilität bezeichnet wird. In 10 Prozent der Fälle, bei einer sogenannten idiopathischen Sterilität, liegt keine erkennbare Ursache vor.

 

Unfruchtbarkeit: Ursachen

Es gibt es eine Vielzahl an möglichen Ursachen, die für eine Unfruchtbarkeit verantwortlich sein können. Die wenigsten Ursachen sind angeboren, sondern meistens im Laufe der Zeit entstanden. Generell können sowohl beim Mann als auch bei der Frau Allgemeinerkrankungen oder Erkrankungen in den Fortpflanzungsorganen, hormonelle Störungen, Infektionen, Entzündungen, angeborene Fehlbildungen, genetische Defekte, Verletzungen, Tumore oder Operationen zur Sterilität führen.

Letztlich müssen zwei Grundvoraussetzungen gegeben sein, damit sich eine Schwangerschaft einstellt. Bei der Frau müssen reife Eizellen gebildet werden und beim Mann muss eine gute Spermienqualität bezüglich Anzahl, Form und Beweglichkeit gewährleistet sein. Und genau darin bestehen oftmals die Probleme: in etwa 80 Prozent liegen entweder Störungen beim Eisprung oder in den Eileitern der Frau vor oder es bestehen Probleme beim Mann, die zu einer schlechten Spermienqualität führen.

Ursachen bei der Frau

  • Verschlossene Eileiter (z. B. durch Entzündungen, Infektionen, Operationen, Endometriose)
  • Zyklusstörungen (Störung der Eizellreifung, Unregelmäßigkeiten)
  • Ausbleibender Eisprung
  • Hormonelle Störungen Frühzeitige Wechseljahre
  • Endometriose
  • Fehlbildungen der Gebärmutter
  • Myome, Zysten, Polypen in der Gebärmutter
  • Folgen von Operationen an Gebärmutter, Gebärmutterhals, Eierstöcken oder Eileitern
  • Tumore in den Fortpflanzungsorganen
  • Infektionen (z. B. Chlamydien, Gonorrhoe)
  • Allgemeinerkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Schilddrüsenstörungen, Krebserkrankungen)
  • Genetische Defekte, Antikörper gegen Spermien oder Eizellen
  • Krebsbehandlung (Chemotherapie, Bestrahlung)

 

Ursachen beim Mann

  • Störungen der Spermienproduktion (z. B. durch Entzündungen, Infektionen, Fehlbildungen, Hodenkrebs, Verletzungen, Operationen) mit daraus resultierender reduzierter Spermienqualität (reduzierte Anzahl, eingeschränkte Beweglichkeit und veränderte Form)
  • Verklebungen, Verhärtungen, Vernarbungen der Samenleiter
  • Erektionsstörungen, erektile Dysfunktion
  • Hormonelle Störungen
  • Erkrankungen, Fehlbildungen der Hoden, Nebenhoden, Harnblase, Prostata
  • Folgen einer Mumpsinfektion im Kindesalter (Mumpsorchitis)
  • Hodenhochstand (Gleithoden, Leistenhoden)
  • Angeborene Fehlbildungen
  • Allgemeinerkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Schilddrüsenstörungen, Krebserkrankungen, Leberzirrhose)
  • Krebsbehandlung (Chemotherapie, Bestrahlung)

 

Unfruchtbarkeit: Risikofaktoren

Ein wichtiger Faktor für die Fruchtbarkeit ist das fortschreitende Alter – sowohl beim Mann als auch bei der Frau. Es können aber noch viele weitere Risikofaktoren die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen. Der Einfluss von Umweltfaktoren wird teilweise noch erforscht. Zu den möglichen Risiken gehören:

  • Beeinflussbare Lebensstilfaktoren: chronische Stresszustände, psychische Belastungen, exzessiver Sport, schwere körperliche Arbeit, einseitige vitamin- und mineralstoffarme Ernährung. Übergewicht (Adipositas) oder Untergewicht, Genussgifte und Drogen wie Alkohol, Nikotin, Kaffee, Cannabis.
  • Nicht beeinflussbare Faktoren: Umweltgifte (z. B. Lebensmittelzusätze, Weichmacher wie Bisphenol A, Phthalate, Kunststoffe, Gummi, Lack, Plastikflaschen), Schadstoffe (z. B. Blei, Cadmium, Quecksilber), Chemikalien in der Kleidung, Kosmetik und Hygieneprodukten, Pestizide, radioaktive Strahlung und Hitze.
  • Medikamente (z. B. Antidepressiva, Antiepileptika gegen Epilepsie, Diuretika, Antibiotika, Chemotherapeutika, Opiate, Antihypertensiva gegen Bluthochdruck, Immunsuppressiva)

 

Unfruchtbarkeit: Psychische Belastung

Bei etwa 10 Prozent der ungewollt kinderlosen Paare liegt keine erkennbare Ursache für die Unfruchtbarkeit vor. Möglicherweise stecken psychische und soziale Faktoren dahinter, wenn der Erfolg auf eine Schwangerschaft vorübergehend oder dauerhaft ausbleibt. In den wenigsten Fällen ist die Psyche allein ursächlich für die Unfruchtbarkeit, sie kann aber einen Einfluss darauf haben.

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann bei vielen Paaren einen enormen Leistungsdruck erzeugen, der sie teilweise an die Grenzen der seelischen Belastbarkeit bringt.

Obwohl viele Paare von einer Kinderlosigkeit betroffen sind, wird über das Tabu-Thema nach wie vor zu wenig gesprochen. Viele Paare fühlen sich als „Versager“, wenn sie nicht schwanger werden. Sie leiden unter Schuld- und Schamgefühlen und der soziale Druck macht ihnen zusätzlich zu schaffen.

Mit der Zeit kann sich jeder Monatszyklus der Frau zur Achterbahn der Gefühle entwickeln. Jeder weitere erfolglose Versuch erhöht den Druck und es besteht die Gefahr, dass die sexuelle Lust darunter leidet. Die Wirkung von psychischem Stress auf den Körper sollte auch nicht unterschätzt werden, denn dieser kann sich negativ auf die Hormonproduktion und damit ebenfalls auf die Fruchtbarkeit auswirken. Alle Faktoren können mit der Zeit dazu führen, dass das Selbstwertgefühl beeinträchtigt wird. Nicht selten ziehen sich Paare aus ihrem sozialen Umfeld zurück und können darüber hinaus eine Depression entwickeln.

Unfruchtbarkeit: Symptome

Der erste Hinweis dafür ist wohl der unerfüllte Kinderwunsch trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs an den fruchtbaren Tagen der Frau. Ansonsten zeigt eine Unfruchtbarkeit keine eindeutigen Symptome.

Bei Frauen könntenZyklusstörungen mit unregelmäßigen oder ausbleibenden Monatsblutungen oder unterschiedlich langen Zyklen weisen im Vorfeld möglicherweise darauf hin, weshalb ein Paar kinderlos bleibt.

Bei Männern hingegen können Erektionsstörungen und Ejakulationsstörungen, Schmerzen im Unterbauch oder Probleme beim Wasserlassen erste Hinweise auf Erkrankungen sein, die mit einer Sterilität einhergehen. Eine schlechte Spermienqualität als die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit beim Mann zeigt keinerlei Symptome.

 

Unfruchtbarkeit: Diagnostik

Etwas Geduld hinsichtlich einer Schwangerschaft müssen auch fruchtbare Paare mit Kinderwunsch  aufbringen. Die Schwangerschaftsrate liegt bei ca. 15 bis 20 Prozent pro Zyklus. Stellt sich aber nach etwa einem Jahr noch keine Schwangerschaft ein, sollte eine fachkundige Ärztin oder ein Arzt der Gynäkologie oder Urologie aufgesucht werden, um die Ursache abklären zu lassen. Bei Frauen über 35 Jahren wird der Gang zum Arzt bereits nach sechs Monaten empfohlen.

Da die Ursachen zu gleichen Teilen bei der Frau und beim Mann liegen können, sollten sich beide Partner untersuchen lassen. Dafür wird der Arzt zunächst ein ausführliches Erstgespräch (Anamnese) führen und sich nach früheren oder bestehenden Erkrankungen, Operationen, Medikamenteneinnahme, Lebensgewohnheiten, Zyklusstörungen, Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüchen erkundigen. Im Anschluss daran folgen dann geschlechtsspezifische, körperliche Untersuchungen.

 

Übersicht über mögliche Untersuchungen bei der Frau

  • Gynäkologische Untersuchung
  • Zyklusmonitoring zur Eisprungkontrolle
  • Hormonelle Untersuchung
  • Bildgebende Verfahren (Ultraschall)
  • Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie)
  • Bauchspiegelung (Laparoskopie)

 

Übersicht über mögliche Untersuchungen beim Mann

  • Spermiogramm zur Untersuchung der Spermienqualität
  • Untersuchung der Geschlechtsorgane (z.B. Fehlbildungen, Krampfadern)
  • Hormonelle Untersuchung
  • Gewebeprobe (Hodenbiopsie)

 

Unfruchtbarkeit: Therapie

Wie geht es aber nun weiter, wenn tatsächlich eine Unfruchtbarkeit vorliegt? Die Behandlung richtet sich in erster Linie nach der Ursache, sofern eine gefunden wurde. Liegen dem Befund z. B. Allgemeinerkrankungen zugrunde, müssen diese zunächst therapiert werden. Besteht ein Hormonmangel, wird der Hormonspiegel durch die Gabe von Hormonen in Form von Tabletten oder Injektionen unterstützt. Auch operative Eingriffe sind in manchen Fällen die Therapie der Wahl, z. B. bei Myomen, Endometrioseherden oder bei verschlossenen Ei- oder Samenleitern.

Das chronologische Alter ist ebenfalls ein Risikofaktor für eine Unfruchtbarkeit – eine Schwangerschaft wird auch vor den Wechseljahren mit steigendem Alter unwahrscheinlicher und die Spermienqualität sinkt in der zweiten Lebenshälfte ebenfalls. Das biologische Alter lässt sich allerdings mit einem gesunden Lebensstil beeinflussen. Wer auf eine ausgewogene Ernährung achtet, regelmäßige Bewegung in den Alltag integriert, starkes Über- und Untergewicht vermeidet, auf Genussgifte wie Alkohol und Zigaretten verzichtet, tut einiges für die Gesundheit und Fruchtbarkeit.

Sollte eine idiopathische Unfruchtbarkeit vorliegen oder hat eine Behandlung nicht zum Erfolg geführt, besteht die Möglichkeit, einer künstlichen Befruchtung.

Unterstützende Maßmahmen bei Unfruchtbarkeit:

  • Entspannungsübungen gegen Stress (Autogenes Training, Yoga, Progressive Muskelentspannung)
  • Vermeidung extremer körperlicher Belastung
  • Ausgewogene, vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung
  • Verzicht auf Alkohol und Zigaretten
  • Psychotherapeutische Unterstützung
  • Hormontherapie
  • Aufbereitung der Spermien bei schlechter Qualität
  • Künstliche Befruchtung: Insemination (Intrauterine Insemination)
  • Künstliche Befruchtung im Reagenzglas: In-vitro-Fertilisation (IVF), Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), Intratubarer Gametentransfer (GIFT)
  • Spermiengewinnung aus Hoden (TESE) oder Nebenhoden (MESA)
  • Operative Eingriffe (z.B. Myome, Endometrioseherde, Krampfadern, Verklebungen der Samen- oder Eileiter)

Ausführliche geschlechterspezifische Informationen zum Thema „Unfruchtbarkeit“ erhältst Du hier: „Unfruchtbarkeit bei Frauen“ und „Unfruchtbarkeit bei Männern

Endlich Mama werden. Mein größter Wunsch.