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Unfruchtbarkeit beim Mann: Ursachen, Diagnose, Behandlung & Tipps

Der Wunsch nach einem eigenen Kind ist groß, nur will sich eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg nicht einstellen? Hinter einem unerfüllten Kinderwunsch kann sich eine Unfruchtbarkeit des Mannes verbergen. Sie ist zu rund 40 Prozent aller Fälle verantwortlich für eine ungewollte Kinderlosigkeit und kommt damit genauso häufig als Ursache infrage wie die Unfruchtbarkeit bei Frauen.

Gerade bei Männern sind Fruchtbarkeitsstörungen nach wie vor ein Tabu-Thema. Schamgefühle und die mit einer Zeugungsunfähigkeit assoziierte „Unmännlichkeit“ belasten oftmals ihr Selbstwertgefühl.

Was steckt hinter männlichen Fertilitätsstörungen? Welche Ursachen können dafür verantwortlich sein? An welchen Anzeichen kann man Fruchtbarkeitsprobleme erkennen? Was können Männer selbst dagegen tun und wie kann die Medizin dabei helfen, dass der Kinderwunsch doch noch in Erfüllung gehen kann? Hier erhältst Du alle wichtigen Informationen zum Thema Unfruchtbarkeit bei Männern.

 

Was bedeutet eine Unfruchtbarkeit beim Mann?

Bei einer Unfruchtbarkeit des Mannes handelt es sich um die Unfähigkeit, trotz normaler Erektion ein Kind zu zeugen. Laut WHO liegt eine Unfruchtbarkeit dann vor, wenn sich bei Paaren innerhalb eines Jahres trotz regelmäßigen und ungeschützten Geschlechtsverkehrs an den fruchtbaren Tagen der Frau keine Schwangerschaft einstellt. 

Für Paare, die unter Kinderlosigkeit leiden, kann die Zeugungsunfähigkeit eine große psychische Belastung sein. Möglicherweise entstehen dadurch Selbstzweifel oder gar Spannungen in der Beziehung. Um Lösungen zu finden, empfiehlt es sich, frühzeitig ärztliche Hilfe zu suchen und mögliche Gründe abklären zu lassen.

Unfruchtbarkeit beim Mann: Ursachen

Die möglichen Ursachen für eine Unfruchtbarkeit beim Mann sind vielfältig. Manchmal kann es phasenweise zu einer vorübergehenden Unfruchtbarkeit kommen, z. B. durch eine ungesunde Lebensweise, durch psychischen und körperlichen Stress, durch eine schlechte Ernährung oder Krankheiten. Bei ungefähr 20 bis 35 Prozent der Fälle sind die Ursachen für die männliche Unfruchtbarkeit unbekannt. Mediziner:innen sprechen dann von einer idiopathischen Infertilität.

Gründe für Fruchtbarkeitsprobleme können angeboren sein oder sich erst im Laufe der Zeit durch anatomische Probleme, hormonelle Störungen oder Erkrankungen entwickeln. Es gibt auch einige Risikofaktoren, die dazu beitragen, dass die Zeugungsfähigkeit des Mannes gestört wird. So spielen z. B. das Alter und die Lebensgewohnheiten eine wichtige Rolle.

 

Mangelhafte Spermienqualität

Eine mangelhafte Spermienqualität zählt zu den häufigsten Gründen einer Unfruchtbarkeit beim Mann. Seit einigen Jahren konnten wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Qualität der Spermien bei Männern in der westlichen Welt immer mehr nachlässt.

Wodurch zeichnet sich eine schlechte Spermienqualität aus? Im Ejakulat, also in der Samenflüssigkeit, befinden sich:

  • zu wenig normal geformte Spermien (Teratozoospermie), oder
  • zu viele in ihrer Beweglichkeit (Motilität) eingeschränkte Spermien (Asthenozoospermie)

Neben einer Teratozoospermie und Asthenozoospermie können sich auch zu wenige Spermien (Oligozoospermie) im Ejakulat befinden. Manchmal treten auch alle Faktoren drei gleichzeitig auf. Dabei handelt es sich dann um das sogenannte OAT-Syndrom (Oligo-Astheno-Teratozoospermie).

 

Störungen der Spermienproduktion

Produzieren die Hoden des Mannes zu wenig Spermien, kann das zur Unfruchtbarkeit beitragen. Nach WHO-Kriterien sollten sich als Richtwert mindestens 39 Millionen Spermien im Ejakulat bzw. 15 Millionen pro Milliliter Ejakulat befinden. Davon wiederum sollten mindestens vier Prozent normal geformt sein und 32 Prozent eine gute Beweglichkeit aufweisen.

Für eine Oligozoospermie kommen viele mögliche Ursachen in Betracht:

  • Infektionen und Entzündungen der Hoden (z. B. durch Chlamydien, Mumps)
  • Fehlbildungen (z. B. Hodenhochstand, Gleit- oder Leistenhoden)
  • Testosteronmangel durch Unterfunktion der Hoden (Hypogonadismus)
  • verminderter Sexualtrieb (Libido)
  • Hodenkrebs (Hodentumore), Chemotherapie, Bestrahlung
  • Operationen an der Prostata
  • Verletzungen der Hoden (Hodentorsion)
  • überhitzte Hoden bei Temperaturen > 32° Celsius (durch z. B. Krampfadern, Hodenhochstand, Durchblutungsstörungen)
  • starker Selenmangel

 

Störungen der Transportwege

Verklebungen oder Verhärtungen können die Transportwege der Spermien zum Samenerguss empfindlich stören und sie teilweise oder gänzlich verschließen. Die in den Hoden produzierten Spermien sind dann nicht mehr in der Lage, per Ejakulation den Körper des Mannes zu verlassen, um eine Eizelle im Körper der Frau zu befruchten.

Folgende Ursachen können einen Verschluss der Transportwege der Spermien zur Folge haben:

  • Entzündungen der Hoden, Nebenhoden und der Prostata
  • Vernarbungen, Verklebungen, Fehlen der Samenleiter (z. B. durch Operationen, Vasektomie)
  • Angeborene Fehlbildungen
  • Infektionen (z. B. durch Chlamydien)
  • Zystische Fibrose (Mukoviszidose)
  • Gestörter Harnblasenverschluss (retrograde Ejakulation)

 

Störungen der Sexualität

Sexuelle Schwierigkeiten wie Erektionsstörungen oder Ejakulationsstörungen sollten bei dem Thema Unfruchtbarkeit nicht unbeachtet bleiben. Denn auch Störungen der Sexualität sind ein Grund für das Ausbleiben einer Schwangerschaft. Manchmal haben Paare aber auch gar keinen Geschlechtsverkehr mehr, was eine Schwangerschaft unmöglich macht.

Lässt beim Mann die Stärke und Dauer der Erektion nach (Impotenz, erektile Dysfunktion), ist das sexuelle Verlangen (Libido) erloschen oder gibt es Ejakulationsprobleme, können bestimmte Lebensgewohnheiten daran beteiligt sein. Insbesondere ein hoher Konsum von Alkohol, Drogen oder Psychopharmaka gelten als Risikofaktoren für sexuelle Störungen.

Beschwerden des Urogenitaltrakts

Verschiedene Erkrankungen, Funktionsstörungen, Fehlbildungen, Infektionen und Entzündungen der Hoden, Nebenhoden, Harnblase oder der Prostata können zu einer Unfruchtbarkeit beim Mann führen. Ursächliche Beschwerden des Urogenitaltraktes können im Erwachsenenalter auftreten oder bereits seit der Geburt bzw. seit Kindertagen bestehen.

Eine Mumpsinfektion im Kindesalter kann in der Folge eine Hodenentzündung (Mumpsorchitis) und Hodenverhärtung hervorrufen, was wiederum die Spermienbildung einschränkt. Auch Entzündungen der Nebenhoden oder der Prostata (Prostatitis) können zu einem teilweisen oder gänzlichen Verschluss der Samenwege führen.

Bei einem sogenannten Hodenhochstand (Kryptorchismus, Maldescensus testis) in der Kindheit wandern die Hoden während der Entwicklung nicht in den Hodensack, sondern verbleiben im Bauchraum oder in der Leistengegend. Wird der Hodenhochstand nicht behandelt, kann es zu einer dauerhaft gestörten Spermienproduktion kommen. In der Medizin wird zwischen verschiedenen Formen unterschieden:

  • Gleithoden: Hoden sitzt in der Leiste, kann aber manuell in den Hodensack heruntergezogen werden
  • Pendelhoden: Hoden pendelt zwischen Leiste und Hoden hin und her
  • Ektoper Hoden: Hoden befindet sich unterhalb der Leiste im Oberschenkel

Auch die als Varikozele bezeichneten Krampfadern kommen als Ursache infrage. Kommt es zu Erweiterungen und Schlängelungen der Hodenvenen am Samenstrang, können diese die Zeugungsfähigkeit des Mannes reduzieren. Von Varikozelen am Hoden sind zehn bis zwanzig Prozent aller Männer betroffen.

Weitere mögliche Ursachen für die Unfruchtbarkeit beim Mann im Urogenitaltrakt sind:  

  • Weitere angeborene Fehlbildungen
  • Unterentwicklung der Hoden (Hypogonadismus)
  • Durchblutungsstörungen
  • Verletzungen der Hoden und Samenleiter
  • Retrograde Ejakulation (Samenerguss erfolgt nach innen in die Blase durch einen mangelhaften Harnblasenverschluss)

 

Hormonelle Störungen

Verschiedene hormonelle Störungen können ebenfalls zu einer Unfruchtbarkeit beim Mann führen. Im Vordergrund stehen meist eine Überproduktion des Hormons Prolaktin (Hyperprolaktinämie) sowie ein Mangel der Hormone FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon).

Eine Hyperprolaktinämie kann durch einen gutartigen Tumor in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) entstehen. In der Folge können dann Potenzprobleme, eine verminderte Libido und Spermienproduktion auftreten, die im schlimmsten Fall zur Zeugungsunfähigkeit führen.

Die Hormone FSH und LH, die über die die Hirnanhangdrüse freigesetzt werden, spielen eine wichtige Rolle hinsichtlich der Spermienbildung. Während LH die Testosteronbildung in den Hoden anregt, wirkt FSH direkt auf die Samenzellbildung (Spermatogenese). Bestehen Probleme in den hormonellen Regelkreisen, die mit einem Mangel an Testosteron, FSH und LH einhergehen können, schränkt dies die Zeugungsfähigkeit stark ein.

 

Allgemeinerkrankungen

Es gibt eine Vielzahl an Grund- und Allgemeinerkrankungen, die mit einer Unfruchtbarkeit beim Mann einhergehen können. Werden die Krankheiten behandelt, wirkt sich das in vielen Fällen auch positiv auf die Fruchtbarkeit aus.

Folgende Erkrankungen und Faktoren können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen:

  • Krebserkrankungen, Hodentumore
  • Operationen, Chemotherapie, Bestrahlung
  • Störungen des Immunsystems: Antikörperbildung gegen eigene Spermien
  • Stoffwechselerkrankungen (Diabetes)
  • Übergewicht (Adipositas), Abmagerung
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Genetische Erkrankungen (Klinefelter-Syndrom mit unterentwickelten Hoden, Gendefekte, Mukoviszidose)
  • Leberzirrhose
  • Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
  • Chronisches Nierenversagen
  • Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)

 

Unfruchtbarkeit beim Mann: Risikofaktoren

Das Lebensalter, Stress, Rauchen und Übergewicht sind nur einige Risikofaktoren für Fruchtbarkeitsstörungen beim Mann. Sie können einen erheblichen Einfluss auf die Zeugungsfähigkeit haben.

Wenn Du Fruchtbarkeitsprobleme hast, solltest Du auch immer Deine Lebensgewohnheiten und Lebensumstände genauer unter die Lupe nehmen. Einige Faktoren kannst Du selbst beeinflussen und damit ggf. Deine Fruchtbarkeit steigern.

 

Alter

Theoretisch können Männer bis ins hohe Alter Kinder zeugen, solange Spermien gebildet werden und sie ejakulieren können. Ab dem 40. Lebensjahr nehmen allerdings die Spermienqualität und -anzahl allmählich ab. Somit verringert sich mit fortschreitendem Alter auch allmählich die Chance, ein Kind zu zeugen.

 

Stress

Starke Stresszustände und psychische Belastungen, Erschöpfung und daraus resultierende Schlafstörungen können die Qualität der Spermien beeinträchtigen. Zudem können berufliche und private Belastungen auf Dauer zu einem wahren Lust-Killer werden, was die Aussicht auf eine natürliche Schwangerschaft zusätzlich erschwert.

 

Genussgifte

Der Konsum von Zigaretten, Alkohol und Cannabis kann die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen und zur Unfruchtbarkeit beim Mann beitragen. Durch diese sogenannten Genussgifte kann sich nicht nur die Spermienanzahl verringern. Bei den wenig vorhandenen Samenzellen können auch Veränderungen der Form auftreten, die sich ebenfalls negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken können.

Bei Rauchern wird die Durchblutung in den Organen, so auch in den Geschlechtsorganen, beeinträchtigt. Rauchen kann Schäden an den Spermien hervorrufen und möglicherweise auch zu Missbildungen beim ungeborenen Kind führen. Wer außerdem regelmäßig zu viel Alkohol trinkt, beeinflusst den Testosteronspiegel im Blut negativ. In der Folge kann ein Testosteronmangel auftreten, wodurch weniger Spermien gebildet werden. Ebenso wirkt sich ein regelmäßiger Cannabis-Konsum negativ auf die Zeugungsfähigkeit aus.

 

Umweltfaktoren

Unterschiedliche Umweltgifte stehen unter Verdacht, die männliche Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Zu den fruchtbarkeitsschädigenden Stoffen gehören u. a. Lebensmittelzusätze, Weichmacher (Bisphenol A, Phthalate) und andere Schadstoffe in Kunststoffen, Gummi, Lacken oder Plastikflaschen, Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber, Giftstoffe in Kleidung und Kosmetika, Pestizide, radioaktive Strahlung und Hitze.

Auch Faktoren wie der Grad der Luftverschmutzung oder belastetes Trinkwasser, z. B. durch Pflanzenschutzmittel mit hormonähnlicher Wirkung, können die Fruchtbarkeit beim Mann beeinträchtigen.

 

Exzessiver Sport

Starke körperliche Arbeiten oder exzessiver Sport können ebenso wie zu wenig Bewegung zu Fruchtbarkeitsstörungen beitragen. Zu intensive Trainingseinheiten führen zu einem deutlichen Abfall des Luteinisierenden Hormons (LH). LH ist u. a. verantwortlich für die Reifung und Bildung von Samenzellen. Bei Problemen mit der Fruchtbarkeit sollten Männer daher besser auf moderaten Sport umsteigen und harte körperliche Belastungen vermeiden.

 

Übergewicht und Untergewicht

Hinsichtlich der Spermienqualität spielt auch der sogenannte Body-Mass-Index (BMI, Körpermasseindex) als gängiges Maß zur groben Einschätzung des Körpergewichts eine wichtige Rolle. Den BMI kannst Du ganz einfach selbst bestimmen, indem Du Dein Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat setzt. Bei einem Mann mit einer Körpergröße von 1,85 Metern und einem Gewicht von 80 kg ergibt sich daraus beispielsweise ein BMI von etwa 23,4.

  1. Schritt: 1,85 x 1,85 = 3,4225
  2. Schritt: 80 kg / 3,4225 = 23,4

Die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ (DGE) unterscheidet je nach BMI-Wert nach Untergewicht (<18,5), Normalgewicht (15,8–24,9), Übergewicht (>25), extremes und massives Übergewicht (Adipositas <30).

Ein BMI über 25 soll zu einer verminderten Spermienqualität führen und ein Wert über 30 zu schlechteren Ergebnissen bei einer künstlichen Befruchtung. Sollte also eine Schwangerschaft auf sich warten lassen und die Waage zu viele Kilos anzeigen, wären eine Ernährungsumstellung und moderate Bewegung Möglichkeiten, Gewicht zu abzubauen und die Fruchtbarkeit wieder anzukurbeln.

Im Gegensatz dazu kann auch Untergewicht möglicherweise zur Unfruchtbarkeit beim Mann beitragen und die Mobilität und Anzahl der Spermien beeinflussen.

Ungesunde Ernährung

Eine unausgeglichene, vitamin- und mineralstoffarme Ernährung kann sich negativ auf die Qualität der Spermien auswirken. Um dem entgegen zu wirken, sollte der Mann eine längerfristige Ernährungsumstellung mit viel frischem Obst und Gemüse vornehmen. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Mikronährstoffe Zink und Selen, die u. a. auch für starke Abwehrkräfte wichtig sind. So trägt Zink zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut und zur normalen Fruchtbarkeit und Fortpflanzung bei, Selen zu einer normalen Spermabildung.

 

Arzneimittel

Die Einnahme bestimmter Medikamente kann ebenfalls die Spermienqualität mindern. Dabei richten Wissenschaftler:innen ihr Augenmerk etwa auf Arzneimittel wie Betablocker und Kalziumantagonisten, die in der Regel zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden. Unter der regelmäßigen Einnahme leiden früher oder später die Spermienanzahl und die Spermienfunktion.

Auch Anabolika, in denen männliche Hormone enthalten sind, können zum Verlust der Zeugungsfähigkeit beitragen. Anabolika signalisieren dem Körper, dass genügend Testosteron vorhanden ist und hemmen damit die körpereigene Hormonproduktion in der Hirnanhangdrüse und den Hoden. Folglich produzieren die Hoden keine Spermien mehr, wodurch die Chance auf eine Schwangerschaft vermindert wird.

Die Palette an Medikamenten, die die Fruchtbarkeit bei Männern beeinträchtigen können, ist breit gefächert. Dazu gehören auch Antidepressiva, Antiepileptika, Diuretika (harntreibende, entwässernde Arzneimittel), Antibiotika, Chemotherapeutika, Immunsuppressiva (Arzneimittel, die das Immunsystem unterdrücken), Opiate und bestimmte Haarwuchsmittel.

 

Unfruchtbarkeit beim Mann: Symptome

Wie macht sich eine Unfruchtbarkeit beim Mann bemerkbar? Körperliche Symptome für eine schlechte Spermienqualität oder einen gestörten Spermientransport gibt es nicht.

Manchmal zeigen sich Krampfadern am Hoden. Schmerzen beim Wasserlassen können auf eine Infektion hindeuten. Bei Symptomen wie plötzlich auftretendem Ausfluss, Gewichtsveränderungen (Zu- oder Abnahme) und geschwollenen Hoden sollte ein Arzt oder eine Ärztin der Ursache auf den Grund gehen, denn verschiedene Krankheiten können eine Sterilität auslösen. Nach etwa einem Jahr ungeschützten, regelmäßigen Geschlechtsverkehrs sollten Paare eine Mediziner:in aufsuchen und herausfinden, woran es liegen könnte, dass sich keine Schwangerschaft einstellt. Ist die Partnerin älter als 35 Jahre, wird ein Arztbesuch bereits nach einem halben Jahr empfohlen.

 

Unfruchtbarkeit beim Mann: Untersuchungen und Diagnostik

Du möchtest endlich den Grund erfahren, warum sich eine Schwangerschaft bei Euch nicht einstellen mag? Dann solltest Du Dir professionelle Hilfe suchen und eine:n Ärzt:in konsultieren. Für die Diagnose Unfruchtbarkeit beim Mann sind Urolog:innen oder Androlog:innen zuständig. Diesen stehen für Fruchtbarkeitsuntersuchungen bei Männern verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Körperliche Untersuchung der Geschlechtsorgane
  • Spermiogramm (Untersuchung des Ejakulats)
  • Hormonanalyse im Blut
  • Ultraschalluntersuchung
  • Hodenbiopsie

 

Spermiogramm (Untersuchung des Ejakulats)

Bei der Diagnostik zur Unfruchtbarkeit beim Mann ist die Analyse des Ejakulats, das sogenannte Spermiogramm, die wichtigste Untersuchungsmethode. Sie gibt Aufschluss über die Spermienqualität hinsichtlich der Anzahl (Spermiendichte), Beweglichkeit (Motilität) und Form (Morphologie) der Samenzellen. Auch werden im Spermiogramm die Flüssigkeitsmenge (Volumen) und der pH-Wert des Ejakulats bestimmt.

Für das Spermiogramm wird eine Samenprobe (Ejakulat) durch Masturbation benötigt, die direkt in der Praxis gewonnen und abgegeben werden kann. Männer sollten mindestens zwei Tage vor der Spermiengewinnung keinen Samenerguss gehabt haben.

Damit es mit einer Schwangerschaft klappt, sollten sich in jedem Milliliter Spermienflüssigkeit mindestens 15 Millionen Spermien befinden. Darüber hinaus müssen mindestens 50 Prozent lebendig sein, 32 Prozent eine gute Beweglichkeit und mindestens 4 Prozent eine normale Form aufweisen.

Sollte die Analyse des Spermiogramms eine schlechte Spermienqualität ergeben, ist dies nur eine Momentaufnahme und sollte nicht zu Mutlosigkeit führen. Nach etwa 10 Wochen wird ein weiteres Spermiogramm durchgeführt, denn Anzahl und Qualität der Spermien können stark schwanken.

Hormonanalyse im Blut

Mit einer Blutprobe können Mediziner:innen eine Hormonanalyse durchführen. Sie kommt meist dann zum Einsatz, wenn der Befund des Spermiogramms eine schwere Oligozoospermie aufweist, d. h. zu wenig Spermien im Ejakulat vorhanden sind. Für die Diagnose einer Unfruchtbarkeit sind die Hormonspiegel von Testosteron, FSH und LH von Bedeutung.

 

Ultraschalluntersuchung

Bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonographie) sind schmerzlos und dienen in erster Linie dem Ausschluss von Tumoren und Krampfadern. Die Untersuchung gehört nicht zur Basisabklärung bei Unfruchtbarkeit und ist nur bei Verdacht auf z. B. Tumore indiziert.

 

Hodenbiopsie

Eine Hodenbiopsie ist ein kleiner operativer Eingriff, bei der eine Probe des Hodengewebes entnommen wird, etwa um Spermien aus dem Hodengewebe zu gewinnen.

Die Hodenbiopsie kommt u. a. zum Einsatz, wenn die Existenz und Produktion der Samenzellen im Hoden untersucht werden soll. Sie eignet sich zur Differenzierung zwischen Produktions- und Transportstörungen. Auch wenn chromosomale Veränderungen an den Keimzellen (Vorstufen der Spermien) überprüft werden sollen, kann eine Hodenbiopsie gemacht werden.

 

Unfruchtbarkeit beim Mann: Behandlung

Die Diagnose Unfruchtbarkeit stürzt viele Männer mit unerfülltem Kinderwunsch erst einmal in eine emotionale Krise. Dabei gibt es durchaus Behandlungsmöglichkeiten, die es ermöglichen, dass sich ein Kinderwunsch trotz Fruchtbarkeitsproblemen erfüllen kann – von der Hormontherapie bis zu operativen Eingriffen. Die Behandlung und die eingesetzten Verfahren sind von der individuellen Diagnose abhängig. Je nach Ursache können folgende therapeutische Ansätze von Bedeutung sein:

  • Lebensgewohnheiten überprüfen und ggf. ändern
  • Medikamente und Hilfsmittel
  • chirurgische Eingriffe
  • Samenextraktion
  • Assistierte Reproduktionstechniken (ART)
  • Psychologische Unterstützung

 

Lebensgewohnheiten überprüfen

Viele Faktoren erhöhen das Risiko für Fruchtbarkeitsstörungen. Die gute Nachricht: Du kannst in vielen Fällen aktiv etwas tun, um Deine Fruchtbarkeit als Mann zu erhöhen. Dafür lohnt es sich, Deine Lebensweise zu überprüfen und sie zugunsten einer besseren Fruchtbarkeit zu verändern:

  • Ernähre Dich ausgewogen, nährstoff- und vitaminreich.
  • Verzichte auf einen übermäßigen Konsum von Genussmitteln (Zigaretten, Alkohol, Cannabis).
  • Achte auf regelmäßige, moderate Bewegung.
  • Treibe keinen übermäßigen Sport und vermeide starke, körperliche Belastungen.
  • Wirke Über- wie Untergewicht entgegen.
  • Verzichte auf häufige Saunabesuche und heiße Bäder.

Weitere Infos, wie Du als Mann Deine Fruchtbarkeit steigern kannst, findest Du in unserem Beitrag: Spermienqualität verbessern. Darin verraten wir Dir insbesondere, welche Mikronährstoffe für die Fruchtbarkeit wichtig sind.

 

Medikamente und Hilfsmittel

Eine medikamentöse Behandlung kann bei Infektionen oder Hormonmangel zum Einsatz kommen. Ist eine bakterielle Infektion mit Chlamydien für die Unfruchtbarkeit verantwortlich, kann diese mit Antibiotika behandelt werden – sowohl bei Dir als auch bei Deiner Partnerin.

Hat der:die Ärzt:in einen Hormonmangel festgestellt, können fehlende Hormone in Form von Tabletten oder Hautgelen verabreicht werden. Mit einer hormonellen Stimulationstherapie kann beispielsweise bei einer Unterfunktion der Hoden die Spermienbildung anregt werden.

Leidest Du unter Erektionsstörungen, sollte zunächst bedacht werden, dass bedenken, dass diese oft mit psychischen Belastungen, Stress, Depressionen und Versagensängsten in Zusammenhang stehen. Dann könnten stressreduzierende Maßnahmen oder eine psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein. Außerdem ist es sinnvoll, den Versorgungsstatus mit Mikronährstoffen zu optimieren.

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, mit einem gezielten Training Deine Beckenbodenmuskulatur zu kräftigen, die mit dem inneren Teil des Penis verbunden ist. Weiter könnte hier auch eine Vakuumpumpe zum Einsatz kommen, die die Muskelzellen in den Schwellkörpern des Penis stimuliert und beim Aufbau einer Erektion hilfreich sein könnte.

Bei einer erektilen Dysfunktion wäre auch eine Kombination aus potenzsteigernden Medikamenten und einer Injektionstherapie möglich. Führen die Maßnahmen nicht zum Erfolg, bleibt bei wirklicher Impotenz als letzte Möglichkeit ein Penisimplantat (Penisprothese).

Chirurgische Eingriffe

Eine chirurgische Behandlung wird in jedem Fall nötig, wenn z. B. Deine Samenleiter verklebt oder durchtrennt sind und dadurch der Transportweg für die Spermien versperrt wird.

Eine häufige Ursache für eine Unfruchtbarkeit sind Krampfadern am Hoden und Samenstrang. Die Varikozele kann nur durch einen chirurgischen Eingriff entfernt werden.

Wurde in der Vergangenheit eine Vasektomie (Sterilisation) durchgeführt, könnte sie möglicherweise mit einer sogenannten Refertilisierung rückgängig gemacht werden. In einer Operation werden dabei die Samenleiter wieder durchgängig und funktionstüchtig gemacht.

In manchen Fällen gibt es allerdings keine Möglichkeiten, verschlossene Samenleiter wieder zu öffnen. Dann können Spermien operativ mittels Samenextraktion gewonnen werden. Bei der Testikulären Samenextraktion (TESE) werden die Spermien aus dem Hoden entnommen, bei der Mikrochirurgischen Epididymalen Spermienaspiration (MESA) aus den Nebenhoden. Beide Verfahren bieten die Möglichkeit, Samenzellen zu entnehmen, sie einzufrieren (Kryokonservierung) und für eine mögliche künstliche Befruchtung zu verwenden.

 

Assistierte Reproduktionstechniken (ART)

Wenn es einem Paar nicht gelingt, ein Kind auf natürlichem Wege zu zeugen, können unter Umständen sogenannte assistierte Reproduktionstechniken Abhilfe schaffen. Liegt die Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit beim Mann, können im Bereich der künstlichen Befruchtung drei Verfahren angewendet werden:

  • Intrauterine Insemination (IUI): Bei der Samenübertragung werden aufbereitete Spermien zur Befruchtung in die Gebärmutter der Frau eingebracht. Bei diesem Verfahren dürfen die Spermien nur leicht eingeschränkt und die Eileiter der Frau müssen offen sein.
  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Bei der IVF findet nach Spermienabgabe und Aufbereitung eine künstliche Befruchtung im Reagenzglas eines Labors statt. Für eine IVF darf die Qualität der Spermien nur leicht eingeschränkt sein.
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Bei der ICSI wird ein einzelnes Spermium im Reagenzglas direkt in eine Eizelle zur Befruchtung injiziert. Die ICSI eignet sich als Kinderwunschbehandlung, wenn die Spermienqualität stark beeinträchtigt ist.

 

Psychotherapeutische Unterstützung

Egal, ob die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch beim Mann oder bei der Frau liegt, hat dies oft spürbare emotionale Folgen. Psychische Belastungen wirken sie sich nicht nur auf die Fruchtbarkeit aus, sondern auch auf die eigene Leistungsfähigkeit, das Selbstwertgefühl und die Stimmung. Dadurch kann es zu weiteren Problemen in der Partnerschaft, im Sexual- wie auch im Sozialleben kommen.

Daher solltest Du Dich als Mann nicht scheuen, bei Bedarf rechtzeitig psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Vordergrund einer Psychotherapie stehen neben der Reduzierung des psychischen Stresses die professionelle Begleitung durch die Kinderwunschzeit und das Ziel, als Paar wieder Mut zu fassen und neue Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.

Endlich Papa werden. Ich freue mich drauf.