Was bedeutet es, immun zu sein?

Immunität – den Begriff kennen wir alle. Uns kommen sofort Wörter wie Infektion, Schutzimpfung und Gesundheit in den Sinn. Doch was bedeutet es eigentlich genau, immun zu sein? Und wie wird man immun? Wir klären auf. 
„Anna hat die Röteln, am besten, ihr spielt in nächster Zeit nicht zusammen“, sagt Annas Mama zu Timo. Timo wollte seine Kindergartenfreundin Anna heute zum Spielen besuchen. „Das ist kein Problem, ich hatte sie auch schon“, antwortet Timo stolz. „Mama sagt, ich bin schon immun.“ Aber was genau heißt immun sein und wie kommt es eigentlich dazu?

Was ist Immunität?

Wer den Begriff „Immunität“ im Duden nachschlägt, findet folgende Definition: „für bestimmte Krankheiten unempfänglich, gegen Ansteckung, Schädigung o.ä. gefeit“. In einfachen Worten heißt das, wir können uns nicht mehr mit einer bestimmten Krankheit anstecken. Unser Immunsystem verhindert in diesem Fall, dass die Krankheit überhaupt erst ausbricht, wenn wir dem entsprechenden Keim ausgesetzt sind. Das ist eine tolle Sache, denn wir bleiben gesund, weil unser Körper Antikörper gegen den Erreger hat. 

Wie werden wir immun?

Eine Möglichkeit, Immunität zu erlangen, ist, eine sogenannte Erstinfektion mitgemacht zu haben. Die hat auch Timo im Fall von Röteln schon hinter sich. Eine andere wirksame Möglichkeit ist die Impfung.

Warum kann eine Erstinfektion vor erneuten Infektionen schützen?

Unser Körper wird ständig durch infektiöse Keime aus seiner Umwelt bedroht (darunter Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten), und besitzt daher von Geburt an eine Immunabwehr, um geschützt zu sein. Diese angeborene Abwehr nennt man unspezifisch, sie schützt den Körper, ist aber nicht spezialisiert auf einen bestimmten Keim. Zusätzlich gibt es die sogenannte spezifische oder auch erworbene Immunabwehr. Sie ist das, was wir meinen, wenn wir von „immun sein“ sprechen.

Wenn ein Erreger erstmals in unseren Körper eindringt, wird unser Immunsystem aktiv. Es beginnt damit, den Erreger zu bekämpfen, was bei uns meist zu Krankheitssymptomen führt. Die unspezifische Abwehr ist zwar voll aktiv und wirksam, kann aber den Ausbruch des Virus nicht verhindern. Bereits während der Erkrankung bilden die T-Zellen sogenannte Antikörper, die sich auf die Oberfläche des Virus setzten und ihn dadurch unschädlich machen. Diese Antikörper sind Teil der spezifischen Immunabwehr, sie werden gespeichert als Gedächtniszellen. Unser Organismus ist nun sensibilisiert in Bezug auf Windpocken.

Kommen wir erneut mit dem Virus in Kontakt, kann die spezifische Immunabwehr sofort reagieren. Sie erkennt das Virus durch die vorhandenen Antikörper, die perfekt auf die Virenoberfläche passen, und produziert schlagartig Unmengen an weiteren Antikörpern. Das Virus wird unschädlich gemacht, bevor die Krankheit überhaut ausbrechen kann. Jetzt sind wir immun.

Die spezifische Abwehr und damit die Immunität gegenüber bestimmten Erregern muss unser Körper im Laufe des Lebens erst aufbauen. Das Immunsystem „lernt“ mit jedem Kontakt zu einem neuen Keim dazu, und kann dann beim Zweitkontakt meist so schnell aktiv werden, dass wir keine Krankheitssymptome bemerken.

Wir müssen nicht zwangsläufig krank werden – Vorbeugen durch Impfen

Dank unserer modernen Medizin müssen wir allerdings nicht an jeder Krankheit erkrankt sein, um dagegen immun zu werden. Mit einer entsprechenden Impfung können wir auch vorbeugen. Dabei wird der Organismus mit einer harmloseren Version des Erregers (Lebendimpfung), einem abgetöteten Keim (Totimpfung) oder Bruchstücken des Erregers in Kontakt gebracht.

Manche Menschen haben daraufhin eine leichte Immunreaktion und fühlen sich etwas schlapp, weil die Abwehr leicht reagiert, andere merken gar nichts vom Kontakt. Meist sind mehrere aufeinander folgende Teilimpfungen nötig, um einen ausreichenden Antikörpertiter (eine Grundimmunität) zu erreichen. 

Wie lange sind wir eigentlich immun?

Nie wieder krank dank Immunität? Naja, nicht ganz. Wie lange wir nach einer Erkrankung oder einer Impfung auch immun bleiben, ist unterschiedlich. Bei einigen Erregern hält der Schutz nach der Grundimmunisierung im Babyalter ein Leben lang an. Bei anderen benötigt man nach ca. zehn Jahren eine Auffrischung.

Das Immunsystem muss dann wieder an den Keim „erinnert“ werden, denn die Menge an Antikörpern im Blut ist zu niedrig, um noch ausreichenden Schutz vor Neuinfektionen zu bieten. Bei Unklarheit über den eigenen Status hilft ein Besuch beim Hausarzt, Impfbuch nicht vergessen.

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