Lycopin
Was ist Lycopin?
Lycopin ist ein Pflanzenfarbstoff, der zur Gruppe der Carotinoide gehört. Carotinoide wiederum zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen. Lycopin ist sehr häufig in verschiedenen Früchten und Gemüsesorten vertreten und verleiht ihnen ihre Farbe. Ein bekanntes Beispiel ist das Rot der Tomaten.
Lycopin wird von Organismen hergestellt, die Photosynthese betreiben – das sind vor allem Pflanzen und Algen. Aber auch manche Mikroorganismen und Pilze können Lycopin produzieren. Im menschlichen Körper findet sich zwar ebenfalls Lycopin, jedoch wird es von außen zugeführt und lagert sich dann unter anderem in Organen und Fettgewebe ab. Besonders große Mengen an Lycopin – zehnmal mehr als in anderen Geweben – finden sich bei Männern in den Hoden, gefolgt von Nebenniere und Leber.
In welchen Formen ist Lycopin verfügbar?
Substanzen können die gleichen Bausteine (Atome) besitzen, die aber unterschiedlich angeordnet sind. Dadurch bilden sich verschiedene räumliche Strukturen aus. Fachleute nennen das Isomerie. Die beiden unterschiedlichen Formen bezeichnen sie als cis- und trans-Isomere.
In diesen zwei Formen liegt auch Lycopin vor. Es gibt die trans-Lycopinstruktur, die zum Beispiel bei unbehandelten Lebensmitteln vorliegt. Durch Wärmezufuhr beim Kochen ändert sich diese Struktur und wandelt sich in die cis-Form um.
Welche Lycopin-Form ist die beste?
Das cis-Lycopin kann 2,5-mal besser aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden und ist so für Deinen Körper einfacher zu verwerten – die sogenannte Bioverfügbarkeit ist also höher.
Interessante Fakten zu Lycopin
- Wofür benötigen Pflanzen Lycopin?
Pflanzen nutzen die Wirkung von Lycopin als Radikalfänger. Freie Radikale entstehen im Rahmen des Stoffwechsels und haben eine nützliche Funktion. Durch äußere Einflüsse, etwa Schadstoffe oder UV-Strahlung, kann ihre Menge aber zu stark ansteigen. Das schadet den Zellen. Fachleute bezeichnen das als oxidativen Stress. Das Abfangen der freien Radikale ist auch als antioxidativer Effekt bekannt. Zudem hat Lycopin als Farbstoff eine Signalwirkung. Die Pflanze lockt so Tiere oder Insekten an, die ihre Früchte fressen oder die Blüten besuchen. Auf diese Weise werden die Samen und Pollen weitergetragen. - Lycopin – mit Fetten oder Ballaststoffen kombinieren?
Lycopin ist ein fettlöslicher Farbstoff. Aufgrund dieser Eigenschaft kann Dein Körper Lycopin besser aufnehmen und verarbeiten, wenn Du es zusammen mit Nahrungsfetten konsumierst. Unser Tipp: Genieße Tomaten zum Beispiel mit gesundem Olivenöl als schmackhaften Tomatensalat. Eine ballaststoffreiche Ernährung hingegen verringert die Aufnahme von Lycopin. Studienergebnisse zeigen eine um über 40 Prozent verringerte Konzentration des Pflanzenstoffs im Blut, wenn Du gleichzeitig Ballaststoffe verzehrst. - Lycopin färbt nicht nur Tomaten rot
Der Pflanzenfarbstoff Lycopin darf auch zum Färben bestimmter Lebensmittel eingesetzt werden. Als Farbstoff E160d gibt er unter anderem Konfitüren, Süßigkeiten, Fisch, Fleischersatzprodukten oder Milchprodukten zusätzliche Farbe. Wieviel Lycopin zugesetzt werden darf, ist vorgegeben und variiert zwischen den einzelnen Lebensmitteln.
Der französische Botaniker Pierre-Marie Alexis Millardet interessierte sich bereits 1876 für den Stoff, der Tomaten rot färbt. Er nannte die Kristalle Solanorubin. Etwa 30 Jahre später schaute ein anderer Wissenschaftler (C. A. Schunk) genauer hin und isolierte 1903 einen roten Farbstoff aus der Tomate. Der lateinische Name Lycopersicum esculentum für Tomate inspirierte ihn zu der Bezeichnung Lycopin. Dieser hat sich bis heute gehalten und den Namen Solanorubin abgelöst.
Hättest Du das über Lycopin gewusst?
- Kleinstlebewesen im Boden beeinflussen den Lycopin-Gehalt der Pflanze
Nicht nur die Sorte von Tomaten oder anderen lycopinhaltigen Früchten entscheidet über die Menge an Lycopin. Auch der Boden mit seinen Mikroorganismen und die Anbaubedingungen wie Temperatur und Feuchtigkeit beeinflussen den Gehalt. So hat sich gezeigt, dass sich bestimmte Kleinstlebewesen im Boden günstig auswirken und so für bis zu 36 Prozent mehr Lycopin in den Früchten sorgen können. - Die Tomate mag es dunkel nach der Ernte
Hitze kann Lycopin nichts anhaben, dafür reagiert es jedoch empfindlich auf Licht. Daher ist es ratsam, lycopinhaltiges Gemüse wie Tomaten dunkel zu lagern. Das verhindert einen vorzeitigen Abbau der wertvollen Pflanzenstoffe. Wenn Du reife Tomaten in einem verdunkelten Vorratsregal bei mäßigen Temperaturen zwischen 12 und 16 Grad Celsius lagerst, halten sie sich dort für bis zu fünf Tage frisch.
Tagesbedarf: Wie viel Lycopin am Tag?
Für Lycopin hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bislang keine Empfehlungen zum Tagesbedarf herausgegeben. Um eine Dosierung zu ermitteln, bedarf es einer entsprechend großen Anzahl an Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Lycopin. Die Forschenden haben dabei folgendes Problem: Sie können bei pflanzlichen Lebensmitteln nicht klären, welche Effekte durch welche sekundären Pflanzenstoffe ausgelöst werden. Vermutlich ist es häufig ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren – zu denen auch Lycopin gehört. Dementsprechend ist es bislang nicht möglich, einen Tagesbedarf anzugeben. Die Datenlage ist für exakte Werte zu gering.
Mit pflanzlichen Lebensmitteln nimmst Du Lycopin und andere sekundäre Pflanzenstoffe auf. Die Hauptquelle für Lycopin sind Tomaten sowie daraus hergestellte Lebensmittel, wie Tomatenmark und Ketchup. Insgesamt etwa 85 Prozent des Lycopingehalts Deiner Ernährung stammen im Durchschnitt aus dem bei uns sehr beliebten roten Gemüse. Die ursprünglich aus Südamerika stammende Tomate ist bei uns die Nummer Eins – mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von fast 30 Kilogramm.
Von dem über die Nahrung zugeführten Lycopin nimmst Du nur etwa 10 bis 30 Prozent auf. Der Rest wird ungenutzt über den Stuhl wieder ausgeschieden. Mit zunehmendem Alter nimmt außerdem die Bioverfügbarkeit ab. Das bedeutet, dass geringere Mengen von Lycopin ins Blut gelangen und verwertet werden. Das liegt vermutlich daran, dass sich die Strukturen im Magen-Darm-Trakt im Laufe Deines Lebens verändern. Diese Veränderungen führen im Allgemeinen dazu, dass der Darm geringere Mengen an Nährstoffen absorbieren kann.
Lycopin: den Bedarf decken
Für Lycopin liegen derzeit keine Werte zur empfohlenen Tageszufuhr vor.
Welche Lebensmittel haben am meisten Lycopin?
Hauptlieferanten für Lycopin sind Obst und Gemüse und daraus verarbeitete Lebensmittel.
Beispiele für Früchte/Fruchtgemüse mit nennenswerten Gehalten an Lycopin sind: Aprikose, Papaya, rosa Grapefruit, rosa Guave, Kürbis, Hagebutte, Wassermelone
Zu den Gemüsesorten mit Lycopin gehören beispielsweise: Tomate, Karotte, Süßkartoffel
Beispiele für verarbeitete, lycopinhaltige Lebensmittel auf Basis von Tomaten: Tomatenmark, Ketchup, Tomatensauce
Der Gehalt an Lycopin kann je nach Sorte des Obstes oder Gemüses oder je nach Anbaubedingungen sehr stark variieren. Eine bei uns eher unbekannte Frucht mit sehr hohem Lycopingehalt von etwa 200 Milligramm pro 100 Gramm Frucht ist die vietnamesische Gac-Frucht, auch Baby-Jack-Frucht genannt. Zum Vergleich: Tomatenmark als Top-Lieferant für Lycopin enthält etwa 55 Milligramm Lycopin pro 100 Gramm.
Hohe Temperaturen machen Lycopin nichts aus. Der Großteil des Gehalts bleibt nach dem Kochen erhalten. Der Körper kann außerdem das Lycopin aus erhitzten Lebensmitteln besser verwerten. Damit steigt der Gehalt des verwertbaren Lycopins. Tomaten enthalten beispielsweise 5 bis 10 Milligramm verfügbares Lycopin auf 100 g, Tomatensoße kommt mit etwa 20 Milligramm Lycopin pro 100 g fast mindestens auf das doppelte Gehalt.
Lycopin-Mangel: Ursachen & Symptome
Ob eine geringe Zufuhr von Lycopin negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann, ist bisher nicht ausreichend untersucht.
Zu viel Lycopin: Überdosierung
Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) erfolgt die Aufnahme von Carotinoiden wie Lycopin über eine übliche pflanzliche Ernährung in Mengen, die keine gesundheitsschädlichen Effekte erwarten lassen.
Manchen Produkten wird allerdings Lycopin als Lebensmittelzutat zugefügt. Dazu gehören zum Beispiel Brot, Gemüsesäfte und manche Dressings. Die Höchstgehalte sind dafür vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vorgegeben. Das heißt jedoch nicht, dass bei einer höheren Menge Schäden zu erwarten sind. Das BfR hat Grenzwerte festgelegt, da noch nicht bekannt ist, ob hohe Dosierungen zu gesundheitlichen Problemen führen können. Die festgelegten Mengen gelten als sicher. Für Nahrungsergänzungsmittel wurde ein Höchstgehalt von 15 mg Lycopin pro Tagesportion vom BfR festgelegt.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beschäftigt sich zudem mit der Bestimmung der erlaubten Tagesdosis, die täglich im Laufe eines Lebens eingenommen werden kann, ohne dass ein gesundheitliches Risiko besteht. Für Lycopin hat die EFSA einen Wert von 0,5 Milligramm des Pflanzenfarbstoffes pro Kilogramm Körpergewicht eines Menschen festgelegt. Dieser Wert berücksichtigt die Aufnahme von Lycopin aus allen Quellen, wie Lebensmitteln und künstlich hergestelltem Lycopin. Auch hier gilt: Es gibt keine Erkenntnisse über die Auswirkungen einer längerfristigen höheren Einnahme.
Ein Vergleich: Tiere haben in einer Studie 50 Milligramm Lycopin pro Kilogramm Körpergewicht erhalten, also eine Menge, die hundertmal so hoch ist wie der Wert, den die EFSA als maximale Tagesdosis empfiehlt. Schäden wurden bei den Tieren nicht ermittelt.
Beobachtet wurde bei Menschen lediglich eine unbedenkliche gelb-orange Verfärbung der Haut, nachdem regelmäßig und in größeren Mengen Lycopin, zum Beispiel in Form von Tomatensaft, konsumiert wurde. Dies ist vergleichbar mit gelblicher Haut nach übermäßigem Genuss von Carotin-haltigen Nahrungsmitteln wie Karotten. Solche Ablagerungen in der Haut sind nicht dauerhaft. Nach Umstellung der Ernährung verschwinden die Verfärbungen wieder.
Lycopin: Darreichungsformen
Du kannst Deinen Körper mit zusätzlichem Lycopin aus Nahrungsergänzungsmitteln versorgen. Dazu wird Lycopin in verschiedenen Darreichungsformen angeboten. Häufig erfolgt eine Kombination mit anderen Mikronährstoffen in einem Präparat.
Nachfolgend findest Du eine Auswahl an Darreichungsformen:
- Tabletten mit Lycopin
- Kapseln mit Lycopin
- Pulver mit Lycopin
- (Direkt-)Granulat mit Lycopin
- Kautabletten mit Lycopin
- Trinkfläschchen mit Lycopin