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Heiße Zitrone zur Stärkung des Immunsystems

Erkältungsmythen und -fakten im Check – Was stimmt wirklich?

Interview mit Dr. Cornelia Roggenbuck

Wir stellen die größten Erkältungsmythen auf den Prüfstand: Was sind die Ursachen von Erkältungen? Wie kann ich mich davor schützen? Welche Hausmittel unterstützen die Genesung? Dr. Cornelia Roggenbuck, Scientific Managerin bei Orthomol, beantwortet diese und andere Fragen zum Thema Immunsystem und Abwehrkräfte in unserem Podcast. Die Immun-Expertin klärt auf, welche Mythen es beim Thema Erkältung gibt – und welche davon wirklich stimmen. Dabei gibt sie auch praktische Tipps, wie wir unser Immunsystem natürlich stärken können.

Wenn man eine Erkältung hat, sagt man ganz häufig: „Ich hab‘ ne Grippe“. Habe ich denn immer eine Grippe, wenn ich eine Erkältung habe?

Nein. Wenn man eine Grippe hat, liegt dahinter eine Infektion mit einem Influenza-Virus. Es gibt auch ein paar Möglichkeiten, eine Grippe von einer Erkältung zu unterscheiden. Zum Beispiel treten die Symptome bei einer Grippe plötzlich und besonders stark auf und gehen in vielen Fällen mit Schüttelfrost oder Fieber einher. Auch starke Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen sprechen eher für eine Grippe. Eine endgültige Abklärung muss allerdings durch den Arzt erfolgen.

Kommt der Begriff Erkältung von Kälte? Das Wort steckt ja bereits drin. Bekomme ich also immer eine Erkältung, wenn es kalt ist?

Es ist sicherlich so, dass die meisten Erkältungen im Winter auftreten, aber ein direkter Zusammenhang mit der Kälte konnte in verschiedenen Studien nicht bewiesen werden. Dennoch kann man einen Zusammenhang erklären. Bei Kälte ziehen sich Gefäße in der Nase und der Lunge zusammen. Dadurch funktioniert die Durchblutung nicht so gut und die Erreger können schlechter abgefangen werden. Zudem hält man sich in kalten Tagen viel in beheizten Räumen auf. Das kann die Schleimhäute austrocknen und auch dies macht es den Erregern einfacher, genauso wie die räumliche Nähe an kalten Tagen.

Wenn ich eine Erkältung habe oder erste Symptome auftreten, bin ich, und vermutlich auch viele andere, ein Verfechter von der klassischen Hühnersuppe. Hilft die wirklich?

Hühnersuppe ist grundsätzlich eine gute Idee, weil mit der ihr viel Feuchtigkeit aufgenommen wird. Hinzu kommt, dass die verschiedenen Vitamine und Mineralstoffe und das Cystein im Hühnerfleisch entzündungshemmend wirken. Generell kann man viel über die Ernährung für die Abwehrkräfte machen. Zum Beispiel regen saure und scharfe Lebensmittel die Schleimproduktion an. Diese wirkt sich positiv auf unsere Immunabwehr aus, denn über die Schleimhäute können Bakterien abtransportiert werden.

Wie verhält es sich denn mit dem Niesen? Ich habe mal gehört, dass man ein Niesen nicht unterdrücken sollte. Mythos oder wahr?

Niesen ist ein Reinigungsmechanismus unseres Körpers und den sollte man wirklich nur unterdrücken, wenn es gerade gar nicht anders geht.

Und soll man die Nase eher hochziehen oder lieber doch nicht?

Ja, man soll hochziehen. Das mag unangenehm sein, aber grundsätzlich ist hochziehen gar keine schlechte Idee. Wenn ich kräftig in ein Taschentuch schnäuze, landet das Sekret in den Nebenhöhlen und da möchte man es wirklich nicht haben. Schließlich möchte man sich auch keine Nasenebenhöhlenentzündung einfangen. Wer dennoch nicht ohne Schnäuzen leben kann, sollte sich jedes Nasenloch einzeln vornehmen. So ist nicht ganz so viel Druck dahinter.

Ein weiterer Mythos ist, dass man sich nach der ersten Ansteckung nicht mehr mit dem gleichen Virus infizieren kann. Richtig oder falsch?

Doch, das geht - leider. Gerade bei den klassischen Erkältungsviren passiert das oft. Der Körper hat verschiedene Abwehrreaktionen, die nacheinander ablaufen. Die erste Reaktion ist immer unspezifisch mit sogenannten Fresszellen. Diese haben verschiedene Mechanismen, wie sie einen Virus unschädlich machen können. Die Rhinoviren, also die klassischen Erkältungsviren, können an diesen Fresszellen andocken.

So sorgen sie dafür, dass falsche Botenstoffe geschickten werden und es nicht zu einer spezifischen Antikörper-Reaktion, also der zweiten Reaktion unseres Körpers gegen die Viren, kommt. Mit ihrer Taktik können die Rhinoviren diese spezifische Abwehr aussetzen und unser Körper kann nur unspezifisch reagieren. Das heißt aber auch, dass unser Körper diesen Erreger beim nächsten Mal nicht wiedererkennt, weil er ja nie Antikörper bilden musste und wir uns mit demselben Virus nochmal infizieren können.

Häufig sagt man: „Ich habe eine Erkältung verschleppt“. Deswegen soll man, auch beim “kleinsten” Schnupfen, direkt vorbeugen. Ist das so?

Bei einem Schnupfen noch nicht. Ein Infekt beginnt meistens mit einem Halskratzen und dann kommen weitere Symptome wie Husten oder Schnupfen hinzu. Wir können diese Erkältung verschleppen, wenn wir uns dann nicht genug schonen, zum Beispiel nicht genug schlafen, wenn der Körper gegen die Erreger kämpft. So eine richtige Erkältung kann eine Zeit dauern, der Körper reagiert erst unspezifisch, dann spezifisch, unser Immunsystem arbeitet für uns. Wenn wir uns dann nicht genügend Ruhe gönnen, hat unser Körper nicht genug Ressourcen, um gegen die Erreger zu kämpfen und gleichzeitig noch die gewohnte Arbeit zu erledigen. Dann verschleppen wir die Erkältung.

Schlaf ist ein gutes Stichwort. Wenn ich krank bin, schlafe ich meistens viel. Erhole ich mich im Schlaf?

Ja. Das Immunsystem braucht den Schlaf, denn nur dann kann es sich wirklich gut regenerieren und weiterarbeiten.

Hier im Rheinland habe ich den Spruch gehört: Eine Erkältung ohne Arzt hast du drei Wochen, mit Arzt 21 Tage. Wie siehst du das: Arzt, ja oder nein? 

Wenn eine Erkältung gar nicht weggeht, würde ich den Gang zum Arzt empfehlen. In erster Linie, um abzuchecken, dass da nicht mehr ist, denn bei einer viralen Infektion kann der Arzt eigentlich nicht viel machen. Erst bei einer bakteriellen Infektion kann er beispielsweise Antibiotika geben. Bei einer viralen Infektion spricht der Arzt eher generelle Empfehlungen aus wie Ruhe einhalten, lüften, Nasenspray benutzen oder inhalieren.

Das vollständige Interview zum Hören: