Wenn im Waschbecken oder auf dem Kissen mehr Haare zurückbleiben als gewöhnlich, macht sich schnell Unbehagen breit. Schließlich sind Haare weit mehr als eine schützende Kopfbedeckung, sondern gelten als Zeichen der Attraktivität und Gesundheit. Wir haben uns das Thema Haarausfall einmal genauer angeschaut und geben Dir einen Überblick über die verschiedenen Formen und mögliche Ursachen – von genetischer Veranlagung über Nährstoffmangel bis Stress. Wir betrachten die Unterschiede beim Haarausfall von Frauen und Männern, stellen Behandlungsmöglichkeiten vor und verraten Dir, was wirklich hilft, um Haarausfall zu stoppen und das Haarwachstum anzuregen.
Was ist Haarausfall?
Bis zu 150.000 Haare schützen die Kopfhaut vor UV-Strahlung und übermäßigem Wärmeverlust. Interessanterweise begleitet ein Haar uns aber nicht ein Leben lang, sondern etwa zwei bis acht Jahre. Das liegt daran, dass jedes Haar seinen eigenen Wachstumszyklus durchläuft, an dessen Ende das Haar abgestoßen und an gleicher Stelle ein neues gebildet wird. Daher ist es ganz normal, täglich beim Waschen, Stylen und Kämmen bis zu 100 Haare zu verlieren. Lies dazu auch unseren Beitrag zum Thema: Wie schnell wachsen Haare?
Von verstärktem Haarausfall (Effluvium) wird erst dann gesprochen, wenn deutlich mehr als 100 Haare pro Tag ausgehen und es dadurch ein deutliches Ungleichgewicht zwischen abgestoßenen und nachwachsenden Haaren gibt. Häufig ist der übermäßige Verlust der Haare nur temporär und vergeht, sobald die Ursache behoben ist.
In einigen Fällen erstreckt er sich aber auch über einen längeren Zeitraum, so dass das Haar allmählich dünner und die Kopfhaut sichtbar wird. Mediziner:innen sprechen dann von der sogenannten Alopezie, die bis zum vollständigen Verlust der Haare führen kann.
Haarausfall Ursachen
Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die den Lebenszyklus der Haare und damit auch die Anzahl der ausfallenden Haare beeinflussen können. In den meisten Fällen (~90 Prozent) ist die Ursache des Haarausfalls jedoch auf genetische Komponenten zurückzuführen. Schätzungen zufolge sind 80 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen spätestens im Alter von 70 Jahren von der sogenannten androgenetischen Alopezie (anlagebedingter Haarausfall) betroffen. Diese scheint mit einer erhöhten Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen), insbesondere Dihydrotestosteron (DHT) einherzugehen, wodurch die Haare schneller ausfallen. Auch wenn es sich bei DHT um ein männliches Sexualhormon handelt, kommt es auch im weiblichen Organismus vor.
Darüber hinaus können aber auch folgende Faktoren als Ursachen des Haarverlustes in Frage kommen:
- Störungen des Hormonsystems: z. B. Schilddrüsenfehlfunktionen, Hypogonadismus, Nebenniereninsuffizienz
- Geburt
- Menopause
- Autoimmunerkrankungen (z. B. Alopecia areata)
- Schwere allgemeine Erkrankungen (z. B. fieberhafte Infektionskrankheiten wie COVID-19 oder die Grippe, chronische Erkrankungen der Leber oder blutbildenden Organe)
- Dermatologische Ursachen (z. B. Neurodermitis, Pilzerkrankungen, Ekzeme)
- Umweltgifte
- Medikamente (Chemotherapie, aber auch andere Arzneimittel wie z. B. Blutdrucksenker, Gerinnungshemmer, Lipidsenker)
- Nährstoffmangel (z. B. Eisenmangel oder Zinkmangel)
- Haarbehandlungen (z. B. übermäßige Hitze, Haarefärben, starke Zugkräfte)
- Klimatische Veränderungen
- Stress (z. B. infolge emotionaler Belastungen, Operationen)
Haarausfall Formen
Die unterschiedlichen Ursachen des Haarausfalls spiegeln sich auch in verschiedenen Formen des Haarverlustes wider. Während bei manchen die Haare am gesamten Kopf dünner werden, lichten sich bei anderen einzelne Stellen, die mit der Zeit größer werden. Entsprechend der Ursache und Art werden drei Hauptformen des Haarausfalls unterschieden: der erbliche, der kreisrunde und der diffuse Haarausfall. Daneben gibt es aber auch noch andere, seltenere Auslöser und Varianten des Haarausfalls.
Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)
Erblich bedingter Haarausfall (med. androgenetische Alopezie) ist die häufigste Form des übermäßigen Haarverlusts und wird oft als männlicher Haarausfall bezeichnet. Letzteres ist allerdings irreführend, da auch Frauen von dieser Art des Haarverlustes betroffen sind, wenn auch in anderer Ausprägung.
Bei Männern zeigt sich die androgenetische Alopezie oft durch zurückweichende Haarlinien und kahler werdenden Stellen am Oberkopf, während bei Frauen das Haar meist im Scheitelbereich dünner wird. In der Regel schreitet der erblich bedingte Haarausfall bei beiden Geschlechtern langsam voran und beginnt bei Männern meist im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Bei Frauen setzt der Haarverlust erst später und vermehrt in Verbindung mit den Wechseljahren ein.
Expert:innen gehen davon aus, dass die Hauptursache in einer genetisch bedingten Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem männlichen Hormon 5-alpha-Dihydrotestosteron (5α-DHT), einem Abbauprodukt des Hormons Testosteron, liegt. Dieses Hormon führt dazu, dass die Haarfollikel allmählich schrumpfen. Infolgedessen verkürzt sich die Wachstumsphase der Haare (Anagenphase) und die Follikel produzieren zunehmend dünnere und kürzere Haare, bis sie ihre Aktivität vollständig einstellen. Eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko erheblich.
Obwohl erblich bedingter Haarausfall bisher nicht vollständig heilbar ist, gibt es verschiedene Ansätze der Behandlung. Topische Lösungen, d. h. Mittel, die lokal, also direkt auf der Kopfhaut, aufgetragen werden, können das Haarwachstum anregen und den Prozess des Haarverlustes hinauszögern. Für Männer steht zusätzlich ein Arzneimittel zur Verfügung, das die Umwandlung von Testosteron in DHT hemmt. Frauen mit hormonellen Dysbalancen können ebenfalls auf medikamentöse Therapien zurückgreifen. Zudem gewinnen Haartransplantationen immer mehr an Bedeutung.
Ein gesunder Lebensstil inklusive einer ausgewogenen Ernährung und Stressmanagement unterstützt die allgemeine Haargesundheit, kann den genetischen Prozess jedoch nicht vollständig aufhalten.
Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
Kreisrunder Haarausfall, medizinisch als Alopecia areata bezeichnet, ist ein plötzlich auftretender, entzündlich bedingter Haarausfall, der sich meist in kreisrunden bis ovalen Stellen der Kopfhaut zeigt und von einem leichten Jucken der Haut begleitet sein kann.
Es wird vermutet, dass der Alopecia areata eine Autoimmunreaktion zugrunde liegt, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Haarfollikel bekämpft. In der Folge werden die Follikel vorübergehend inaktiv und das Haar fällt aus. Die Haarwurzeln werden aber nicht dauerhaft geschädigt, sodass die Haare in vielen Fällen wieder nachwachsen können.
Als Auslöser der fehlerhaften Immunreaktion beim kreisrunden Haarausfall werden u. a. seelische Belastungen und Stress diskutiert, aber auch genetische Faktoren scheinen bei der Entstehung der Erkrankung eine Rolle zu spielen. Frauen und Männer sind in etwa gleich häufig betroffen und auch bei Kindern kann kreisrunder Haarausfall auftreten.
Die Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach dem Ausmaß der Alopecia areata und der individuellen Krankheitsgeschichte. Kortisonpräparate beispielsweise können Entzündungen in der Umgebung der Haarfollikel reduzieren, während lokale Anwendungen auf der Kopfhaut zur Stimulation des Haarwachstums eingesetzt werden. Immuntherapien sind ebenfalls möglich. Wichtig ist zudem die psychologische Unterstützung, da der plötzliche Haarausfall für viele Betroffene belastend sein kann.
Diffuser Haarausfall (Alopecia diffusa)
Bei diffusem Haarausfall (med. Alopecia diffusa) verteilt sich der Haarverlust gleichmäßig über die gesamte Kopfhaut, sodass keine kahlen Stellen entstehen, sondern das Haar insgesamt lichter wirkt. Die Ursachen für diffusen Haarausfall sind vielfältig und beruhen oft auf vorübergehenden oder systemischen Störungen des Haarwachstums.
Je nachdem in welcher Wachstumsphase die Haare ausfallen, wird zwischen telogenem Effluvium und anagenem Effluvium unterschieden. Bei dem telogenem Effluvium tritt das Haar vorzeitig aus der Wachstumsphase in die Ruhephase ein und fällt rund 3 Monate später aus, während beim anagenen Effluvium die Haare in der Wachstumsphase ausfallen. Dies ist häufig nach einem schädigenden Ereignis wie der Chemotherapie oder bei Schwermetallvergiftungen der Fall.
Häufigste Auslöser des telogenen Effluviums sind körperlicher oder emotionaler Stress, Hormonveränderungen (wie nach der Schwangerschaft), Nährstoffmangel (z. B. Eisenmangel, Zinkmangel oder Biotinmangel), Schilddrüsenerkrankungen oder Infektionen.
Im Gegensatz zu genetisch bedingtem Haarausfall ist diffuser Haarausfall meist reversibel, sobald die Ursache identifiziert und behoben wird. Das liegt daran, dass die Haarwurzeln bei diffusem Haarausfall nicht zugrunde gehen. Die Behandlung zielt daher primär auf die Beseitigung des auslösenden Faktors ab. Liegt beispielsweise ein Nährstoffmangel zugrunde, kann eine gezielte Nährstoffzufuhr helfen, den Haarausfall zu stoppen. Unterstützende Maßnahmen wie eine sanfte Kopfhautpflege und der Verzicht auf aggressive Haarbehandlungen fördern die Haargesundheit zusätzlich.
Vernarbender Haarausfall (Alopecia cicatricalis)
Vernarbender Haarausfall ist eine relativ selten vorkommende Form des irreversiblen Haarverlustes, bei der die Haarfollikel aufgrund von Vernarbungen der Kopfhaut zugrunde gehen und keine Haare mehr nachwachsen können. Neben chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen, Pilzinfektionen und mechanischen Traumata, scheinen auch autoimmunologische Prozesse zur Vernarbung beitragen zu können. Mithilfe medikamentöser Therapien kann die Krankheit in manchen Fällen zum Stillstand gebracht werden. Ein Nachwachsen der Haare in den betroffenen Bereichen ist aber nicht zu erwarten.
Strahlenbedingter Haarausfall (Alopecia actinica)
Fallen die Haare infolge einer Strahlentherapie oder anderer akuter Strahlung aus, so sprechen Dermatolog:innen von Alopecia actinica. Diese ist darauf zurückzuführen, dass ionisierende Bestrahlung zu Schädigungen in den Haarfollikeln und damit einhergehenden Störungen des Wachstumszyklus der Haare führt. In der Regel normalisiert sich der Haarausfall nach dem Ende der Strahlenbelastung wieder. In seltenen Fällen kann das Haar jedoch auch schütter bleiben.
Alopecia seborrhoica
Bei der Alopecia seborrhoica handelt es sich um Haarausfall mit begleitender Überproduktion von Talg. Durch die vermehrte Talgabsonderung auf der Kopfhaut kommt es zu einer chronischen Entzündung des Haarfollikels und schließlich zum Haarverlust. Häufig liegen Grunderkrankungen (z. B. Infektionskrankheiten, Diabetes, verschiedene Hauterkrankungen) vor, die die Fettproduktion der Talgdrüsen aus dem Gleichgewicht bringen.
Alopecia mechanis (Alopecia traumatica)
Von Alopecia mechanis wird gesprochen, wenn die Haare aufgrund physischer Schäden oder Verletzungen der Haarfollikel ausfallen. Dies kann z. B. dann passieren, wenn die Haarwurzeln durch straff gebundene Zöpfe oder übermäßiges Ziehen an den Haaren zu hohem Druck ausgesetzt werden. Daneben gehören chemische Schäden durch Haarbehandlungen oder Traumata der Kopfhaut (z. B. Verbrennungen) zu den Risikofaktoren.
Haarausfall bei Stress
Stress kann gleich auf zwei verschiedene Arten einen negativen Einfluss auf die Haarpracht haben. Zum einen wird durch die vermehrte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol das Haarwachstum gehemmt. Zum anderen scheint sich die Anzahl der Nervenfasern, die den Haarfollikel umgeben, zu erhöhen. Diese setzen dann vermehrt Nervenbotenstoffe frei, die Entzündungsprozesse in Gang setzen und schließlich zu vorzeitigem Haarausfall führen. Dabei ist es unerheblich, ob der Stress emotionaler oder körperlicher Natur ist. Nach Bewältigung der Stressphase wachsen die Haare meist innerhalb weniger Monate wieder nach.
Haarausfall nach der Schwangerschaft
Erstrahlen die Haare während der Schwangerschaft noch in voller Pracht, bereiten sie nach der Entbindung vielen Frauen Sorgen. Denn mit der Geburt des Kindes stellt sich auch der Hormonspiegel der frischgebackenen Mutter um und das Östrogen, das in der Schwangerschaft das Haarwachstum unterstützt hat, sinkt wieder ab. Der positive „Haareffekt“ geht also verloren geht und mit ihm all die Haare, die in den vergangenen Monaten hormonbedingt erhalten wurden. Etwa zwei bis drei Monate nach der Geburt stabilisiert sich das Hormongleichgewicht aber wieder und mit ihm das Haarwachstum.
Haarausfall in den Wechseljahren
Auch die Wechseljahre sind eine Phase hormoneller Veränderungen, in der Frauen häufig eine Abnahme der Haarfülle beobachten. Zwar sind die genauen Ursachen eines Haarausfalls in den Wechseljahren noch ungeklärt, es wird aber vermutet, dass mit dem Abfall des Östrogens, der Anteil des Testosterons im Blut verhältnismäßig ansteigt und sich dies negativ auf den Wachstumszyklus der Haare auswirken kann. Gleichzeitig macht sich in der Menopause bei vielen Frauen der erblich bedingte Haarausfall bemerkbar. Um die Haarwurzeln während der Zeit des Umbruchs zu unterstützen, kann eine gesunde Ernährung und sanfte Pflege einen wertvollen Beitrag zur Vorbeugung des Haarausfalls leisten.
Haarausfall nach Corona
Virusinfektionen wie COVID-19 können für den Körper eine starke Belastung sein und zur Entwicklung von Haarausfall führen. Expert:innen vermuten, dass es während der Infektion zu einer Nährstoffunterversorgung der Haarwurzeln kommen könnte. Auch eine fehlgesteuerte Immunreaktion gegen die Haarfollikel scheint möglich. Derzeit wird aber davon ausgegangen, dass covid-bedingter Haarausfall reversibel ist. Allerdings fehlen hierzu bisher wissenschaftliche Daten.
Haarausfall durch Medikamente
Gleichmäßig verteilter Haarausfall kann auch als Nebenwirkung verschiedener Arzneimittel-Gruppen auftreten. Häufig bemerken Patient:innen diesen rund drei bis sechs Monate nach dem Einnahmebeginn durch ein Lichterwerden der Scheitelregion. Die genauen Mechanismen, die den Verlust der Haare begünstigen, sind bisher nur teilweise bekannt. In der Regel wachsen die Haare aber nach, sobald das Medikament abgesetzt wurde. Zu den Wirkstoffgruppen, die das Haarwachstum stören können, gehören u. a. Zytostatika, Blutdrucksenker, Gerinnungshemmer, Schmerzmittel, Psychopharmaka und Lipidsenker.
Haarausfall durch Nährstoffmangel
Damit Haare wachsen können, müssen sich die Haarfollikel schnell und häufig teilen. Dies erfordert viel Energie und ausreichend Baumaterial, die wir den Zellen über die Ernährung zur Verfügung stellen müssen. Durch einen Mangel an relevanten Mikronährstoffen kann das Haarwachstum ins Stocken geraten und Haarausfall die Folge sein. Bei den Vitaminen sind es insbesondere B-Vitamine wie Biotin, B6 und B12 sowie Vitamin A und D, die für das Wachstum und die Struktur der Haare eine Rolle spielen. Zudem kann ein Mangel an Eisen, Zink oder Selen zum Haarverlust beitragen.
Haarausfall bei Frauen
Volles, glänzendes Haar gilt als Schönheitsideal. Daher ist es für Frauen besonders belastend, wenn beim Bürsten oder Föhnen plötzlich mehr Haare verloren gehen als sonst. Tatsächlich ist fast jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens von Haarausfall betroffen. Im Gegensatz zu Männern werden die Haare bei Frauen häufig am Mittelscheitel dünner, aber auch der vordere Kopfbereich kann betroffen sein.
Meist sind für Haarausfall bei Frauen ein hormonelles Ungleichgewicht (z. B. während der Wechseljahre, durch PCOS) oder genetische Faktoren verantwortlich. Aber auch fehlerhaftes Haarstyling wie zu strenge Zöpfe, Stress, eine unzureichende Nährstoffversorgung (z. B. bei Crash-Diäten) und Autoimmunerkrankungen spielen eine wichtige Rolle.
Haarausfall bei Männern
Mit zunehmendem Alter stellen viele Männer erschrocken fest, dass ihr Haar dünner wird und schlechter nachwächst. In vielen Fällen steckt der erbliche Haarausfall dahinter, der sich klassischerweise in Form von Geheimratsecken oder dem Haarverlust im Oberkopfbereich bis hin zur vollständigen Glatzenbildung zeigt.
Neben der androgenetischen Alopezie gibt es aber durchaus auch andere mögliche Ursachen für einen Haarausfall bei Männern, darunter Infektionen und Fehlreaktionen des Immunsystems. Letztere können auch zu kreisrundem Haarausfall führen, der nicht nur das Kopfhaar, sondern auch den Bart und andere Stellen betreffen kann. Nährstoffmängel sind als Auslöser bei Männern hingegen eher selten.
Haarausfall: Wann zum Arzt?
Es ist völlig normal, dass wir täglich Haare verlieren und sich die Haarstruktur und -dichte im Laufe der Jahre ändert. Fallen die Haare jedoch plötzlich in großer Zahl oder sogar „büschelweise“ aus, ist eine ärztliche Abklärung in jedem Fall ratsam, um eine mögliche Behandlung einzuleiten. Gleiches gilt auch dann, wenn der tägliche Haarverlust über einen längeren Zeitraum das Normalmaß von rund 100 Haaren überschreitet.
Haarausfall: Untersuchungen und Diagnose
Da Haarausfall ganz unterschiedliche Ursachen haben kann, ist es für den Behandlungserfolg essenziell, den genauen Auslöser zu finden. Im Rahmen der Anamnese werden daher zunächst familiäre Vorbelastungen, Erkrankungen, Medikamente, Ernährungsformen und mögliche weitere Einflussfaktoren auf die Haargesundheit unter die Lupe genommen.
Gleichzeitig dient der sogenannte Haarzupftest und eine ausführliche Inspektion des Kopfes dem Arzt bzw. der Ärztin als erste Orientierung über die Art und das Ausmaß des Haarverlustes. Ist es auf Basis der gewonnenen Informationen nicht möglich, die Form des Haarausfalls zu diagnostizieren, können weitere Untersuchungen folgen, darunter folgende:
- Blutuntersuchungen zur Abklärung von Nährstoffmängeln, Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen oder einem Hormonungleichgewicht
- Trichogramm: hierbei werden ca. 20 bis 50 Haare entnommen und mikroskopisch analysiert.
- Trichoscan: computergestützte Analyse der Haardichte und des Haarwurzelstatus
- Haar- bzw. Kopfhautbiopsie: bei dieser wird ein kleines Stückchen Kopfhaut inkl. Haarwurzeln entnommen und mikroskopisch untersucht.
- Bei Frauen zusätzlich eine gynäkologische Anamnese
Haarausfall Behandlung
Da Haarausfall emotional sehr belastend sein kann, wünschen sich Betroffene eine effektive und schnelle Behandlung. Die Behandlungsmethoden hängen von der Art und dem Ausmaß des Haarverlustes ab.
Kosmetische Behandlungen
Bei nicht krankheitsbedingtem Haarausfall kann ein Kosmetikum zur äußeren Anwendung für dichteres, volleres Haar sorgen. Eine Kombination aus pflanzlichen Wirkstoffen wie das Baicapil® aus Baikal-Helmkrautwurzelextrakt sowie Soja- und Weizenkeimextrakten, können Haarausfall reduzieren und das Haarwachstum und die Haardichte fördern. Die natürlichen Haarwuchsmittel zielen darauf ab, die Haare von außen an Wurzel und Kopfhaut zu unterstützen. Entsprechende Tonika werden direkt auf die Kopfhaut aufgetragen und einmassiert.
Medikamentöse Behandlungen
Leiden Betroffene an anlagebedingtem Haarausfall, kann die äußerliche Behandlung mit dem Wirkstoff Minoxidil sinnvoll sein. Dieser soll die Durchblutung der Kopfhaut steigern und dadurch das Haarwachstum anregen. Männer können zudem auf den Wirkstoff Finasterid zurückgreifen, der in Tablettenform zur oralen Einnahme erhältlich ist. Beide Therapien gelten als leitlinienkonform. Bei Frauen mit hormonellen Störungen werden in manchen Fällen sogenannte Antiandrogene, die die Wirkung von Testosteron und DHT unterbinden, eingesetzt.
Kreisrunder Haarausfall wird entsprechend des Krankheitsstadiums meist mit entzündungshemmendem Kortison behandelt. Diese kann entweder auf die Haut aufgetragen oder als Tablette oder Spritzen verabreicht werden. Eine wirksame Alternative bietet die Immuntherapie mit Diphenylcycloproenon.
Weitere Therapieoptionen
- Haartransplantationen eignen sich vor allem bei Geheimratsecken und Hinterkopfglatzen, die auf erblich bedingten Haarausfall zurückzuführen sind. Dabei werden gesunde Haare entnommen und an den von Haarausfall betroffenen Stellen wieder eingesetzt.
- Wenn der Haarausfall das mentale Wohlbefinden stark belastet, können erfahrene Psychotherapeut:innen helfen, der Entwicklung psychischer Probleme vorzubeugen.
- Liegt dem Haarverlust eine Stoffwechselerkrankung, ein Nährstoffmangel oder andere gesundheitliche Beschwerden zugrunde, lässt der Haarausfall in der Regel nach, sobald die Ursache behandelt wurde.
- Licht- oder Lasertherapien, Microneedeling und Eigenbluttherapie werden ebenfalls zur Reduktion des Haarausfalls angeboten. Allerdings liegen bisher keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege vor, die eine Wirksamkeit untermauern.