Volles, gesundes Haar – für viele ist das ein Ausdruck von Schönheit, Jugend und Wohlbefinden. Doch wenn das Haar dünner wird oder langsamer wächst, kann das schnell verunsichern. Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Wege, das Haarwachstum auf natürliche Weise anzuregen oder zumindest zu unterstützen – von pflegenden Inhaltsstoffen über nährstoffreiche Lebensmittel bis hin zu altbewährten Hausmitteln. In diesem Beitrag zeigen wir Dir, wie Du Deine Kopfhaut und Haarwurzeln gezielt stärken kannst.
Haarwachstum einfach erklärt
Haare sind erstaunlich komplex. Ihre äußere Schicht, die Schuppenschicht (Cuticula), setzt sich aus dachziegelartig angeordneten Hornzellen zusammen, die das Haar vor Schäden schützen. Die mittlere Faserschicht (Cortex), die rund 80 Prozent des Haares ausmacht, enthält neben dem Haarfarbstoff Melanin vor allem Keratinfasern, die für die Elastizität und Festigkeit der Haare sorgen. Im Inneren liegt das feine Haarmark (Medulla), welches die Stabilität des Haares unterstützt.
Äußerlich sichtbar ist für uns der Haarschaft. Unter der Kopfhaut verborgen liegt, eingebettet in den Haarfollikel (Haarbalg), die Haarwurzel. Hier werden in der Wachstumszone der Haarzwiebel ständig neue Haarzellen gebildet, die sich durch den Haarkanal nach oben schieben und verhornen und so das Haar wachsen lassen.
Während des Wachstums durchläuft jedes Haar einen Haarwachstumszyklus, der aus drei unterschiedlich langen Phasen besteht: der Wachstumsphase (Anagenphase), der Übergangs- oder Rückbildungsphase (Katagenphase) und der Ruhephase (Telogenphase).
Die Wachstumsphase ist für die Haarbildung besonders wichtig. Schließlich werden hier neue Haarfollikel gebildet und die Zellteilung eingeleitet. Rund 85-90 Prozent der Kopfhaare befinden sich in der Anagenphase, die durchschnittlich bis zu sechs Jahren dauert. In der anschließenden Rückbildungsphase kommt das Haarwachstum langsam zum Erliegen, bevor das Haar in der Ruhephase schließlich ausfällt und der Haarfollikel sich auf die Bildung eines neuen Haares vorbereitet.
Damit die Haare in der Wachstumsphase gut gedeihen können, ist die Haarwurzel auf eine gute Nährstoff- und Sauerstoffversorgung angewiesen. Daher trägt eine gesunde Ernährung maßgeblich zum Erhalt einer glänzenden, starken Haarpracht bei.
Für weitere spannende Infos zum Haarwachstum lies gleich auch unseren Beitrag: Wie schnell wachsen Haare?
• Blonde Menschen haben mit ca. 150.000 Haaren die meisten Haare. Schwarzhaarige haben etwa 110.000, Braunhaarige 100.000–120.000, und Rothaarige haben mit 90.000 Haaren die geringste Haardichte.
• Haare wachsen täglich zwischen 0,3 und 0,5 mm. Das sind jährlich rund 12-15 cm.
• Spitzenschneiden kann das Haarwachstum nicht beschleunigen, da die toten Zellen der sichtbaren Haare keinerlei Informationen mit der Haarwurzel austauschen können. Durch das Schneiden wirken die Spitzen aber dichter und voller, als wenn sie fransig sind.
Ursachen für Haarwachstumsstörungen
Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die den Haarwachstumszyklus – und somit auch die Anzahl der ausfallenden Haare – beeinflussen können. Von besonderer Bedeutung sind unsere Gene. Experten schätzen, dass rund 90 Prozent der Haarwachstumsstörungen auf eine erbliche Prägung zurückzuführen sind.
Beim anlagebedingten Haarausfall (med. androgenetische Alopezie) reagieren die Haarwurzeln besonders empfindlich auf die aktive Form des männlichen Hormons Testosteron (sogenanntes Dihydrotestosteron, DHT), wodurch die Wachstumsphase verkürzt und die Haarfollikel kleiner werden. Dies führt dazu, dass die Haare dünner werden oder ganz ausfallen. Anders als der Name es vermuten lässt, sind auch Frauen von dieser Haarwachstumsstörung betroffen, wenn auch in unterschiedlicher Form. Während bei Männern typischerweise Geheimratsecken und lichte Stellen am oberen Hinterkopf entstehen, lichtet sich das Haar bei Frauen meist vom Scheitel aus.
Neben den Genen kann auch das Immunsystem Störungen des Haarwachstums provozieren. Dies ist beispielsweise der Fall beim entzündlichen, kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata). Die körpereigene Abwehr richtet sich dann fälschlicherweise gegen die Haarfollikel, sodass diese inaktiv werden und das Haar ausfällt.
Haarwachstumsstörungen können zudem durch bestimmte Medikamente wie z. B. Zytostatika, Gerinnungshemmer oder Schmerzmittel verursacht werden. Meist merken Betroffene dies rund drei bis sechs Monate nach Therapiebeginn durch ein Lichterwerden der Scheitelregion. Eine Strahlentherapie bei Krebserkrankungen wirkt sich besonders auf schnell wachsende Zellen wie die Haarwurzelzellen aus, sodass die Haare oft ausfallen. Sobald die Therapie beendet oder das Arzneimittel abgesetzt wird, wachsen die Haare in der Regel nach.
Da das Wachstum der Haare eine gute Versorgung mit Nährstoffen voraussetzt, kann auch ein Nährstoffmangel das Haarwachstum ausbremsen. Fehlen wichtige Aminosäuren oder Mikronährstoffe wie Zink, Eisen, Selen und Vitamine, können sich die Zellen in den Haarwurzeln nicht optimal teilen. Gleichzeitig kann sich eine unzureichende Nährstoffversorgung auch negativ auf die Gesundheit der Kopfhaut auswirken, die in entscheidendem Maße das Haarwachstum beeinflusst.
Auch eine falsche Haarpflege kann Folgen für das Gedeihen der Haarpracht haben. Häufiges Waschen und aggressive Shampoos stören den pH-Wert der Kopfhaut, was zum Austrocknen der Haare beiträgt und sie brüchig macht.
Darüber hinaus können Haarwachstumsstörungen das Ergebnis hormoneller Veränderungen sein, wie sie etwa nach der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren auftreten. Es wird vermutet, dass das Absinken des Östrogenspiegels hier eine Rolle spielt.
Einen negativen Einfluss auf die Haarpracht scheint auch Stress auszuüben. Durch die vermehrte Ausschüttung von Cortisol wird nicht nur das Haarwachstum gehemmt, sondern auch Entzündungen in den Haarfollikeln in Gang gesetzt, die schließlich zu Haarausfall führen können.
Haarausfall kann zudem das Ergebnis einer Schwermetallvergiftung (z. B. Quecksilber, Cadmium oder Thallium) sein.
Haarwachstum beschleunigen
Auch wenn viele Frauen und Männer sich sehnlich wünschen, dass ihre Haare schneller wachsen – das Haarwachstum lässt sich nach dem heutigen Stand der Forschung nicht spürbar beschleunigen. Wir können es aber unterstützen. Zum Beispiel, indem wir Stressfaktoren, die das Haarwachstum beeinträchtigen können, reduzieren.
Mit dem Rauchen aufhören
Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Raucher ein höheres Risiko für Haarausfall haben, als Nichtraucher. Ein Grund dafür scheint die verringerte Durchblutung der Haarfollikel zu sein, infolgedessen die Haarzellen schlechter mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Zusätzlich schwächt Rauchen das Immunsystem und kann somit Entzündungsreaktionen am Haarfollikel oder der Kopfhaut begünstigen. Auch der Hormonhaushalt wird von den Inhaltsstoffen der Zigaretten beeinflusst, sodass das Risiko für erblich bedingten Haarausfall steigt.
Unterversorgung von Nährstoffen vorbeugen
Ernähren wir uns einseitig und ungesund, wird das Haar nicht ausreichend mit allen essenziellen Nährstoffen versorgt, die es zum Wachsen braucht. Eine Studie aus dem Jahr 2023 berichtet z. B., dass neben einem geringen Verzehr an Gemüse der übermäßige Konsum süßer Getränke und frittierter Speisen bei Männern zu Haarwachstumsstörungen beitragen kann. Die genauen Mechanismen, die dahinterstecken, sind noch unklar. Bekannt ist aber, dass eine ungesunde Ernährung Entzündungen fördern und sich ungünstig auf die Durchblutung auswirken kann.
Schlafqualität verbessern und Stress reduzieren
Schlaf ist für die Regeneration des Körpers von großer Bedeutung. Da bilden auch die mehreren Hunderttausend Haarwurzeln keine Ausnahme. Gleichzeitig hilft ausreichend Schlaf, Stress zu reduzieren, der als weiterer Auslöser für Haarausfall bekannt ist. Regelmäßige Auszeiten, Aktivitäten in der Natur oder Entspannungstechniken zum Stressabbau sorgen für Entspannung und unterstützen dadurch auch das normale Haarwachstum.
Auf aggressive Haarpflege verzichten
Wer Haarwachstumsstörungen vermeiden möchte, sollte unbedingt auch auf die Auswahl der Pflegeprodukte achten und aggressive Inhaltsstoffe wie Alkohol oder Silikone meiden. Die falsche Haarpflege kann nämlich das Gleichgewicht der Kopfhaut stören.
Geraten der Säureschutzmantel und das Hautmikrobiom aus der Balance, werden Hauttrockenheit, Schuppenbildung und Entzündungen begünstigt. Dies wiederum kann sich negativ auf den Haarwachstumszyklus auswirken. Auch heißes Waschen und Föhnen stresst Kopfhaut und Haar und darf gerne durch lauwarmes Wasser und Kaltfönen angepasst werden.
Haarwachstum fördern
Damit Haare ungestört wachsen können, brauchen sie eine optimale Nährstoffversorgung, schonende Pflege und Schutz. Mit folgenden Maßnahmen lässt sich das wunderbar unterstützen:
Kopfhautmassagen und durchblutungsfördernde Inhaltsstoffe
Kopfhautmassagen lassen den Stresspegel sinken und sorgen für Entspannung. Gleichzeitig fördern sie die Durchblutung der Kopfhaut, sodass Nährstoffe und Sauerstoff besonders gut zu den Haarwurzeln transportiert werden können.
Der Einsatz von Rosmarinöl, Rizinusöl oder Teebaumöl kann die Wirkung einer Kopfmassage noch intensivieren. Ähnliches gilt für Koffein, Niacinamid (Vitamin B3) und Birkenwasser. Daher sind sie häufig als anregende und durchblutungsfördernde Inhaltsstoffe in Shampoos, Toniken und natürlichen Haarwuchsmitteln zu finden. Niacinamid und Birkenwasser werden zudem talgregulierende Eigenschaften nachgesagt.
Eine echte „Befreiung“ für die Kopfhaut können zudem Peelings sein. Sie fördern nicht nur die Durchblutung, sondern lösen auch überschüssigen Talg, Styling-Rückstände und abgestorbene Hautschüppchen ab. Bei entzündeter und sehr empfindlicher Kopfhaut wird allerdings von Peelings abgeraten.
Sanfte Pflege für sensible Kopfhaut
Bei sensibler Kopfhaut hat sich der Wirkstoff Panthenol (Provitamin B5) bewährt. Dank seiner feuchtigkeitsspendenden und beruhigenden Eigenschaften kann er die Hautbarriere unterstützen. Auch Aminosäuren, z. B. aus Weizenkeim- oder Sojaprotein, können ein angenehmes „Kopfhautklima“ fördern. Ähnliches gilt für Biotin. Der auch als Vitamin H bekannte Nährstoff trägt zur Regeneration von Haut- und Haarzellen bei und wird zudem für die körpereigene Keratinproduktion benötigt.
Schutz vor Umwelteinflüssen
Sonnenstrahlung, trockene Heizungsluft, Luftverschmutzung etc. setzen Kopfhaut und Haaren täglich zu. Das liegt u. a. daran, dass durch die Stressfaktoren vermehrt freie Radikale gebildet werden, die die Hautzellen und Haarfollikel schädigen können. Pflegeprodukte mit Antioxidantien wie Zink, Selen oder sekundären Pflanzenstoffen (z. B. aus Rosmarin oder Baikal-Helmkraut) helfen dem körpereigenen Schutzsystem dem oxidativen Stress entgegenzuwirken. Aber auch das Tragen von Hüten oder Caps zum Schutz gegen Sonnenbrand und Schäden durch UV-Strahlung macht Haut und Haare glücklich.
Hilfe aus dem Repertoire von Omas Hausmitteln
Um das Haarwachstum anzuregen und eine gesunde Kopfhaut zu unterstützen, werden gerne auch Hausmittel als natürliche Haarwuchsmittel eingesetzt – wenngleich wissenschaftliche Belege über deren Wirksamkeit oft fehlen.
- Aloe Vera etwa ist für ihre entzündungshemmenden und antimikrobiellen Eigenschaften bekannt und kann helfen, die Kopfhaut zu beruhigen.
- Zwiebelsaft gilt als natürlicher Haarwachstumsbooster. Er enthält schwefelhaltige Verbindungen, die die Kollagenbildung anregen und die Haarfollikel stärken sollen.
- Grüner Tee ist reich an Antioxidantien, die die Haarfollikel vor Schäden schützen und die Wachstumsphase des Haares positiv beeinflussen können.
- Als Hausmittel beliebt ist auch mit Wasser verdünnter Apfelessig. Auf die Kopfhaut aufgetragen, soll er helfen, überschüssigen Talg zu regulieren und das Gleichgewicht der Kopfhaut wiederherzustellen.
Manchmal stößt allerdings auch das beste Haarverwöhnprogramm an seine Grenzen. Lassen Kopfhautbeschwerden oder Haarausfall nicht nach oder werden sogar stärker, ist die Rücksprache mit einer dermatologischen Praxis unverzichtbar. So können die Ursachen genau geklärt und eine passende Therapie eingeleitet werden. Bei erblich bedingtem Haarausfall kann eine Behandlung mit einem Produkt aus der Apotheke, z. B. mit dem Wirkstoff Minoxidil, helfen, den Haarausfall zu reduzieren bzw. das Haarwachstum anzuregen.
Tipps zur Ernährung für gesundes Haarwachstum
Glänzende, kräftige Haare und eine entspannte Kopfhaut brauchen nicht nur äußerliche Pflege. Im Gegenteil. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit ausgewählten Lebensmitteln ist für gesundes Haarwachstum mindestens genauso relevant. Hier eine Auswahl der wichtigsten „Haarbooster“ der Küche im Überblick:
Eier – Allrounder für die Haare
Haut und Haare bestehen zu einem Großteil aus Proteinen, daher können Eier nicht nur äußerlich als Haarkur verwendet, den Haaren zu neuer Kraft verhelfen. Zusätzlich stecken Eier voller Biotin, stoffwechselaktiven B-Vitaminen sowie Zink, Eisen und Haarwurzel-stärkendem Vitamin A.
Nüsse und Samen – Perfekter Snack für schönes Haar
Nüsse und Samen enthalten ebenfalls wertvolles Eiweiß und punkten zudem mit reichlich Zink und Selen. Beide Spurenelemente helfen, die Haar- und Kopfhautzellen vor Schäden durch oxidativen Stress zu schützen. Als Cofaktor vieler Enzyme spielt Zink ferner bei der Herstellung von Haarproteinen und der Zellteilung eine Rolle, während Selen sich positiv auf die Funktion der Haarfollikel auswirkt. Nüsse (v. a. Walnüsse) und Samen (z. B. Leinsamen oder Chiasamen) sind zudem gute Quellen für Omega-3-Fettsäuren, die Entzündungsprozessen entgegenwirken.
Multitalent Hülsenfrüchte
Neben Nüssen und Samen gehören auch Hülsenfrüchte zu den pflanzlichen Eiweißquellen und liefern gleichzeitig B-Vitamine, Eisen, Magnesium und Ballaststoffe. Letztere unterstützen die Gesundheit des Darms, der immer mehr als Zentrum der Haut-und-Haargesundheit in den Fokus der Forschung rückt.
Tipp: Mit Getreide, Nüssen und Samen kombiniert, steigt die biologische Wertigkeit des Hülsenfruchtproteins, d. h. es kann besser für die körpereigene Eiweißproduktion genutzt werden.
Mit buntem Obst und Gemüse gegen oxidativen Stress
Obst und Gemüse punkten mit reichlich Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Damit sind sie der ideale verbündete zum Schutz der Haut und Haare gegen Schäden durch oxidativen Stress, der u. a. Entzündungsprozesse begünstigen kann. Expert:innen vermuten außerdem, dass oxidativer Stress, der an den Haarfollikeln ausgelöst wird, zum Ergrauen der Haare und zum Haarausfall beitragen könnte.
Hafer – der Biotin-Superstar
Die beliebte Müslizutat darf in einem „haarfreundlichen“ Frühstück nicht fehlen. Neben reichlich Biotin, das durch die Aktivierung des Stoffwechsels die Neubildung von Haarwurzeln fördern kann, enthalten Haferflocken nämlich nennenswerte Mengen an Protein, Kieselsäure, Eisen, Mangan, Zink und B-Vitaminen.
Lachs für ein entspanntes Kopfhautklima
Lachs ist für seinen hohen Gehalt an entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren bekannt, die auch ein gutes „Kopfhautklima“ unterstützen. Gleichzeitig ist er reich an Vitamin B6 und B12, die an der Regulation der Talgproduktion der Kopfhaut beteiligt sind.
Wasser für mehr Feuchtigkeit
Wer das Wachstum seiner Haare unterstützen möchte, sollte auch auf seinen Flüssigkeitshaushalt achten. Das Trinken von Wasser hilft, das Feuchtigkeitsgleichgewicht der Kopfhaut zu erhalten und Trockenheit sowie potenzielle Haarschäden zu vermeiden.
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