Dichte, lange Haare sind für viele ein Schönheitsideal. Wie schnell die Haare wachsen und wie lang sie werden können, ist allerdings erblich festgelegt und daher nicht änderbar. Mit der richtigen Pflege von „innen“ und „außen“ lässt sich aber die Gesundheit der Kopfhaut unterstützen und damit gesundes Haarwachstum fördern. Je nach Ursache des Haarausfalls gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Wir haben uns verschiedene Haarwuchsmittel für Frauen und Männer angeschaut – von natürlichen Haarwuchsmitteln mit pflanzlichen Inhaltsstoffen, die die Haarwurzeln aktivieren sollen, bis hin zu synthetischen Wirkstoffen wie Minoxidil, das als bewährtes Haarwuchsmittel bei erblich bedingtem Haarausfall gilt. Hier stellen wir Dir die wichtigsten Arzneimittel, Pflegeprodukte, Nährstoffe und Hausmittel für kräftigeres, dichteres und volleres Haar vor und verraten Dir, was wirklich hilft.
Haarwuchsmittel: Arzneimittel
Um das richtige Haarwuchsmittel zu finden, ist die Abklärung der Ursache unabdingbar. Denn je nach Art des Haarausfalls sind verschiedene Medikamente und Wirkstoffe verfügbar. Die meisten Arzneimittel zielen auf die Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls, der häufigsten Ursache für Haarausfall, ab. Doch auch bei anderen Formen des Haarverlustes gibt es wirksame Mittel in der Apotheke.
Minoxidil
Minoxidil gehört zu den bekanntesten Medikamenten gegen erblich bedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie) und gilt als leitlinienkonforme Therapie. Die Wirksamkeit wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt. Ursprünglich wurde der Wirkstoff zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt und die positiven Effekte gegen Haarausfall zufällig als „Nebenwirkung“ entdeckt.
Als Haarwuchsmittel ist Minoxidil in erster Linie für die äußerliche Behandlung vorgesehen und wird als Lösung, Schaum oder Haarwasser ein- bis zweimal täglich auf die Kopfhaut aufgetragen. Durch die gefäßerweiternde Wirkung des Arzneimittels wird die Durchblutung der Kopfhaut angeregt und damit die Nährstoffzufuhr der Haarfollikel verbessert. Dies wiederum scheint die Aktivität der Haarwurzeln und damit das Haarwachstum zu unterstützen, wie verschiedene Untersuchungen zeigen.
Minoxidil-Haarwuchsmittel sollen nicht nur den fortschreitenden Haarverlust stoppen, sondern auch dazu beitragen, dass neue Haare nachwachsen. Auch die Haardicke kann sich u. U. verbessern. Für sichtbare Ergebnisse wird eine regelmäßige Anwendung für mind. zwölf Wochen empfohlen. Allerdings lässt der Effekt wieder nach, sobald die Therapie beendet wird, sodass eine dauerhafte Verwendung erforderlich ist.
Minoxidil ist sowohl für Männer als auch Frauen in unterschiedlichen Dosierungen zugelassen und rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Da es lokal angewandt wird, sind Nebenwirkungen recht selten. Es kann aber zu Überempfindlichkeitsreaktionen der Kopfhaut kommen.
Finasterid
Neben Minoxidil gehört auch der Wirkstoff Finasterid zur leitlinienkonformen Therapie gegen Haarausfall. Aufgrund seines Eingriffs in den Hormonhaushalt und damit verbundenen möglichen Nebenwirkungen während der Schwangerschaft ist Finasterid jedoch ausschließlich für Männer zugelassen.
Die Wirkung von Haarwuchsmitteln mit Finasterid beruht auf der Hemmung des Enzyms 5-alpha-Reduktase, welches das Hormon Testosteron in seine aktive Form, das Dihydrotestosteron (DHT), umwandelt. Aus diesem Grund wird es auch zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt. Bei Männern mit erblich bedingtem Haarausfall reagieren aber auch die Haarwurzeln besonders empfindlich auf DHT. Wird die Bildung von DHT durch das Arzneimittel blockiert, kann auch der Haarausfall entsprechend reduziert bzw. gestoppt werden und ggfs. neues Haarwachstum einsetzen. Die Wirkung lässt jedoch wieder nach, sobald das Medikament abgesetzt wird.
Finasterid wird in Deutschland nur nach ärztlicher Rücksprache auf Rezept verschrieben, um sicherzustellen, dass die Anwendung für den Patienten geeignet ist und er über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt wurde. Zu diesen zählen u. a. eine leicht erhöhte Rate von Libidoverlust und erektiler Dysfunktion. Finasterid ist in Tablettenform oder als Lösung für die Kopfhaut erhältlich. Bei letzterer ist aufgrund der lokalen Anwendung i. d. R. mit weniger Nebenwirkungen zu rechnen.
Hormonbehandlungen
Aufgrund unzureichender wissenschaftlicher Daten wird der systemische Einsatz von Hormonen wie Östrogenen oder Antiandrogenen bisher nicht zur Behandlung von Haarausfall empfohlen. In Einzelfällen (z. B. bei Frauen mit hormonellen Dysregulationen) kann aber eine Hormonbehandlung zur Linderung des Haarausfalls sinnvoll sein.
Ähnliches gilt für Tinkturen mit hormonähnlichen Substanzen für die Kopfhaut, die Alpha-Estradiol, Alfatradiol oder verwandte chemische Substanzen enthalten.
Kortison
Kortikosteroide (Kortison) helfen Entzündungsreaktionen an den Haarfollikeln zu reduzieren und werden u. a. zur Linderung der Symptome bei kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) eingesetzt. Kortison ist als Salbe oder Creme zum Einreiben auf die Kopfhaut erhältlich, kann aber auch von einer Ärztin oder einem Arzt über eine Spritze in die Kopfhaut verabreicht werden. Die Wirksamkeit lokal verwendeter Kortikosteroide ist allerdings nicht eindeutig etabliert und im Einzelfall kann eine systemische Therapie hilfreich sein.
Diphenylcyclopropenon (DCP)
Die Wirkstoffe Diphenylcycloproenon (DCP) oder Quadratsäure-Dibutylester werden im Rahmen einer experimentellen, topischen Immuntherapie bei kreisrundem Haarausfall verwendet. Das Prinzip der Behandlung beruht darauf, dass die Wirkstoffe eine allergische Reaktion an der Kopfhaut auslösen und das Immunsystem auf diese Weise gezielt davon abgelenkt wird, sich gegen die Haarfollikel zu richten. Studien zufolge liegt die Ansprechrate auf die Immuntherapie je nach Ausgangsbefund zwischen 30 und 80 Prozent.
Baricitinib
Baricitinib ist ein entzündungshemmender und ein immunmodulierender Wirkstoff, der seit 2022 für die Therapie von schweren Formen des kreisrunden Haarausfalls zugelassen ist. Studien zeigen laut Expert:innen ermutigende Ergebnisse, allerdings können Nebenwirkungen wie erhöhte Cholesterinspiegel, Atemwegs- und Harnwegsinfektionen, Kopfschmerzen oder Herpesinfektionen auftreten.
Haarwuchsmittel: Kosmetische Mittel, Shampoos & Öle
Wer dem Haarwachstum unter die Arme greifen möchte, sollte unbedingt auf die Auswahl seiner Pflegeprodukte achten. Shampoos mit aggressiven Inhaltsstoffen wie Alkohol und Silikonen setzen der Kopfhaut zu und wirken sich negativ auf das Haarwachstum aus. Produkte, die die Kopfhaut von außen mit Feuchtigkeit versorgen, die Durchblutung anregen und das Haar vor äußeren Einflüssen schützen, können dagegen das Haarwachstum unterstützen.
Der Wirkstoff Panthenol (Provitamin B5) beispielsweise hat sich bei empfindlicher Kopfhaut bewährt. Dank seiner feuchtigkeitsspendenden und beruhigenden Eigenschaften unterstützt Panthenol den Erhalt der Hautbarriere und hilft Irritationen vorzubeugen. Auch Aminosäuren (z. B. aus Weizenkeim- oder Sojaprotein) können hier wertvolle Dienste leisten, und zu einem angenehmen „Kopfhautklima“ beitragen. Proteine wie Keratin werden zudem gerne in Shampoos und Spülungen eingesetzt, um die Haarstruktur zu stärken.
Weit verbreitet sind zudem Haarwuchsmittel mit Koffein. Koffeinhaltige Shampoos und Toniken sollen die Mikrozirkulation der Kopfhaut anregen und damit die Nähr- und Sauerstoffversorgung der Haarwurzel unterstützen und die Haarfollikel stimulieren.
Eine ähnliche Wirkung wie Koffein für die Haare wird auch Niacinamid (Vitamin B3) zugeschrieben. Darüber hinaus kann Niacinamid die Produktion von Keratin stimulieren, dem Hauptbestandteil der Haarfaser, ist an der Regulation der Talgproduktion beteiligt und kann zum Schutz der Haare vor äußeren Einflüssen beitragen.
Kosmetische Mittel zur Unterstützung des Haarwachstums setzen zudem häufig auf antioxidative Substanzen wie Zink, Selen oder sekundäre Pflanzenstoffe. Diese können oxidativem Stress durch Umwelteinflüsse entgegenwirken und die Gesundheit der Haarwurzel fördern. Gleichzeitig werden pflanzliche Anwendungen auch im Bereich der traditionellen Volksheilkunde (z. B. mit Baikal-Helmkraut, Rosmarin, Kürbiskernöl, Lakritz) zur Stärkung der Haarpracht geschätzt.
Mit Blick auf natürliche Haarwuchsmittel werden von Expert:innen beispielsweise Produkte mit Baicapil® als vielversprechend angesehen. Dabei handelt es sich um einen Wirkstoffkomplex aus Baikal-Helmkrautwurzel-, Soja- und Weizenkeimextrakten. Die Kombination dieser drei pflanzlichen Inhaltsstoffe soll das Haarwachstum und die Haardichte fördern. Präparate mit Baicapil® sind als z. B. Tonikum, Shampoo oder Spray erhältlich.
Hierzulande sind u. a. auch Produkte mit Birkenwasser erhältlich. Birkenhaarwasser gilt als Geheimtipp im Bereich Naturkosmetik zur Stärkung der Haare. Die enthaltenen Wirkstoffe, darunter Betulin, sollen die Durchblutung der Kopfhaut fördern und die Talgproduktion regulieren. Gleichzeitig werden Birkenwasser antimikrobielle Eigenschaften nachgesagt.
Wer seiner Kopfhaut mit dem „Naturprodukt“ etwas Gutes tun möchte, sollte darauf achten, dass es keinen Alkohol enthält. Dieser kann nämlich zu Reizungen führen.
Haarwuchsmittel: Nahrungsergänzungsmittel
Und wie sieht es mit Vitaminen für die Haare und mit Nahrungsergänzungsmitteln als Haarwuchsmittel aus? Damit die Haare gut wachsen können, müssen sie nicht nur äußerlich gepflegt werden. Im Gegenteil. Der „Pflege von innen“ kommt eine ganz besondere Bedeutung zu. Schließlich setzt das Wachstum der Haare voraus, dass die Haarwurzel ausreichend mit Nährstoffen wie Vitaminen versorgt wird. Ergänzend zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung können Supplemente helfen, den Bedarf wichtiger „Haarnährstoffe“ zu decken. Insbesondere folgende spielen für schönes, volles Haar eine Rolle:
Aminosäuren
Haare bestehen größtenteils aus Keratin, das aus verschiedenen Aminosäuren wie bspw. Cystein und Methionin gebildet wird.
Biotin – das Schönheitsvitamin
Biotin ist für seinen positiven Effekt auf Haut und Nägel bekannt. Doch auch für die Haare ist das Vitamin aus dem B-Komplex essenziell, da es an der Bildung von Keratin, dem Hauptbestandteil der Haare, beteiligt ist. Ein Biotinmangel kann zu sprödem Haar und Haarausfall beitragen.
Pantothensäure – Unterstützung der Haarregeneration
Pantothensäure, auch als Vitamin B5 bekannt, ist an der Energiegewinnung in den Zellen beteiligt. Gemeinsam mit Vitamin B3 und B6 kann es zudem die Talgbildung regulieren und Entzündungen an der Kopfhaut entgegenwirken.
Zink – für kräftige Haarwurzeln
Zink spielt eine Rolle im Zellteilungsprozess und der Regeneration von Haarfollikeln. Außerdem scheint es die Talgproduktion und Entzündungsprozesse regulieren zu können. Zinkmangel kann zur Veränderung der Haarstruktur und zu Haarausfall beitragen.
Selen – Schutz vor oxidativem Stress
Selen ist ein essenzielles Spurenelement, das antioxidativ wirkt und die Haarfollikel vor Schäden durch freie Radikale schützen kann. Es trägt zum Erhalt der normalen Funktion der Schilddrüse bei, die eine entscheidende Rolle im Haarwachstumsprozess spielt.
Kupfer – essenziell für die Farbe
Das Spurenelement Kupfer ist insbesondere für die Haarfarbe entscheidend. Das liegt daran, dass Kupfer als Cofaktor des Enzyms Tyrosinase an der Bildung des Haarpigments Melanin beteiligt ist.
Eisen – Sauerstoff für die Haarfollikel
Eisen ist für die Bildung der roten Blutkörperchen, mithilfe derer Sauerstoff und Nährstoffe zu den Haarwurzeln transportiert werden, essenziell. Eisenmangel kann daher Haarausfall begünstigen.
Vitamin D – der Wachstumsbooster
Vitamin D ist an der Aktivierung der Haarwurzel beteiligt. Ein Mangel kann das Haarwachstum verlangsamen und sogar zu Haarausfall führen. Da der Körper Vitamin D durch Sonnenlicht bildet, sind viele Menschen, insbesondere im Winter, nur unzureichend versorgt, wodurch eine ergänzende Zufuhr erforderlich ist.
Silizium – wichtiger Baustein für die Haarstruktur
Silizium ist ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes und spielt eine große Rolle für die Festigkeit und Elastizität der Haare. Es unterstützt die Bildung von Kollagen und Keratin, zwei essenziellen Proteinen für gesundes Haar.
Essenzielle Fettsäuren – Feuchtigkeit für Kopfhaut und Haare
Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und können so die Gesundheit der Kopfhaut unterstützen und Trockenheit vorbeugen.
Haarwuchsmittel: Hausmittel
Wer ein natürliches Haarwuchsmittel sucht, kann eines der zahlreichen Hausmittel ausprobieren, die die Haare stärken und das Haarwachstum auf natürliche Weise unterstützen sollen. Folgende Hausmittel für lichtes, schütteres und dünnes Haar sind besonders beliebt:
Kopfhautmassagen mit Ölen
Regelmäßige Kopfmassagen fördern die Durchblutung der Kopfhaut und sorgen so dafür, dass Nährstoffe gut zu den Haarfollikeln gelangen. Der Einsatz von Ölen wie Rosmarin-, Rizinus- oder Teebaumöl kann den positiven Effekt der Massage verstärken, da diese Inhaltsstoffe enthalten, die die Durchblutung zusätzlich ankurbeln können. Zudem sollen sie antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften haben. Insbesondere liegt Rosmarinöl für die Haare als Hausmittel voll im Trend.
Wer seiner Kopfhaut eine Extraportion Feuchtigkeit gönnen möchte, kann zudem eine Massage mit Kokosöl ausprobieren. Darüber hinaus ist eine regelmäßige Einreibung mit Kürbiskernöl einen Versuch wert. Kürbiskernöl enthält nämlich Linolensäure und sog. Phytosterole, die sich vor allem bei erblich bedingtem Haarausfall bewährt haben.
Aloe Vera für eine gesunde Kopfhaut
Aloe Vera hat entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften und kann daher helfen, die Kopfhaut zu beruhigen. Ob sich dies auch tatsächlich auf das Haarwachstum auswirkt, ist allerdings bisher nicht belegt. Frisches Aloe Vera Gel kann einfach direkt auf die Kopfhaut auftragen werden und nach einer Einwirkzeit von rund 30 Minuten mit lauwarmem Wasser ausgespült werden.
Grüner Tee für starke Haarwurzeln
Grüner Tee ist reich an Antioxidantien und kann das Haarwachstum fördern, indem er die Haarfollikel vor Schäden schützt. Zudem sollen die Inhaltsstoffe des grünen Tees die Wachstumsphase des Haarzyklus positiv beeinflussen und die Talgproduktion regulieren können. Eine Haarspülung mit grünem Tee nach dem Waschen könnte daher auf verschiedene Weise die Gesundheit von Haar und Kopfhaut unterstützen. Eindeutige Daten aus Humanstudien, die solche Effekte bestätigen, fehlen bislang jedoch.
Apfelessig für eine gesunde Kopfhaut
Apfelessig gilt als weiteres beliebtes Hausmittel zur Unterstützung des Haarwachstums. Seine Inhaltsstoffe sollen helfen, den pH-Wert der Kopfhaut auszugleichen und überschüssigen Talg zu entfernen. Wissenschaftliche Belege gibt es dafür allerdings nicht. Wer die Apfelessigspülung trotzdem ausprobieren möchte, mischt einfach einen TL Apfelessig mit einer Tasse Wasser und lässt die Mischung ein paar Minuten einwirken. Anschließend mit Wasser gründlich auswaschen.
Reiswasser für kräftiges Haar
Reiswasser wird in China seit jeher zu Unterstützung der Haargesundheit eingesetzt. Inzwischen gibt es auch erste Studien, die darauf hinweisen, dass das regelmäßige Auftragen von Reiswasser die Anagenphase des Haarzyklus verlängern könnte. Der genaue Wirkmechanismus ist allerdings noch nicht geklärt. Bekannt ist aber, dass Reiswasser Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren enthält, die für die Gesundheit der Haare wichtig sind.