Vitamin A: Wofür? Wie viel? Welche Funktion? Was beachten?
Vitamin A ist in einigen tierischen Lebensmitteln enthalten, seine Vorstufen kommen auch in verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Ein Vitamin-A-Mangel ist in Deutschland eher selten. Dennoch können Situationen auftreten, in denen der Bedarf erhöht ist oder nicht über die Ernährung gedeckt werden kann. Hier erklären wir Dir ausführlich, wofür Vitamin A im Körper wichtig ist – etwa für Haut, Immunsystem und Sehkraft. Zudem verraten wir Dir u. a., wie hoch der Tagesbedarf ist, welche verschiedenen Formen es gibt und was es mit den sogenannten Vitamin A-Vorstufen wie Beta-Carotin (Provitamin A) auf sich hat.
Was ist Vitamin A?
Vitamin A – was ist das genau: Vitamin A ist ein lebenswichtiges (essenzielles) Vitamin, das zu den fettlöslichen Vitaminen zählt. Es hat eine wichtige Bedeutung für die Neubildung, Entwicklung und Differenzierung von Zellen, das Wachstum, das Immunsystem sowie für die Funktion von Haut und Schleimhäuten. Das Vitamin spielt zudem eine wichtige Rolle beim Sehvorgang – insbesondere beim Dämmerungssehen beziehungsweise beim Hell-Dunkel-Sehen.
Vitamin A und die aus ihm entstehenden Abkömmlinge (Derivate) werden international unter dem Begriff Retinoide zusammengefasst, der nicht zwischen natürlichen und synthetischen Formen unterscheidet. Bei Vitamin A handelt es um alle Verbindungen, die eine bestimmte Struktur sowie sämtliche biologischen Effekte des Vitamins aufweisen: Retinol und seine Ester (Retinylester). Darüber hinaus gibt es synthetische Substanzen, die eine Vitamin-A-artige Aktivität aufweisen, aber nicht alle Wirkungen des Vitamins beinhalten (z. B. von außen zugeführte Retinsäure). Das kann zu Verwirrungen führen.
Welche Vitamin-A-Verbindungen gibt es?
Das sind die unterschiedlichen im Körper vorkommenden Vitamin-A-Abkömmlinge (sog. „Derivate“):
- Retinol: Hierbei handelt es sich um den Hauptvertreter von Vitamin A. Die Substanz ist die Transportform des Vitamin A im Blut. Sie stellt das Zwischenprodukt des Vitamin-A-Stoffwechsels dar und kann als Retinylester gespeichert werden.
- Retinal: Retinal ist der lichtempfindliche Bestandteil des Sehpurpurs (Rhodopsin) und für den Sehvorgang unentbehrlich.
- Retinsäure: Das biologisch aktive Vitamin reguliert das Wachstum und den Aufbau von Haut und Schleimhäuten.
Was sind Provitamin-A-Carotinoide?
Carotinoide sind eine Gruppe von natürlichen Farbstoffen. Von den ca. 650 natürlich vorkommenden Carotinoiden besitzen etwa zehn Prozent Vitamin-A-Charakter. Sie werden auch als Provitamin A bezeichnet und kommen in einigen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Provitamin-A-Carotinoide können im Darm in unterschiedlichem Maße zu Vitamin A umgewandelt werden. Das für die menschliche Vitamin-A-Versorgung wichtigste Provitamin A ist das Beta-Carotin. Es kann besonders gut in Retinal umgewandelt werden und wird auch mengenmäßig am meisten verzehrt.
Was versteht man unter Vitamin A-Säure?
Vitamin A-Säure (Tretionin) zählt zu den Retinoiden. Retinoide sind chemische Substanzen, die dem Retinol sehr ähnlich sind, aber nur einen Teil seiner biologischen Wirkungen abdecken. Tretionin wird beispielsweise häufig zur Behandlung von Hautkrankheiten wie Akne eingesetzt. Die Substanz verkleinert die Talgdrüsen, hemmt die Talgproduktion und wirkt entzündungshemmend.
Interessante Fakten zu Vitamin A
- Vitamin oder Farbstoff
Beta-Carotin wird Lebensmitteln häufig als Vitamin oder Farbstoff zugesetzt. Steht in der Zutatenliste „Farbstoff: Beta-Carotin“ oder „Farbstoff: E 160a“, dann ist Beta-Carotin als Zusatzstoff zugesetzt worden. Steht dort jedoch nur „Beta-Carotin“, dient der Stoff der Vitaminanreicherung. Dies ist oft bei Säften der Fall, bei denen der Zusatz von Farbstoffen nicht erlaubt ist, der Zusatz von Vitaminen jedoch schon. - Weltweiter Vitamin-A-Mangel
Weltweit haben mehr als 140 Millionen Kinder ein erhöhtes Gesundheitsrisiko durch Vitamin-A-Mangel. Fehlen dringend benötigte Vitamin-A-Präparate, drohen laut UNICEF unter anderem Schwerhörigkeit und Blindheit. Am stärksten betroffen sind Regionen in West- und Zentralafrika. - Angereicherte Pflanzen
Mehrere Projekte zielen darauf ab, die weltweite Versorgung mit Vitamin A zu verbessern und damit Augenerkrankungen zu verhindern. So werden Pflanzen mittels gentechnischer Verfahren mit Carotinoiden angereichert. Beispiele hierfür sind Reis (Golden Rice) mit besonders viel Beta-Carotin und Kartoffeln mit erhöhten Mengen des Carotinoids Zeaxanthin.
Schon im klassischen Altertum war die Nachtblindheit als „eigentümliches Augenleiden“ bekannt. Auch der griechische Arzt Hippokrates hat dieses Leiden gekannt und empfahl als Behandlungsmethode den Genuss von Leber. Inzwischen weiß man, dass Leber besonders reich am Vitamin A ist.
Aufgaben und Funktionen: Wofür braucht der Körper Vitamin A?
Vitamin A übernimmt zahlreiche wichtige Aufgaben und Funktionen im menschlichen Stoffwechsel. Bedeutsam ist das fettlösliche Vitamin für die Entwicklung und Differenzierung (Veränderung von Struktur und Funktion) von Zellen sowie für eine gesunde Funktion der meisten Gewebe wie Haut und Schleimhäute. Bedeutsam ist Vitamin A auch für das Immunsystem und die Sehkraft sowie den Eisenstoffwechsel.
Vitamin A für die Hautpflege und bei Akne
Vitamin A ist wichtig für die Zelldifferenzierung und damit für die Funktion verschiedener Gewebe wie Haut und Schleimhäute. Daher findet man Retinol (oder auch Retinylacetat, -palmitat, -aldehyd) auch als Anti-Aging-Wirkstoff in der Hautpflege. Bei freien Radikalen handelt es sich um chemische Verbindungen, denen, vereinfacht gesagt, ein Elektron fehlt. Das versuchen sie zu ersetzen, weswegen sie leicht mit anderen Molekülen reagieren. Letztlich kann das zu Zellschädigungen führen. Das Auftreten freier Radikale ist zwar ein normales Phänomen im Rahmen des Stoffwechsels, ihre Menge darf jedoch nicht die kompensatorischen Möglichkeiten des Körpers übersteigen. Dann kommt es zu sogenanntem oxidativen Stress, der das Potenzial für besagte Zellschädigungen hat.
In freiverkäuflichen Kosmetika wird häufig freies Retinol eingesetzt, während die aktive Retinsäure Tretinoin, auch Vitamin-A-Säure genannt, bereits in kleinen Mengen sehr reizend ist. Daher ist sie nur in verschreibungspflichtigen Medikamenten gegen Akne zugelassen. Mehrere Studien haben belegt, dass Vitamin A gegen Akne in dieser Form helfen kann.
Vitamin A: wichtig für den Sehvorgang
Vitamin A und insbesondere die Verbindung Retinal ist für den Sehvorgang von zentraler Bedeutung. Vitamin A ist Teil des sogenannten Sehpurpurs (Rhodopsins) in den Sinneszellen der Netzhaut und für das Hell-Dunkel-Sehen sowie das Dämmerungssehen wichtig. Fehlt Vitamin A, kann in bestimmten Sinneszellen der Netzhaut, den Stäbchen, nicht genügend Sehpurpur gebildet werden. In der Folge kann es zu einer Nachtblindheit kommen. Studien haben beispielsweise bei Kindern in Entwicklungsländern einen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-A-Spiegeln und einem erhöhten Vorkommen von Nachtblindheit gezeigt.
Vitamin A: für ein starkes Immunsystem
An einem gut funktionierenden Immunsystem sind zahlreiche Mikronährstoffe beteiligt. Hierzu gehören unter anderem Vitamin A, Vitamin C, Vitamin D und Vitamin E. Vitamin A kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da es an einer gesunden Funktion von Haut und Schleimhäuten beteiligt ist. Damit stärkt es die äußeren Barrieren gegen Erreger. Vitamin A und seine Vorstufe Beta-Carotin wirken zudem antioxidativ. Das heißt, sie schützen unsere Zellen vor oxidativem Stress.
Die Rolle von Vitamin A für die Funktion des Immunsystems gilt inzwischen als gut untersucht. So belegen unter anderem mehrere klinische Studien, dass eine Vitamin-A-Gabe die Erkrankungs- und Sterberate infolge von Infektionskrankheiten bei Kindern verringert, die akut an Masern erkrankt sind oder aus Vitamin-A-Mangel-Gebieten stammen.
Kann Vitamin A die Fruchtbarkeit verbessern?
Ob Vitamin A die Fruchtbarkeit verbessern kann, ist nicht eindeutig belegt, da hierbei verschiedene Einflussfaktoren eine Rolle spielen. Studien zufolge kann jedoch eine Behandlung mit Antioxidantien, darunter auch Beta-Carotin, die Anzahl der Spermien bei Männern erhöhen. Bei übergewichtigen Frauen mit einem Body-Mass-Index von mindestens 25 verkürzte die Aufnahme von Beta-Carotin aus Nahrungsergänzungsmitteln die Zeit bis zum Eintreten einer Schwangerschaft.
Vitamin A beeinflusst die Bildung von männlichen und weiblichen Geschlechtshormonen wie Testosteron und Östrogen sowie die Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien.
Vitamin A und seine Rolle im Eisenstoffwechsel
Wenig bekannt ist die Rolle von Vitamin A für den Eisenstoffwechsel. So kann ein Mangel an Vitamin A eine Eisenmangelanämie verstärken. Studien zufolge ist Vitamin-A-Mangel gleich durch verschiedene biologische Mechanismen an der Entstehung (Pathogenese) der Anämie beteiligt. Dies betrifft zum Beispiel die Förderung des Wachstums und der Differenzierung von Erythrozyten-Vorläuferzellen, die Potenzierung der Immunität gegen Infektionen und die Verringerung der infektionsbedingten Anämie sowie die Mobilisierung von Eisenspeichern in den Geweben.
Hättest Du das über Vitamin A gewusst?
- Nomen est Omen
Der Name Retinol stammt vom lateinischen Begriff „Retina“ für Netzhaut ab. Er deutet damit auf die wichtige Funktion des Vitamins für den Sehvorgang hin. - Bessere Haltbarkeit
Carotinoide wie Beta-Carotin wirken antioxidativ und werden daher häufig in Kosmetika für eine bessere Haltbarkeit eingesetzt. - Gesündere Hautfarbe
Wer sich eine gesündere Hautfarbe wünscht, sollte seinen Obst- und Gemüsekonsum erhöhen. Forschende haben herausgefunden, dass drei bis vier Portionen Obst und Gemüse täglich bewirken, dass die bereits Haut nach sechs Wochen messbar rötlicher und gelblicher wird – wegen der darin enthaltenen A-Vitamine.
Gesundheitsbezogene Angaben: Health Claims von Vitamin A
Die Funktionen von Vitamin A wurden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wissenschaftlich bewertet. Auf dieser Grundlage hat die Europäische Union gesundheitsbezogene Angaben, sogenannte Health Claims, festgelegt. Hier findest Du die Health Claims von Vitamin A, wobei wir uns die aufgeführten Funktionen einmal genauer anschauen:
Vitamin A ist von zentraler Bedeutung für das Wachstum und die Differenzierung verschiedener Zellen. Dabei bindet das Vitamin an spezielle Rezeptoren im Zellkern. Je nach Zellart und Menge kann die Zelldifferenzierung stimuliert oder gehemmt werden. In Tiermodellen hat sich gezeigt, dass Vitamin A an der Differenzierung der obersten Zellschicht (Epithel), vor allem in den Atemwegen, beteiligt ist.
Es wurde berichtet, dass all-trans-Retinsäure bestimmte Zellen des Immunsystems (-Lymphozyten) aktiviert, die der Abwehr von Infektionserregern dienen. Retinsäure beeinflusst auch das Gleichgewicht der T-Helferzellen, die ebenfalls eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass ein Vitamin-A-Mangel die durch Fresszellen (Makrophagen) vermittelte Entzündung verstärkt – aber ihre Fähigkeit, Bakterien aufzunehmen und abzutöten, beeinträchtigt.
Die Wirksamkeit einer Vitamin-A-Supplementierung auf die Infektionsrate wurde in mehreren sehr aussagekräftigen Studien an unterernährten Kindern in verschiedenen Regionen der Welt untersucht. Es hat sich gezeigt, dass die durch Antikörper vermittelte Immunität bei Kindern mit Vitamin-A-Mangel stark beeinträchtigt ist. Außerdem zeigen Studien, dass die Gabe von Vitamin-A-Ergänzungspräparaten die Bildung von Antikörpern bei Masernimpfstoffen verbessert und die Integrität der Darmschleimhaut unterstützt, die für das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt. Auch die Häufigkeit von Atemwegsinfektionen und die Sterblichkeit im Zusammenhang mit Durchfall und Masern reduzierte sich.
Vitamin A ist für die Funktion der obersten Zellen des Haut- und Schleimhautgewebes (Epithelzellen) im gesamten Körper erforderlich: in den Atemwegen, dem Verdauungstrakt, dem Urogenitaltrakt. Im Falle eines Vitamin A-Mangels verhornen diese Schleimhautzellen zunehmend, die Haut wird trocken und schuppig, so dass es zu Einschränkungen bzw. zum Verlust der Funktion von Haut und Schleimhäuten kommt.
In der Folge kann es zu vermehrten Infektionen in diesen Bereichen kommen.
Die zu den Carotinoiden gehörende Verbindung Retinal wird vom Auge für die Umwandlung von Licht in die für das Sehen notwendigen Nervensignale benötigt. In bestimmten Sehsinneszellen in der Netzhaut, Stäbchen genannt, ist Retinal an Opsin gebunden und bildet so das Sehpigment Rhodopsin. Ohne einen ausreichenden Vitamin-A-Spiegel in der Netzhaut wird die Funktion der Stäbchen bei schwachem Licht beeinträchtigt, was zu Nachtblindheit führt. Laut einer Studie war der durchschnittliche Serum-Vitamin-A-Spiegel bei Kindern, die von ihren Eltern als auch von Wissenschaftlern als nachtblind identifiziert wurden, am niedrigsten. Eine andere Rolle spielt die Hornhaut des Auges, die zur Aufrechterhaltung der Zelldifferenzierung und der strukturellen Integrität auf das in der Tränenflüssigkeit enthaltene Vitamin A angewiesen ist. Ein Vitamin-A-Mangel führt zu einer Verringerung der Schleimproduktion durch die Becherzellen der Bindehaut und somit zu trockener Hornhaut. Außerdem können sich Flecken (Bitot-Flecken) auf der Bindehaut bilden, die aussehen wie weißer Schaum.
Es wurde ein direkter Zusammenhang zwischen der Hämoglobin- und der Serum-Retinol-Konzentration festgestellt. Hämoglobin ist der eisenhaltige rote Blutfarbstoff, der für den Sauerstofftransport im Körper sorgt. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass ein Vitamin-A-Mangel die Mobilisierung von Eisen aus den Speichern beeinträchtigt und eine Vitamin-A-Supplementierung die Hämoglobinkonzentration verbessert.
Tagesbedarf: Wie viel Vitamin A am Tag?
Der tägliche Vitamin A-Bedarf richtet sich nach dem Lebensalter und teilweise nach dem Geschlecht. Nach den D-A-CH-Referenzwerten (D-A-CH = Deutschland, Österreich, Schweiz) liegt er für Frauen im Alter von 19 bis 64 Jahren bei 700 Mikrogramm (µg) Retinolaktivitätsäquivalent (RAE) und für Männer bei 850 µg RAE pro Tag. Schwangere haben einen erhöhten Bedarf von 800 µg RAE. Bei Stillenden beträgt er sogar 1.300 RAE. Bei Kindern wird je nach Alter eine Zufuhr von 300 bis 600 µg RAE empfohlen. Bei Jugendlichen betragen die Schätzwerte 700 bis 950 µg RAE. Babys bis zu vier Monaten haben mit 500 µg RAE einen höheren Tagesbedarf an Vitamin A als Säuglinge im Alter zwischen vier und zwölf Monaten (400 µg RAE).
Hinweis: Die Referenzwerte für Säuglinge liegen höher als die für Kinder. Berücksichtigt wurde dabei, dass der Verdauungstrakt sowie die Leber im ersten Lebensjahr noch nicht voll ausgereift sind. Ein weiterer Grund für die höheren Schätzwerte ist, dass die körpereigenen Leberspeicher mit Vitamin A erst einmal aufgefüllt werden müssen.
Was sind Retinolaktivitätsäquivalente (RAE)?
Die verschiedenen Vitamin-A-Verbindungen in Lebensmitteln werden vom Körper unterschiedlich gut aufgenommen und verarbeitet. So können die Provitamin-A-Carotinoide Wechselwirkungen mit anderen Nährstoffen eingehen und haben eine andere Bioverfügbarkeit als Retinol (Vitamin A). Die Umrechnung in sogenannte Äquivalente ermöglicht es, die Werte miteinander vergleichen zu können. Dabei gilt:
1 µg Retinolaktivitätsäquivalent (RAE) = 1 µg Vitamin A
1 µg Retinolaktivitätsäquivalent (RAE) = 12 µg Beta-Carotin.
Für alle anderen Carotinoide mit Provitamin-A-Wirkung gilt: 1 µg RAE entspricht 24 µg Provitamin-A-Carotinoiden.
Was sind Retinoläquivalente (RE)?
Retinoläquivalente (RE) berücksichtigen die maximale Umwandlungsrate von Provitamin-A-Carotinoiden in die Wirkform von Vitamin A (Retinol) sowie deren Aufnahmewirksamkeit aus der Nahrung. Dabei gilt:
1 µg Retinoläquivalent (RE) = 1 µg Retinol
1 µg Retinoläquivalent (RE) = 6 µg Beta-Carotin
Das RE berücksichtigt im Gegensatz zu RAE die Wechselwirkung der Provitamin-A-Carotinoide mit anderen Nährstoffen sowie die Bioverfügbarkeit aus Lebensmitteln nicht. Daher ist die Umwandlungsrate bei RE geringer als bei RAE.
Vitamin-A-Derivate stecken oft in Kosmetikprodukten, die unter anderem mit dem Versprechen angeboten werden, gegen Altersflecken zu helfen. Dafür gibt es jedoch keinen Beleg. Solche Cremes können auch zu Hautreizungen führen.
Vitamin A: Referenzwerte
| Alter | Retinol | |
|---|---|---|
| µg-Aktivitätsäquivalenta/Tag | ||
| m | w | |
| Säuglinge | ||
| 0 bis unter 4 Monate | 500b | |
| 4 bis unter 12 Monate | 400b | |
| Kinder und Jugendliche | ||
| 1 bis unter 4 Jahre | 300 | |
| 4 bis unter 7 Jahre | 350 | |
| 7 bis unter 10 Jahre | 450 | |
| 10 bis unter 13 Jahre | 600 | |
| 13 bis unter 15 Jahre | 800 | 700 |
| 15 bis unter 19 Jahre | 950 | 800 |
| Erwachsene | ||
| 19 bis unter 25 Jahre | 850 | 700 |
| 25 bis unter 51 Jahre | 850 | 700 |
| 51 bis unter 65 Jahre | 850 | 700 |
| 65 Jahre und älter | 800 | 700 |
| Schwangere | 800 | |
| Stillende | 1300 | |
| aBerechnungsgrundlage: 1 μg Retinolaktivitätsäquivalent (retinol activity equivalent, RAE) = 1 μg Retinol = 12 μg β-Carotin = 24 μg andere Provitamin-A-Carotinoide. Hinweis: In einigen Nachschlagewerken und Lebensmitteltabellen finden sich auch Angaben in Retinoläquivalenten (retinol equivalent, RE), denen folgende Umwandlungsfaktoren zugrunde liegen: 1 μg RE = 1 μg Retinol = 6 μg β-Carotin = 12 μg andere Provitamin-A-Carotinoide. bHierbei handelt es sich um einen Schätzwert. | ||
Carotinoide können durch gleichzeitigen Verzehr von Fett beziehungsweise die Zubereitung entsprechender Speisen mit Fett besser vom Körper verwertet werden. Die dazu benötige Fettmenge ist in einer ausgewogenen Mischkost aber in der Regel ohnehin enthalten.
Vitamin A: Wo enthalten?
Wo ist Vitamin A drin? Vitamin A kommt in einigen Lebensmitteln tierischen Ursprungs vor. Hierzu gehören Leber und daraus hergestellte Wurstwaren. Auch Eier, Milch und Milchprodukte wie Käse sind gute Vitamin-A-Quellen. Ähnliches gilt für fettreiche Seefischsorten wie Aal, Makrele oder Thunfisch.
Carotinoide wie das Beta-Carotin sind in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Das erkennst Du oft schon an ihrer intensiven Farbe. Provitamin-A, also die Vorstufe von Vitamin A, steckt zum Beispiel in Karotten, Süßkartoffeln, Kürbis, roter Paprika, aber auch in grünen Sorten wie Grünkohl, Spinat und Feldsalat. Bei den Obstsorten enthalten Honigmelonen, Aprikosen und Mangos nennenswerte Mengen.
In folgenden zehn Lebensmitteln ist besonders viel Vitamin A enthalten:
Hinweis: Da Vitamin A aus tierischen Lebensmitteln und Provitamin-A-Carotinoide aus pflanzlichen Produkten unterschiedlich vom Körper aufgenommen werden, erfolgen die Mengenangaben zur besseren Vergleichbarkeit in Retinoläquivalenten (RE).
Vitamin A reagiert in Gegenwart von Sauerstoff empfindlich auf Hitze und Licht. Daher solltest du Vitamin-A-haltige Lebensmittel möglichst dunkel und kühl lagern.
Vitamin-A-Mangel: Symptome & Ursachen
In Deutschland und den westlichen Industrieländern ist ein primärer – also durch die Ernährung bedingter – Vitamin-A-Mangel sehr selten. Laut der Nationalen Verzehrstudie (NVS II) liegt der tägliche Verzehr von Frauen bei 1.000 Mikrogramm Retinoläquivalenten (µg RE) und von Männern bei 1.200 µg RE am Tag und damit über der empfohlenen Zufuhr Erwachsener.
Aufgrund der schlechten Ernährungssituation kommen Vitamin-A-Mangelerscheinungen dagegen in wirtschaftlich unterentwickelten Ländern häufig vor. Betroffen sind vor allem Gebiete in West- und Zentralafrika. Dort ist Vitamin-A-Mangel die häufigste Ursache für Erblindung im Kindesalter und erhöhte Kindersterblichkeit.
Vitamin-A-Mangel Symptome: Wie äußert sich Vitamin-A-Mangel?
Aufgrund der zahlreichen wichtigen Funktionen im Körper kann ein Vitamin-A-Mangel verschiedene Symptome hervorrufen und zahlreiche schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
Mögliche Anzeichen von Vitamin-A-Mangelerscheinungen sind unter anderem:
- Sehstörungen wie Nachtblindheit
- Hornhautgeschwüre durch Austrocknung der Tränendrüsen und Augenbindehaut
- trockenere, schuppige Haut
- Hauterkrankungen wie Akne
- Wachstumsstörungen (v. a. bei Kindern)
- geschwächtes Immunsystem und Infektanfälligkeit
- Atemwegserkrankungen
- Durchfallerkrankungen
Vitamin-A-Mangel Ursachen: Wie kann es zu einem Vitamin-A-Mangel kommen?
Ein Vitamin-A-Mangel kann verschiedene Gründe haben. Neben einer einseitigen Ernährung können die Vitamin-A-Speicher des Körpers erschöpft oder die Aufnahme des Vitamins über den Darm gestört sein. Auch chronische Erkrankungen, bei denen die Fettverdauung und -aufnahme eingeschränkt ist, wie beispielsweise entzündliche Darmerkrankungen (etwa Morbus Crohn), Leber- und Nierenerkrankungen oder Störungen der Bauchspeicheldrüse, können eine Ursache sein. Ein erhöhter Bedarf besteht auch bei schwerwiegenden Verletzungen wie starken Verbrennungen.
Darreichungsformen von Vitamin-A-Präparaten
Vitamin A ist in zahlreichen Nahrungsergänzungen enthalten. Folgende Verbindungen sind zugelassen:
- Retinol
- Retinylacetat
- Retinylpalmitat
- β-Carotin (Betacarotin)
Üblicherweise sind Vitamin A-Präparate als Tropfen oder Kapseln erhältlich. Zudem gibt es Multivitamin-Präparate mit Beta-Carotin.
Zu viel Vitamin A: Überdosierung
Eine Vitamin-A-Überdosierung kommt im Rahmen einer normalen ausgewogenen Ernährung kaum vor. Vitamin-A-Überdosis kann zu Haut- und Skelettveränderungen sowie Leberschädigungen wie Gelbsucht bis hin zur Leberzirrhose führen.
Schwangere haben zwar einen erhöhten Vitamin-A-Bedarf. Da zu hohe Mengen jedoch dem Ungeborenen schaden können, sollten Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel keine Leber verzehren und diese im Verlaufe der weiteren Schwangerschaft nur selten essen. Auch die Einnahme eines hoch dosierten Vitamin-A-Präparates in der Schwangerschaft sollte nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Um gesundheitliche Folgen durch zu viel Vitamin A auszuschließen, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für den Zusatz von Beta-Carotin zu Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) eine Höchstmenge von 3,5 Milligramm (mg) Beta-Carotin pro Tagesverzehrempfehlung eines NEM vorgeschlagen.