Orthomol Logo

Bifidobakterien – wie nützlich sind sie für den Darm?

Unser Darm ist ein komplexes Ökosystem und beherbergt etwa 1000 unterschiedliche Arten von Bakterien. Diese Mikroorganismen übernehmen viele wichtige Aufgaben in unserem Körper. Zu den wichtigsten Darmbewohnern gehören sogenannte Bifidobakterien. Sie zählen zu den Probiotika, kommen in unterschiedlichen Arten vor und sind wichtige Schutzkeime in unserem Dickdarm mit positiven Effekten – nicht nur auf die Darmgesundheit.

Was genau sind Bifidobakterien, welche Aufgaben erfüllen sie in unserem Körper und wie wirken sie sich auf Gesundheit und Wohlbefinden aus? Hier bekommst Du alle Informationen über Bifidobakterien, was hinter den Mikroorganismen der Darmflora steckt und in welchen Lebensmitteln sie enthalten sind.

 

Was sind Bifidobakterien?

Bifidobakterien (Bifidobacterium) sind anaerobe (benötigen keinen Sauerstoff, um ihren Stoffwechsel aufrechtzuerhalten), grampositive, sich nicht aktiv bewegende und nicht Sporen bildende Stäbchenbakterien. Sie gehören zur Familie der Bifidobacteriaceae und weisen durch geschwollene Zellenden eine Keulenform auf Bifidobakterien leben in unserem und im tierischen Magen-Darm-Trakt. Es sind “gute” gesundheitsfördernde Bakterien, die unseren Darm bewohnen und unbedenklich für uns sind.

Die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) unterscheiden 40 verschiedene Arten von Bifidobakteiren. Zu unserer normalen Darmflora gehören u.a.:

  • Bifidobacterium bifidum
  • Bifidobacterium adolescentis
  • Bifidobacterium breve
  • Bifidobacterium longum
  • Bifidobacterium infantis
     

Wo kommen Bifidobakterien vor?

Bifidobakterien besiedeln hauptsächlich unseren Dickdarm, sind aber auch im Blinddarm, in der Mundhöhle oder in der Vagina gesunder Frauen anwesend. Im Dünndarm sind sie nur im geringeren Ausmaß vorhanden. Bei Säuglingen nehmen sieeinen Großteil der gesamten Darmflora ein.
Die bakterielle Besiedelung des Darms findet bei Säuglingen in den ersten Lebenstagen statt. Zunächst wird die Flora über den Geburtsweg, den Darm und die Haut von der Mutter übernommen. Bifidobakterien siedeln sich erst beim Trinken von Muttermilch im Dickdarm an. Das Wachstum der Bakterienkultur wird durch die Inhaltsstoffe in der Muttermilch angeregt, die in herkömmlicher Kuhmilch nicht enthalten sind. Bei gestillten Säuglingen sind insbesondere die Bakterienarten Bifidobacterium bifidum, Bifidobacterium breve, Bifidobacterium longum und Bifidobacterium infantis im Dickdarm vertreten.

 

Probiotika: Laktobazillen und Bifidobakterien

Mikroorganismen wie Bifidobakterien oder auch Laktobazillen (Milchsäurebakterien) zählen zu den erwünschten “guten” Darmbakterien in unserem Organismus mit gesundheitsfördernden Eigenschaften. Sie können in Arzneimitteln, Nahrungsergänzungsmitteln oder Lebensmitteln enthalten sein. Für eine positive Wirkung auf unsere Gesundheit müssen die Präparate oder Lebensmittel über ausreichend lebende Bakterienkulturen - ca. 10 Millionen pro Portion oder Einnahme- verfügen.

Probiotika sorgen für eine gesunde Darmflora, indem sie die bereits angesiedelten gesunden Bakterien im Darm unterstützen und das Eindringen von “bösen” Bakterien und Krankheitserregern abwehren. Darüber hinaus fördern und regulieren Probiotika unsere Verdauung, schützen die Darmbarriere und stärken das Immunsystem.

 

Bifidobakterien: Wirkungen und Funktionen im Körper

Unsere Darmbakterien übernehmen wichtige Aufgaben in unserem Organismus und entfalten gesundheitsfördernde Effekte. In unserem Magen-Darm-Trakt befinden sich 109 bis 1012 Bifidobakterien pro Milliliter. Zu den wichtigen Funktionen gehören:

 

Unterstützen den Eiweiß- und Kohlehydratstoffwechsel

Alle Bifidobakterien fermentieren (vergären) Glukose, Laktose, Galaktose und Fruktose. Sie unterstützen unseren Eiweiß- und Kohlehydratstoffwechsel, indem sie unverdaute Kohlenhydrate aus der Nahrung, z. B. Pektin, Xylan und andere Ballaststoffe verarbeiten und verwerten. Zudem bilden sie kurzkettige Fettsäuren und aus Glukose stellen sie Milchsäure und Essigsäure her sowie Ameisensäure und Ethanol.

 

Fördern ein saures Darmmilieu

Bifidobakterien neutralisieren alkalische (basische) Stoffwechselprodukte und senken den (basischen) pH-Wert. Damit sorgen die Bakterienstämme für ein saures Milieu im Darm und machen es schädlichen Bakterien und Krankheitserregern schwer, in unserem Darm zu überleben.


Stärken unser Immunsystem

Verschiedene Bifidobakterien beeinflussen unser spezifisches und unspezifisches Immunsystem, indem sie die Zellteilung in der Milz stimulieren und die Aktivität von Abwehrzellen wie Phagozyten, Lymphozyten und natürlichen Killerzellen sowie die Bildung von unspezifischen und spezifischen Antikörpern anregen.

 

Synthetisieren Vitamine

Zur probiotischen Wirkung von Bifidobakterien gehört auch die Synthese bestimmter Vitamine der B-Gruppe wie B1 (Thiamin), B2 (Riboflavin), B3 (Niacin), B5 (Pantothensäure), B6 (Pyridoxin), B7 (Biotin), B9 (Folsäure), B12 (Cobalamin) sowie die Vitamine C und K. Die Vitaminsynthese kann aber auch von anderen Bakterienarten im Dickdarm übernommen werden und damit zu einer stabileren Darmflora beitragen, z. B. von Laktobazillen, Enterokokken und Bacteroides.

 

Senken (möglicherweise) den Cholesterinspiegel

Bifidobakterien senken möglicherweise auch unseren Cholesterinspiegel, indem sie Cholesterin zu 80 Prozent in Coprostanol (Abbauprodukt von Cholesterin) umwandeln. Das Coprostanol scheiden wir dann mit dem Kot aus.

 

Resistent gegenüber Magensäure und Gallensäure

Bifidobakterien sind darüber hinaus resistent gegenüber Magensäure und Gallensäuren - eine wichtige Voraussetzung, damit Probiotika in unserem Dickdarm ankommen und ihre gesundheitliche Wirkung entfalten können.

 

Senken den Stresshormonspiegel

Bifidobacterium infantis trägt dazu bei, dass unser Cortisolspiegel sinkt. Cortsiol ist neben Adrenalin unser wichtigstes Stresshormon. Bifidobacterium longum entfaltet eine ähnliche Wirkung auf unseren Stresshormonspiegel wie Bifidobacterium infantis. Zudem soll die Einnahme von Probiotika mit u. a. dieser Bakterienart einen positiven Effekt auf unsere Hirnstruktur, Hirnfunktion und das mentale Wohlbefinden haben.

 

Regen die Produktion des Glückshormon Serotonin an

Die Besiedelung des Darms mit dem Bakterienstamm Bifidobacterium infantis lässt den Tryptophanspiegel im Blut ansteigen und regt so die Produktion des ”Glückshormons“ Serotonin an. Tryptophan ist außerdem auch ein wichtiger Baustein in der Synthese von Melatonin, unserem Schlafhormon. Es kann damit für eine stimmungsaufhellende, beruhigende Wirkung sorgen und unseren Schlaf verbessern

 

Folgende Wirkungen und Aufgaben übernehmen Bifidobakterien in unserem Körper - ein Überblick:

  • Unterstützung und Stärkung der Darmbarriere gegen pathogene Erreger und Darmtoxine (u. A. durch Senkung des pH-Wertes im Darm).

  • Regulierung der Darmtätigkeit.
  • Unterstützung bei der Wiederherstellung einer geschädigten Darmflora nach einer Antibiotika-Behandlung.
  • Abbau unverdaulicher Nahrungsbestandteile und Nährstoffverwertung.
  • Stärkung unseres Immunsystems und Stimulierung der Immunabwehr im Darm.
  • Synthese von B-Vitaminen, Vitamin C und Vitamin K sowie anderen Stoffen, um das Wachstum der Darmzellen zu unterstützen und die Darmflora zu stabilisieren.
  • Absenkung des Stresshormonspiegels (Cortisol).
  • Reduzierung von Cholesterin.

 

Bifidobakterien: Einsatzbereiche

Die orale Einnahme von Probiotika ist bei verschiedenen Magen-Darm-Beschwerden angezeigt sowie bei Menschen, die unter einem Reizdarmsyndrom oder Darminfektionen leiden. Die typischen Symptome eines Reizdarmsyndroms sind Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall (Diarrhö) oder Verstopfung (Obstipation). In einer Studie konnte die Wirkung hinsichtlich der Linderung von Verdauungsbeschwerden bestätigt werden. Die Kultur Bifidobacterium animalis subsp. lactis und auch andere Milchsäurebakterien (Laktobazillen) verbessern demnach die Symptome des Reizdarmsyndroms bereits nach vier Wochen.

Die Einnahme von bestimmten Bidifidobakterien-Präparaten kann daher auch zur Unterstützung einer Gewichtsreduktion hilfreich sein. Auch bei Durchfall nach einer Antibiotika-Behandlung (Antibiotika-assoziierter Durchfall, AAD) oder zur Wiederherstellung Deiner Darmflora nach einer Therapie mit Antibiotika kann die Einnahme von Bifidobakterien Deinen Organismus unterstützen und für eine gesunde Darmflora sorgen.

Eine Einnahme von Bifidobakterien kann sich auch positiv auf unser Immunsystem auswirken. Supplemente können daher bei einer Infektanfälligkeit zum Einsatz kommen. Sie stärken unser Immunsystem und tragen zu milderen Beschwerden oder kürzeren Verläufen von Erkältungen bei. Möglicherweise kann mit einer Einnahme von Bifidobakterien unser Cholesterinspiegel gesenkt werden.

 

Wann zum Arzt?

Halten Deine Darmbeschwerden über längere Zeit an, wäre ein Besuch in einer Arztpraxis empfehlenswert, um die Beschwerden abklären zu lassen. Es können sich auch immer ernstere Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt wie z. B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn sowie Tumore und Nahrungsmittelallergien hinter Deinen Verdauungsbeschwerden verbergen.

Ob die Anwendung mit Probiotika bei Deinen Beschwerden sinnvoll ist, besprichst Du ebenfalls mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin. Gleiches gilt für die Dauer der Behandlung mit Bifidobakterien, die zeitlich variieren kann.
 

Bifidobakterien: Einnahme und Anwendung

Bifidobakterien, insbesondere Bifidobacterium bifidum, Bifidobacterium longum,  Bifidobacterium breve und Bifidobacterium infantis werden zur Produktion von fermentierten Milchprodukten und pharmazeutischen Präparaten (Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel) in Form von Kapseln, Tabletten oder Pulver verwendet. Häufig in Probiotika eingesetzte Bakterien sind folgende Kulturen:

  • Laktobazillen z. B. Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus casei, Lactobacillus rhamnosus.
  • Bifidobakterien z. B. Bifidobacterium lactis, Bifidobacterium bifidum.
  • Enterokokken.
  • Escherichia coli.
  • Hefekulturen, z. B. Saccharomyces boulardii Saccharomyces cervisiae.

 

Tipp: Einnahme von Synbiotika

Damit sich Bifidobakterien gut im Darm ansiedeln und vermehren können, sind Präbiotika eine gut geeignete Nahrungsquelle. Diese unverdaulichen Ballaststoffe unterstützen die Ansiedlung von Bifidobakterien. Es gibt auch sogenannte Synbiotika. Dabei handelt es sich um genau so eine Kombination aus Probiotika und Präbiotika.

Weitere Informationen zu den Themen Präbiotika und Probiotika und deren Darreichungsformen erhältst Du hier:

 

Kaufkriterien von Bifidobakterien-Produkten

Worauf solltest Du achten, wenn Du Produkte mit Bifidobakterien kaufen möchtest? Faktoren wie die Zusammensetzung, Haltbarkeit, Darreichungsform und Wertigkeit sind wichtig, um qualitativ hochwertige Produkte bewerten zu können:

  • Zusammensetzung: Der Anteil an den lebenden Bakterien ist für die Qualität von Bifidobakterien-Produkten wichtig - schließlich können nur die Bakterien die positive Wirkung auf unsere Gesundheit entfalten, die auch lebend im Darm ankommen und nicht vorher durch Magen- oder Gallensäure zerstört wurden. Auf der Verpackung sollte ein Hinweis der Menge an Mikroorganismen.
  • Haltbarkeit: Achte beim Kauf auf das Mindesthaltbarkeitsdatum, das auf der Verpackung steht. Dadurch wird die ausreichende Anzahl der enthaltenen lebenden Bakterien garantiert. Es wird empfohlen, die Produkte kühl und trocken zu lagern.
  • Darreichung: Tabletten, Kapseln oder Pulver? Die beliebteste Form sind Kapseln mit einer einfachen Einnahme und einer hohen Anzahl Bifidobakterien. Pulver hingegen eignet sich für Säuglinge und Kinder, weil eine individuelle Dosierung möglich ist.
  • Qualität: Achte darauf, wo die Produkte hergestellt wurden und woher die Rohstoffe stammen. Auf manchen Verpackungen gibt es möglicherweise Hinweise auf Qualitätsprüfungen im Labor oder ob es sich um Produkte in Bio-Qualität handelt.

 

In welchen Lebensmitteln stecken Bifidobakterien?

Du kannst die Anzahl von Bifidobakterien im Dickdarm erhöhen, indem Du Deine Ernährung umstellst und mehr präbiotische und probiotische Lebensmittel auf Deinen Speiseplan setzt. Damit sich Bifidobakterien in Deinem Darm richtig wohlfühlen, ernähre Dich möglichst ballaststoffreich (präbiotisch). Ballaststoffe sind u. a. in Obst, Gemüse, Nüssen, Samen und Vollkornprodukten reichlich enthalten. Präbiotische Lebensmittel gehören zur Lieblingsspeise von Bifidobakterien und sollten auch bei Deiner Ernährung berücksichtigt werden.

Bifidobakterien werden oft bei der Produktion von Milchprodukten durch Fermentierung eingesetzt. Joghurt ist z. B. ein Sauermilchprodukt, das typischerweise unter Einsatz bestimmter Bifido- und Milchsäurebakterien produziert wird. (Fermentierte) Milchprodukte wie Joghurt tragen zu einer wertvollen, ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Darmflora bei. Sie enthalten hochwertige Proteine und sind eine wichtige Quelle für Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente. Aufgrund der Fermentierung von Joghurt nimmt im Vergleich zu Milch der Gehalt an Vitamin B12 und Vitamin C ab. Dafür steigt jedoch der Gehalt an Folsäure. Auch die Bioverfügbarkeit einiger Mineralstoffe wie z. B. von Kalzium verbessert sich.

In folgenden Lebensmitteln sind Bifidobakterien vertreten:

  • Joghurt
  • Milch, Dickmilch, Buttermilch
  • Käse
  • Kefir
  • Fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut, Miso (Soja), Kimchi (Kohl), saure Gurken, Topinambur
  • Fermentierte Getränke wie Kombucha

 

Bifidobakterien: Verträglichkeit

Bei gesunden Menschen, die über eine vielseitige Darmflora und eine gesunde Verdauung verfügen, sind keine Nebenwirkungen bei der Einnahme von probiotischen Präparaten mit Bifidobakterien zu erwarten. Sie können daher ohne Probleme täglich eingenommen werden.