Die Darmflora hat entscheidenden Einfluss darauf, wie wohl und gesund wir uns fühlen. Speziell die Zusammensetzung der Bakterien im Darm spielt für unsere Verdauung, das Immunsystem und die optimale Funktion zahlreicher Organe eine entscheidende Rolle. Daher stellt sich natürlich die Frage, wie wir die Darmflora stärken können. Hier erklären wir Dir, welche Darmbakterien für uns besonders wertvoll sind, wie Du Dein Mikrobiom mit einer gesunden Ernährung untersützen und die Darmflora mit bewährten Hausmitteln aufbauen kannst, etwa nach einer Einnahme von Antibiotika oder zur Darmsanierung.
Was ist die Darmflora?
Die Darmflora, auch als Darmmikrobiom bekannt, bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die in unserem Darm (v. a. Dickdarm) angesiedelt sind. Über 400 verschiedene Bakterienarten tummeln sich dort, aber auch Pilze und (meist harmlose) Viren. Expert:innen schätzen, dass insgesamt 100 Billionen „Bewohner“ in unserer Darm-WG leben. Würde man sie wie Perlen auf einer Schnur aufreihen, könnte die Schnur die Erde etwa 2,5-mal umrunden.
Bereits während der Geburt beginnt die erste Kolonisation der Darmschleimhaut durch Keime der Mutter und aus der Umgebung. Im weiteren Verlauf unseres Lebens entwickelt sich dann ein dynamisches Mikrobiom, dessen Muster so individuell ist wie ein Fingerabdruck.
Aber was genau macht eine gesunde Darmflora aus? Expert:innen gehen davon aus, dass die Vielfalt des Mikrobioms (Diversität) sowie ein ausgewogenes Verhältnis von „guten“ und „schlechten“ Bakterien entscheidende Merkmale sind. Dieses fragile Gleichgewicht kann jedoch durch verschiedene Faktoren gestört werden.
Aufgaben und Funktionen der Darmflora
Im Laufe der letzten Jahre ist das Wissen um die Funktionen der Darmflora enorm gewachsen. Expert:innen gehen heute davon aus, dass die nützlichen Darmbakterien nicht nur die Verdauung positiv beeinflussen, sondern vielfältige Aufgaben übernehmen.
Verdauung und Entgiftung
Darmbakterien spielen bei der Zersetzung und Aufnahme von Nahrungsbestandteilen eine wichtige Rolle. Bauen sie Ballaststoffe ab, entstehen zudem wichtige kurzkettige Fettsäuren, die die Darmzellen mit Energie versorgen und die Motilität (Bewegung) des Darms unterstützen. Manche Darmbakterien sind außerdem in der Lage, giftige Substanzen wie Nitrosamine zu neutralisieren. Nitrosamine sind chemische Verbindungen, die sich unter bestimmten Bedingungen (v.a. beim Erhitzen oder im sauren Milieu des Magens) aus Nitrit bzw. Nitrat und sog. Aminen bilden können. Sie werden allgemein als gesundheitsschädlich eingestuft, da sie in Tierversuchen krebserregende Wirkungen zeigten.
Immunsystem
Als integraler Bestandteil des darmeigenen Immunsystems hemmen die nützlichen Darmbakterien die Ansiedlung und Vermehrung von Krankheitserregern und trainieren das darmassoziierte Immunsystem. Außerdem unterstützen sie die Barrierefunktion der Darmschleimhaut, sodass unerwünschte Keime und Giftstoffe nicht ungehindert aus dem Darm ins Blut übertreten können.
Vitaminproduktion
Eine gesunde Darmflora enthält verschiedene Bakterien, die Vitamine produzieren, darunter Vitamin K sowie verschiedene B-Vitamine (B1, B2, B5, Biotin und Folsäure). Auch Vitamin B12 wird bakteriell im Darm hergestellt. Allerdings können wir dieses kaum nutzen, da im Dickdarm die für die Aufnahme notwendigen Rezeptoren fehlen.
Jüngste Forschungen legen nahe, dass ein gesunder Darm über die sogenannte Darm-Hirn-Achse auch das psychische Wohlbefinden fördert. Bestimmte Darmbakterien scheinen nämlich die Produktion von Nervenbotenstoffen wie Serotonin oder GABA zu unterstützen, die wiederum das emotionale Gleichgewicht beeinflussen. Darüber hinaus wird vermutet, dass die Zusammensetzung der Darmflora auch Auswirkungen auf unseren Stoffwechsel sowie die Entstehung von verschiedenen chronischen Erkrankungen hat.
Darmflora aufbauen – warum ist das wichtig?
Damit die guten Darmbakterien unser körperliches sowie seelisches Wohlbefinden unterstützen können, ist es wichtig, dass sich die Darmflora in einer stabilen Balance befindet. Ein gesunder Lebensstil hilft, damit die nützlichen Mitbewohner die Oberhand behalten. Doch welche Bakterien sind es eigentlich, die unsere Gesundheit fördern und welche sind eher unerwünscht?
Schädliche vs. nützliche Darmbakterien
Jede:r von uns beherbergt einen wahren Mikrokosmos an Darmbakterien, von denen mehr als 90 Prozent zu den Hauptstämmen Firmicutes und Bacteroides gehören. Daneben kommen aber auch Actinobacteria, Proteobakteria, und Verrucomicrobia (z. B. Akkermansia) in relevanten Mengen vor. Die meisten Bakterien dieser Arten leisten wertvolle Dienste für unsere Gesundheit. Allerdings sind vielen von uns lediglich die Bifidobakterien und Laktobazillen als die guten Bakterien bekannt.
Bifidobakterien & Laktobazillen – nützliche Helfer für unsere Gesundheit
Bifidobakterien gehören zum Stamm der Actinobacteria. Sie unterstützen unseren Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel und bilden beim Abbau von Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren, denen gesundheitsförderliche Effekte zugeschrieben werden. Gleichzeitig stellen sie Milchsäure und andere Säuren her, die den pH-Wert im Darm absenken. Dadurch entsteht ein saures Milieu, in dem sich schädliche Mikroorganismen unwohl fühlen und nicht ausbreiten können. Manche Bifidobakterien unterstützen zudem unser Immunsystem und können sich positiv auf den Cortisolspiegel (Stresshormon) auswirken.
Laktobazillen sind eine Gattung der Firmicutes. Sie sind für die normale Darmfunktion essenziell und üben positive Effekte auf die Funktion der Darmbarriere und das darmassoziierte Abwehrsystem aus. Genau wie die Bifidobakterien bauen darüber hinaus Zucker zu Milchsäure ab und unterstützen so ein gutes Darmklima.
In unserer Darmflora tummeln sich aber nicht nur gute Bakterien. Auch schädliche Keime wie Escherichia coli Bakterien, Staphylokokken oder Clostridien sind hier zu finden. Solange diese nicht dominieren, kommen wir ganz gut damit klar. Anders ist es, wenn sich das Verhältnis der Darmbakterien zugunsten der unerwünschten Stämme verändert und die Balance der Darmflora gestört wird.
Symptome einer gestörten Darmflora
Ist die Darmflora gestört, sprechen Expert:innen häufig auch von einer Dysbiose. Diese macht sich in erster Linie durch Magen-Darm-Probleme wie Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Völlegefühl oder Verstopfung bemerkbar. Aber auch Erschöpfungserscheinungen, Müdigkeit, Nahrungsmittelintoleranzen, Haut- und Gewichtsprobleme oder eine erhöhte Infektanfälligkeit können Symptome einer gestörten Darmflora sein.
Da die Zusammensetzung des Darmmikrobioms aber nicht nur die Verdauung, sondern auch die Integrität der Darmbarriere sowie zahlreiche Stoffwechsel- und Immunreaktionen beeinflusst, kann eine Dysbiose zudem weitreichendere Folgen haben. So wird beispielsweise vermutet, dass eine gestörte Darmflora als Auslöser und Unterhalter chronischer Entzündungsprozesse eine wichtige Rolle bei der Entstehung diverser Krankheiten spielt. Veränderungen des Darmmikrobioms werden u. a. mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa), Reizdarm, verschiedenen Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen (z. B. Diabetes) sowie immunologischen Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Neuere Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass neurodegenerative Erkrankungen, psychische Störungen sowie gynäkologische Erkrankungen ebenfalls mit einer Dysbiose assoziiert sein können. Allerdings sind die genauen Mechanismen häufig noch nicht abschließend belegt. Zudem ist bei vielen Erkrankungen noch unklar, ob die Dysbiose Ursache oder Folge der Erkrankung ist.
Ursachen einer gestörten Darmflora
Die Ursachen einer gestörten Darmflora können vielfältig sein. Oftmals ist es auch ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, dass unser Darmmikrobiom aus der Balance bringt. Zu den bekanntesten Ursachen gehören:
Ungesunde Ernährung
Stark verarbeitete Lebensmittel, einfache Kohlenhydrate (z. B. aus Weißmehlprodukten) und zuckerhaltige Produkte können der Darmflora ganz schön zusetzen, denn sie liefern oft keinerlei Ballaststoffe, die das Wachstum der „guten“ Darmbakterien fördern. Stattdessen füttern sie durch ihren hohen Zuckergehalt die schlechten Bakterien und können Entzündungsprozesse fördern. Auch sehr fettreiches Essen, zu viel rotes Fleisch und Genussgifte scheinen die gesunde Darmflora aus dem Takt bringen zu können.
Stress
Stress kann nicht nur die Darmbewegungen beeinflussen, sondern auch die Darmflora verändern. Die vermehrte Freisetzung von Stresshormonen scheint zum einen die Artenvielfalt zu reduzieren und zum anderen einen Rückgang der Laktobazillen zu provozieren.
Antibiotika und andere Medikamente
Eine Antibiotika-Einnahme kann die Zusammensetzung der Darmbakterien verändern. Aber auch andere Medikamente wie z. B. Metformin, Kortison, Säureblocker, Antidepressiva oder Abführmittel können negative Folgen für das Mikrobiom haben.
Infekte
Schwere Magen-Darm-Infekte bringen die natürliche Zusammensetzung der Darmflora durcheinander. Zudem wird vermutet, dass auch Viren, die Atemwegserkrankungen hervorrufen (z. B. die Influenza oder Corona-Virus) zu einer Dysbiose beitragen könnten. Genaue Zusammenhänge sind hier allerdings noch unklar.
Interessanterweise scheint auch das Alter ein „Risikofaktor“ für eine gestörte Darmflora zu sein. Ältere Menschen weisen häufig eine verminderte Diversität und einen höheren Anteil an potenziell pathogenen Darmbakterien auf.
Darmflora aufbauen – wie geht das?
Wer eine gesunde Darmflora erhalten oder aufbauen möchte, sollte nicht nur Störfaktoren wie Genussgifte, Stress sowie fett- und zuckerreiche Lebensmittel meiden, sondern die Darmflora mit einer ausgewogenen Ernährung gezielt unterstützen. Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide liefern z. B. reichlich Ballaststoffe, die den guten Darmbakterien als Kraftfutter dienen. Gut genährt produzieren sie kurzkettige Fettsäuren und andere Substanzen, die unsere Darmbarriere stärken, Schädlinge in die Schranken verweisen und Entzündungsvorgänge reduzieren. Eine Ernährungsform, die sich zur Stärkung der Darmflora bewährt hat, ist die mediterrane Ernährung. Aber auch eine vegetarische oder vegane Ernährung scheint sich positiv auf das Mikrobiom auszuwirken.
Daneben kann für eine Darmsanierung auch der Einsatz von Probiotika die Ansiedlung nützlicher Darmbakterien erleichtern und so zu einem gesunden Gleichgewicht beitragen. Probiotika sind ausgewählte Bakterienkulturen, die einen positiven Gesundheitsnutzen entfalten können. Wichtig bei der Verwendung von Probiotika ist, dass sie die Passage durch den Magen-Darm-Trakt überstehen und in ausreichender Anzahl an ihrem Wirkort, dem Dickdarm ankommen.
Darmflora aufbauen: Hausmittel und Lebensmittel
Mit der richtigen Ernährung für die Darmflora können wir also einiges tun, um die Darmflora auf natürliche Weise zu stärken und die Darmgesundheit zu fördern. Eine pflanzenbetonte Kost mit reichlich sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen bildet dafür gute Basis. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, täglich rund 30 g Ballaststoffe aufzunehmen.
Wer eine gestörte Darmflora wieder aufbauen und einen gesunden Darm unterstützen möchte, kann darüber hinaus gezielt auf probiotische Lebensmittel, Präbiotika und bewährte darmfreundliche Hausmittel zurückgreifen. Wir haben ein paar geeignete Lebensmittel herausgesucht und auch natürliche Hausmittel unter die Lupe genommen.
Probiotische Lebensmittel
Probiotika sind nicht nur als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Auch verschiedene probiotische Lebensmittel enthalten eine Menge lebende Mikroorganismen, z. B.:
Joghurt
Joghurt wird aus Milch gewonnen, die mithilfe von Milchsäurebakterien sauer vergoren wird. Dadurch enthält er natürlicherweise reichlich probiotische Kulturen wie Laktobazillen und Bifidobakterien. Besonders darmfreundlich ist Naturjoghurt, da dieser im Gegensatz zu Fruchtjoghurtprodukten keine zugesetzten Süßungsmittel und Zusatzstoffe enthält.
Kefir
Kefir ist ein fermentiertes Getränk aus Kuh-, Schafs- oder Ziegenmilch, dem bei der Herstellung neben der Kefirknolle ebenfalls Milchsäurebakterien zugesetzt werden. Da traditioneller Kefir fast laktosefrei ist, ist er für die meisten Menschen sehr gut verträglich und enthält sogar mehr Probiotika als Joghurt.
Käse
Zwar kommen probiotische Bakterien nicht in allen Käsesorten vor, manche enthalten aber durchaus nennenswerte Mengen. Vor allem in Mozzarella, Cheddar, Gouda und Parmesankäse sind Probiotika zu finden. Dabei gilt, je älter der Käse, desto mehr nützliche Bakterienkulturen sind enthalten. Allerdings nur bei Sorten, die nicht pasteurisiert wurden.
Frisches Sauerkraut
Zu den fermentierten Lebensmitteln gehören aber nicht nur Milchprodukte, sondern auch pflanzliche Lebensmittel. Ein heimisches Gemüse, das durch Milchsäurebakterien vergoren wird, ist z. B. Weiß- oder Spitzkohl. Das dabei entstehende Sauerkraut ist nicht nur reich an Probiotika, sondern auch leichter verdaulich als frischer Kohl. Wer von den probiotischen Bakterienkulturen profitieren möchte, sollte immer auf frisches Sauerkraut setzen. Sauerkraut aus der Dose wird zur Haltbarmachung in der Regel erhitzt, wodurch auch Milchsäurebakterien abgetötet werden.
Saure Gurken
Saure Gurken (Salzgurken) werden in einer Mischung aus Wasser, Kräutern, Zucker und Salz eingelegt und anschließend fermentiert. Dabei sind ebenfalls die Milchsäurebakterien aktiv, sodass die echten sauren Gurken (nicht die Essiggurken aus dem Supermarkt) reichlich Probiotika enthalten.
Kimchi
Kimchi ist ein fester Bestandteil der koreanischen Küche und wird für seine gesundheitsförderlichen Eigenschaften geschätzt. Zur Herstellung des traditionellen Lebensmittels werden verschiedene Gemüsesorten wie z. B. Rüben, Rettich, Gurken, Kohl und Frühlingszwiebeln gemeinsam milchsäurevergoren. Zu den milchsäurebildenden Bakterien, die bisher in Kimchi gefunden wurden, gehören z. B. Lactobacillus, Weisella und Leuconostoc.
Miso, Natto und Tempeh
Aus der japanischen Küche kommen die Würzpaste Miso, die aus fermentierten Sojabohnen und Getreide gewonnen wird, sowie das Sojaprodukt Natto. Letzteres wird durch Bacillus subtilis var. Natto vergoren, der für den eigentümlichen Geruch und Geschmack des Produktes verantwortlich ist. In Indonesien werden Sojabohnen hingegen gerne mit dem Pilz Rhizopus oligoporus zu Tempeh fermentiert. Auch während dieses Fermentationsprozesses entstehen u. a. Milchsäurebakterien.
Kombucha
Kombucha galt im alten chinesischen Kaiserreich als Mittel zur Erlangung der Unsterblichkeit. Hergestellt wird das Teegetränk durch Fermentation von schwarzem Tee mit Zucker und einer symbiotischen Kombination aus Bakterien- und Hefekulturen (u. a. Lactobacillus und Saccharomyces). Je nach Auswahl der Kulturen kann die mikrobiologische und chemische Zusammensetzung des Getränks variieren.
Präbiotische Lebensmittel
Präbiotika sind für den Menschen unverdauliche Ballaststoffe, die den nützlichen Bakterien in Darm als Nahrung dienen und somit ihr Wachstum unterstützen. Zu ihnen gehören z. B. Inulin, Galacto-Oligosaccharide (GOS) und Fructo-Oligosaccharide (FOS). Sie sind als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich, kommen aber auch in verschiedenen ballaststoffreichen Lebensmitteln vor. Folgende sind besonders reich an Präbiotika:
Topinambur, Schwarzwurzel, Artischocken, Knoblauch, Zwiebeln, Lauch
Auch wenn diese Lebensmittel im Geschmack alle sehr unterschiedlich sind, so eint sie ihr hoher Gehalt an Inulin. Der präbiotische Ballaststoff gilt als „Lieblingsspeise“ vieler nützlicher Darmbakterien und ist somit für den Aufbau der Darmflora förderlich. Besonders Bifidobakterien scheinen Inulin für sich zu nutzen.
(Süß-)Kartoffeln, Reis und Nudeln
Gekocht und wieder abgekühlt, wirken sich auch diese Lebensmittel positiv auf die Darmflora aus. Beim Abkühlen verändert die enthaltene Stärke nämlich ihre chemische Struktur und wird zur sogenannten resistenten Stärke, die für den Darm fast unverdaulich ist. Auch grüne, unreife Bananen enthalten übrigens dieses Präbiotikum.
Brottrunk
Der saure Geschmack dieses Hausmittels ist zwar gewöhnungsbedürftig, dennoch kann es sich lohnen, regelmäßig ein Glas davon zu trinken. Das durch Vergärung von Sauerteigbrot hergestellte Getränk enthält nämlich Milchsäurebakterienkulturen, die das Gleichgewicht der Darmflora unterstützen. Ähnlich wie der Brottrunk soll übrigens auch Apfelessig ein echter „Darmschmeichler“ sein. Hierzu 1–2 EL Apfelessig in einem Glas Wasser einrühren und trinken.
Flohsamenschalen und Leinsamen
Flohsamenschalen und Leinsamen gelten seit jeher als Hausmittel für den Darm. Sie enthalten nämlich nicht nur reichlich Ballaststoffe, die bei unseren nützlichen Darmbewohnern gerne gesehen sind, sondern unterstützen auch die Verdauung und liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Letztere haben antientzündliche Eigenschaften, die zusätzlich zur Gesundheit der Darmflora und Darmbarriere beitragen können.
Polyphenolreiche Lebensmittel
Polyphenole geben Obst, Gemüse und Kräutern nicht nur ihr Aroma und ihre Farbe. Diesen sekundären Pflanzenstoffen werden auch zahlreiche Gesundheitsnutzen, wie z. B. antientzündliche Effekte zugeschrieben. Neuerdings mehren sich zudem Hinweise, dass Polyphenole oder deren Stoffwechselprodukte auch die Zusammensetzung des Darmmikrobioms positiv beeinflussen können. Reich an Polyphenolen sind u. a. Beeren, Grüntee, Kakao, Äpfel, Orangen und Trauben.
Darmflora aufbauen: Tipps
Natürlich gibt es neben einer gesunden Ernährung und insbesondere den drei P´s (Probiotika, Präbiotika, Polyphenole), noch weitere Möglichkeiten, den Wiederaufbau einer gestörten Darmflora zu unterstützen.
Da der Stresspegel einen direkten Einfluss auf die Darmflora haben kann, tun wir zum Beispiel gut daran, rechtzeitig Entspannungsmethoden zur Stressbewältigung zu erlernen. Autogenes Training, Yoga, Progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeitstraining sind nur ein paar Methoden, die uns helfen können, die Folgen von negativem Stress zu vermeiden.
Aber auch Zeit mit der Familie oder Freunden, Lachen, Lesen, Bewegung sowie eine bessere Organisation alltäglicher Aufgaben tragen effektiv zur Stressreduktion bei. Verbringst Du Deine Auszeit in der Natur, kommt Dein Körper zudem mit vielen Mikroorganismen aus der Umwelt in Kontakt, was zu mehr Vielfalt im Darm beitragen kann. Zu guter Letzt ist natürlich auch ausreichend Schlaf für die Gesundheit des Mikrobioms von Bedeutung, sodass wir abends rechtzeitig Handy und Fernseher ausschalten sollten.
Darmflora aufbauen nach Antibiotika
Manchmal lässt sich eine Antibiotika-Therapie nicht vermeiden, um einen bakteriellen Infekt wieder loszuwerden. Allerdings werden durch das Antibiotikum nicht nur schädliche Bakterien wirkungsvoll behandelt. Auch nützliche Darmbakterien können der Antibiotika-Therapie zum Opfer fallen, sodass das Darmmikrobiom aus dem Gleichgewicht gerät. Betroffene leiden dann häufig auch unter sogenannten Antibiotika-assoziierten Durchfällen und anderen Magen-Darm-Beschwerden.
Glücklicherweise regeneriert sich die Darmflora bei gesunden Menschen nach einer Zeit wieder vollständig. Wir können sie dabei unterstützen, indem wir unsere Ernährung mit darmfreundlichen Lebensmitteln wie Naturjoghurt, Kefir, präbiotischen Gemüsesorten, Vollkornprodukten etc. bereichern. Auch die gezielte Gabe von probiotischen Bakterienkulturen kann einen positiven Effekt haben. Studien zeigten beispielsweise, dass die Einnahme von Probiotika während der Antibiotika-Behandlung das Risiko für Antibiotika-assoziierte Durchfälle senken kann.
Darmflora aufbauen nach Magen-Darm-Infekt
Auch eine akute Magen-Darm-Erkrankung kann das Gleichgewicht unserer Darmflora auf die Probe stellen. Damit sich die nützlichen Darmbakterien nach dem Infekt wieder in Ruhe ausbreiten und ihren Aufgaben nachgehen können, ist es daher wichtig, sie mit dem richtigen „Kraftfutter“ zu unterstützen. Sobald die Symptome abgeklungen sind, empfiehlt sich zunächst eine leichte Schonkost, die den Körper und auch die Darmflora wieder mit Energie versorgt. Gedünstete Möhren, gekochte und wieder abgekühlte Kartoffeln, geriebene Äpfel oder Haferflocken sind meist gut verträglich und liefern den Darmbakterien Präbiotika. Haben sich Magen und Darm wieder vollständig beruhigt, gilt es mit einer darmfreundlichen Ernährung die Darmflora wieder aufzubauen.
Darmflora aufbauen nach Darmspiegelung
Eine Darmspiegelung leistet wertvolle Dienste bei der Früherkennung oder Diagnose verschiedener Darmerkrankungen wie Darmkrebs oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Um sie durchführen zu können, wird in der Regel vorab eine Darmreinigung mittels Einlauf oder Abführmittel durchgeführt. Skeptiker der Darmreinigung verweisen allerdings darauf, dass durch den Prozess nicht nur belastende Substanzen ausgespült, sondern auch nützliche Bakterien reduziert werden könnten. Eine aktuelle Studie verweist jedoch darauf, dass das Mikrobiom recht resistent gegenüber einer Darmreinigung ist und eine Abnahme der Diversität höchstens vorübergehender Natur ist. Die Darmflora durch eine gesunde Ernährung zu unterstützen, kann aber auch nach einer Darmspiegelung nicht schaden.
Darmflora aufbauen bei Kindern
Genau wie bei Erwachsenen spielt auch bei Kindern die Darmflora zum Erhalt der Gesundheit eine wichtige Rolle. Da die Besiedlung mit Bakterien bereits während der Geburt beginnt und sich in den Folgejahren fortsetzt, ist es in der Regel nicht erforderlich, die Darmflora von Kindern gezielt aufzubauen. Mit einer gesunden Ernährung und regelmäßiger Bewegung lässt sich die Vielfalt der Darmbakterien aber sicherlich wunderbar unterstützen. Übertriebene Hygiene hingegen scheint sich eher nachteilig auf das Darmmikrobiom der Kinder auszuwirken, da der Kontakt mit unterschiedlichen Keimen die Entwicklung der Darmflora fördert.
Es gibt jedoch Situationen, in denen es sinnvoll sein kann, der Darmflora aktiv unter die Arme zu greifen. Beispiele dafür können eine (wiederholte) Behandlung mit einem Antibiotikum, eine akute Gastroenteritis oder funktionelle wiederkehrende Bauchschmerzen ohne organische Ursachen sein. In Rücksprache mit der behandelnden Kinderärztin oder dem behandelnden Kinderarzt können dann gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen wie die Gabe von Probiotika beim Kind eingeleitet werden. Insbesondere bei Antibiotika-assoziierten Durchfällen konnten in Studien gute Effekte mit Probiotika erzielt werden.
Muttermilch enthält verschiedene Milchsäurebakterien und andere Milchkomponenten, die das Mikrobiom des Babys prägen. Insbesondere schützende Bifidobakterien sind bei vollgestillten Säuglingen in größerer Zahl zu finden als bei Kindern, die über die Flasche ernährt werden. Interessanterweise scheint die Einnahme von Probiotika während der Schwangerschaft und Stillzeit die Zusammensetzung der Muttermilch günstig zu beeinflussen. Eine abschließende Einschätzung hinsichtlich des Nutzens ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht möglich.