Vitamin B6: Wofür? Wie viel? Welche Funktion? Was beachten?
Als essenzieller, also lebenswichtiger, Mikronährstoff muss das wasserlösliche Vitamin regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden, da der Körper es nicht selbst herstellen kann. Dies ist normalerweise mit einer gesunden Mischkost möglich. Zahlreiche tierische und pflanzliche Lebensmittel enthalten Vitamin B6. Bei manchen Erkrankungen und der Einnahme bestimmter Medikamente ist jedoch das Risiko für einen Mangel erhöht.
Was ist Vitamin B6?
Vitamin B6 – was ist das genau: Vitamin B6, auch Pyridoxin genannt, ist ein wasserlösliches Vitamin. Genauer gesagt ist Vitamin B6 kein einzelnes Vitamin, sondern ein Oberbegriff für mehrere vitaminwirksame Verbindungen. Diese unterscheiden sich in ihrer chemischen Struktur. Es gibt drei Grundsubstanzen:
- Pyridoxin (PN)
- Pyridoxal (PL)
- Pyridoxamin (PM)
Durch eine bestimmte chemische Reaktion können daraus diese drei Substanzen entstehen:
- Pyridoxin-5’-Phosphat (PNP)
- Pyridoxal-5’-Phosphat (PLP)
- Pyridoxamin-5’-Phosphat (PMP)
PLP und PMP sind die biologisch aktiven Formen von Vitamin B6. Sie wirken im Organismus als Coenzyme und sind daher für viele Reaktionen von Bedeutung, bei denen Enzyme eine Rolle spielen. PNP ist dagegen ein wichtiges Zwischenprodukt bei der Umwandlung von Nahrungs-Pyroxidin (PN) zu Pyridoxin-5’-Phosphat (PLP).
Interessante Fakten zu Vitamin B6
- Vitamin B6 beeinflusst die Versorgung mit Vitamin-B3:
Die Aminosäure Tryptophan kann in der Leber zu Niacin (Vitamin B3) umgewandelt werden. Eine unzureichende Zufuhr von Vitamin B2 und Vitamin B6 kann diesen Vorgang jedoch stören. Die Vitamin-B3-Versorgung des Körpers ist somit in gewissem Maße auch abhängig von Vitamin B6. - Mehr Vitamin B6 durch Fermentation:
Als Fermentation bezeichnet man den Um- oder Abbau organischer Stoffe durch Mikroorganismen wie Bakterien oder Hefen. Das kann auch den Nährstoffgehalt von Lebensmitteln beeinflussen. Bei der bakteriellen Fermentation von Weißkohl zu Sauerkraut beispielsweise verdoppelt sich die Konzentration von Vitamin B6. - Mit der Muttermilch aufgesogen:
Muttermilch enthält viele für das Baby wichtigen Vitamine. Das gilt auch für Vitamin B6. Während der B6-Gehalt vier bis sieben Tage nach der Entbindung etwa 128 Mikrogramm pro Liter beträgt, sind es nach 45 Tagen sogar 204 Mikrogramm in jedem Liter – vorausgesetzt, die stillenden Mütter ernähren sich ausgewogen.
Das wasserlösliche Vitamin B6 wurde 1938 erstmals in kristalliner Form aus Reisschalen und Hefen isoliert. Die künstliche Herstellung (Synthese) der farb- und geruchlosen Vitamin B6-Kristalle gelang ein Jahr später.
Aufgaben und Funktionen: Wofür braucht der Körper Vitamin B6?
Vitamin B6 wird für die Funktion zahlreicher Enzyme benötigt. Es ist als Coenzym an über 100 enzymatischen Reaktionen in verschiedenen Bereichen des Stoffwechsels beteiligt. Hierzu zählt unter anderem der Aminosäure- und Kohlenhydratstoffwechsel. Außerdem spielt das wasserlösliche Vitamin eine wichtige Rolle für die Nerven und das Immunsystem sowie bei der Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin.
Vitamin B6 für die Blutbildung
Wenn die Blutwerte auf eine Blutarmut (Anämie) hindeuten, kann dies -neben vielen anderen denkbaren Ursachen- an einem Mangel an Vitamin B6 liegen. Denn die Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin hängt vor allem von Eisen, aber auch von Vitamin B6 ab. Bei der sogenannten Hämsynthese wird in den Zellkraftwerken (Mitochondrien) eine bestimmte Form von Vitamin B6 (Pyridoxalphosphat) benötigt.
Vitamin B6 für Gehirn und Nervensystem
Pyridoxalphosphat (PLP) ist wichtig für die Bildung des Nervenbotenstoffes (Neurotransmitters) Gamma-Aminobuttersäure (GABA). GABA ist ein wichtiger, hemmender Neurotransmitter im zentralen Nervensystem, zu dem Gehirn und Rückenmark gehören. Neurotransmitter dienen zur Signalübertragung zwischen Nervenzellen. Kann GABA nicht ausreichend gebildet werden, beginnen Nervenzellen im Gehirn damit, unkontrolliert Signale zu senden. In der Folge kann dies unter anderem zu epileptischen Krämpfen führen.
Vitamin B6 für das Immunsystem
Auch für ein intaktes Immunsystem ist Vitamin B6 von Bedeutung. Es unterstützt das Wachstum und die Entwicklung der Lymphozyten – dabei handelt es sich um eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die besonders wichtig für eine gezielte Immunabwehr ist. Die Immunfunktion nimmt altersbedingt im Alter oft deutlich ab. In einer Studie wurde sie bei älteren Menschen untersucht, und es zeigte sich, dass die Funktion durch eine erhöhte Vitamin-B6-Zufuhr stimuliert werden konnte.
Vitamin B6 für den Kohlenhydratstoffwechsel
Vitamin B6 ist an der Bereitstellung von Energie aus Kohlenhydraten beteiligt: Glykogen ist die im menschlichen und tierischen Organismus vorliegende Speicherform der Kohlenhydrate. Mit Hilfe des Enzyms Glykogenphosphorylase entsteht Glukose (Traubenzucker), die ein wichtiger Energielieferant für unseren Körper ist. Im Glykogenstoffwechsel dient Vitamin B6 als Coenzym der Glykogenphosphorylase.
Vitamin B6 für den Aminosäurenstoffwechsel
Vitamin B6 ist das wichtigste Coenzym im Aminosäurenstoffwechsel. Aminosäuren sind Proteinbausteine und bilden körpereigene Eiweiße, die wichtige Bestandteile der Körperzellen sind und zum Teil zur Deckung des täglichen Energiebedarfs beitragen oder als Botenstoffe im Nervensystem dienen.
Eine besondere Bedeutung kommt Vitamin B6 zusammen mit Folsäure (Vitamin B9) und Vitamin B12 im Homocystein-Stoffwechsel zu. Homocystein ist eine natürlich vorkommende schwefelhaltige Aminosäure, die für die Bildung von Proteinen, Nukleinsäuren und Kreatinin benötigt wird. Erhöhte Homocystein-Spiegel im Blut gelten als schädlich. Sie stehen im Zusammenhang mit Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Vitamin B6 hilft dabei, Homocystein zu Cystein abzubauen, das problemlos vom Körper wieder ausgeschieden wird.
Steuert Vitamin B6 auch die Hormone?
Seit einigen Jahren gibt es vermehrte Hinweise darauf, dass Vitamin B6 bedeutsam für die Wirkung von Steroidhormonen wie Glucocorticoiden ist, dazu zählt beispielsweise Cortisol, was umgangssprachlich als Stresshormon bezeichnet wird. Denn die biologisch aktive Vitamin-B6-Verbindung Pyridoxalphosphat (PLP) scheint mit den Rezeptoren der Steroidhormone zu interagieren – Rezeptoren haben die Aufgabe, Signale oder Reize weiterzuleiten. Außerdem beeinflusst Vitamin B6 vermutlich das Hormonsystem, vor allem die Hormone Östrogen und Testosteron.
Gesundheitsbezogene Angaben: Health Claims von Vitamin B6
Die Funktionen von Vitamin B6 wurden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wissenschaftlich bewertet. Auf dieser Grundlage hat die Europäische Union gesundheitsbezogene Angaben, sogenannte Health Claims, festgelegt. Hier findest Du die Health Claims von Vitamin B6, wobei wir uns die aufgeführten Funktionen einmal genauer anschauen:
Vitamin B6 spielt nachweislich eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Energie. Eine ausreichende Zufuhr des wasserlöslichen Vitamins kann Studien zufolge die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern. In einer Untersuchung mit älteren Menschen aus Europa führte beispielsweise die Zufuhr von Vitamin B6 zu einer geringeren Zeit beim Stuhl-Aufstehtest – bei diesem Test müssen die Teilnehmenden mehrmals hintereinander von einem normalen Stuhl aufstehen und sich wieder setzen. Auf diese Weise wird bei Senior:innen die Fitness überprüft.
Aminosäuren sind kleine Eiweißbausteine. Fast alle Aminosäuren benötigen in ihrem Stoffwechsel mindestens ein Pyridoxalpphosphat (PLP)-abhängiges Enzym. PLP ist auch ein Reaktionspartner für das Enzym Aminotransferase, das für den Eiweißstoffwechsel unverzichtbar ist. Somit ist Vitamin B6 für die Umwandlung und den Aufbau neuer Aminosäuren wichtig. Vitamin B6 spielt zudem eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung des Blutzuckers Glukose. Auch hier gibt es ein bestimmtes Enzym (Glykogenphosphorylase), das PLP als Coenzym benötigt – um Speicherzucker (Glykogen) in Glukose zu spalten.
Vitamin B6 gelangt ins Gehirn. Wie genau der Transport funktioniert, ist allerdings noch nicht bekannt. Zwar ist beim Menschen ein Vitamin-B6-Mangel selten. Wegen der Beteiligung an der Synthese von Neurotransmittern kann sich ein Vitamin B6-Mangel jedoch in unspezifischen Störungen des zentralen Nervensystems äußern.
Die Bedeutung eines angemessenen Vitamin-B6-Status für ein gut funktionierendes Immunsystem wurde bei Tieren bereits in den 1950er-Jahren nachgewiesen. Inzwischen ist klar, dass es auch für Menschen zutrifft: Vitamin B6 wird als Coenzym für den Stoffwechsel von Antikörpern und sogenannten Zytokinen benötigt. Zytokine sind Proteine, die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren. Wenn bei Menschen ein Vitamin-B6-Mangel vorliegt, wachsen außerdem die Lymphozyten schlechter und produzieren weniger Antikörper – Lymphozyten sind als Untergruppe der weißen Blutkörperchen wichtig für die Abwehr von Krankheitserregern.
Zu den psychischen Funktionen zählen in diesem Zusammenhang sowohl kognitive Bereiche wie Konzentration, Lernen und Gedächtnis als auch affektive Funktionen, die überwiegend von Gemütsregungen bestimmt sind. Über Studien haben Forschende festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Vitamin B6 über die Nahrung und normalen psychischen Funktionen gibt. Eines der Symptome eines Vitamin-B6-Mangels ist beispielsweise Verwirrtheit.
Ein Mangel an Vitamin B6 kann zu einer sogenannten mikrozytären, hypochromen Anämie führen. Hierbei ist die Konzentration des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin in den roten Blutzellen (Erythrozyten) vermindert. Dies kann Symptome wie Schwäche, Müdigkeit oder Erschöpfung zur Folge haben.
Vitamin B6 in Form von Pyridoxalphosphat (PLP) nimmt Einfluss darauf, wie gut bestimmte Hormone wirken. Zu diesen Hormonen gehören Androgene, Östrogene, Progesteron, Glukokortikoide (wie Cortisol) sowie Schilddrüsenhormone. Vereinfach gesagt, reagiert PLP mit einer Aminosäure und löst dadurch eine Kettenreaktion aus. Im Ergebnis wird die Wirkung der Hormone beendet.
Vitamin B6 spielt in Form von Pyridoxalphosphat (PLP) eine wichtige Rolle bei der Blutbildung. Vor allem wird PLP als Coenzym für die Aminolävulinat-Synthase (ALAS) benötigt. Dabei handelt es sich um ein Enzym, das den ersten Schritt zur Blutbildung auslöst. Chronischer Vitamin-B6-Mangel kann zu einer sogenannten mikrozytären, hypochromen Anämie führen, bei der die Konzentration des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) verringert ist. Die sogenannte sideroblastische Anämie ist eine vererbte Form des ALAS-Mangels, die häufig erfolgreich mit einer Pyridoxin-Gabe behandelt werden kann.
Pyridoxal und Pyridoxalphosphat (PLP) binden auch an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, wodurch sich dessen Kapazität erhöht, Sauerstoff zu binden.
Die biologisch aktive Vitamin-B6-Form Pyridoxalphosphat (PLP) trägt dazu bei, die Aminosäure Homocystein zu der Aminosäure Methionin umzubauen. Hierfür sind neben Vitamin B6 auch Vitamin B12 und Folat (Vitamin B9) von Bedeutung. Ein Mangel dieser B-Vitamine beeinträchtigt daher den Homocystein-Stoffwechsel. Je nach Schwere des Mangels und dem gleichzeitigen Vorhandensein genetischer oder anderer Faktoren, die den Homocystein-Stoffwechsel beeinflussen, kann der Spiegel dieser Aminosäure deutlich ansteigen. Dadurch kann unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigen.
Cystein ist ein wichtiger Faktor für die Struktur vieler Proteine, da es eine Rolle bei der Bildung bestimmter Bindungen innerhalb und zwischen Proteinmolekülen spielt. Cystein stabilisiert somit indirekt die Proteinstruktur. Cystein wiederum muss erst freigesetzt werden, nämlich durch die Spaltung von Cystathionin. Genau dieser Prozess durch Vitamin B6, genauer gesagt durch Pyridoxalphosphat (PLP)-abhängige Enzyme, beeinflusst.
Hättest Du das über Vitamin B6 gewusst?
- 100 Milligramm Vitamin B6:
Dein Körper kann bei einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin B6 ungefähr 100 Milligramm kurzzeitig speichern. Überwiegend handelt es sich hierbei um Pyridoxinphosphat (PLP). Davon sind etwa 80 Prozent an ein bestimmtes Enzym in der Muskulatur gebunden. Überschüssige Mengen werden über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. - Eine Frage der Bioverfügbarkeit:
Die drei vitaminwirksamen Verbindungen Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin haben eine vergleichbare Bioverfügbarkeit. Das bedeutet: Sie können ähnlich gut vom Körper verwertet werden. Anders sieht es aus bei einigen Pflanzen, die glykosyliertes Pyridoxin (Pyridoxin-Glucosid) enthalten. Hier ist die Bioverfügbarkeit um 50 Prozent verringert. - Hilfe in den Wechseljahren:
Erschöpft und müde – so fühlen sich viele Frauen in den Wechseljahren. Das kann viele Gründe haben. Einer davon ist ein eventueller Vitaminmangel. Vitamin B6 steht nämlich in einem engen Zusammenhang mit dem Energiestoffwechsel und der Bildung roter Blutkörperchen.
Tagesbedarf: Wie viel Vitamin B6 am Tag?
Vitamin B6 ist ein essenzieller, also lebenswichtiger Mikronährstoff. Er muss regelmäßig über die Nahrung aufgenommen werden, da ihn der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann.
Die Ernährungs-Fachgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz (D-A-CH) haben Referenzwerte für die empfohlene Tageszufuhr von Energie und Nährstoffen herausgegeben. Demnach ist der Tagesbedarf an Vitamin B6 abhängig vom Alter und Geschlecht. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) benötigen Jugendliche und Erwachsene (15 bis 65 Jahre und älter) pro Tag 1,4 Milligramm (mg), wenn es sich um Frauen handelt. Männer haben einen etwas höheren Bedarf von 1,6 mg. Schwangeren wird eine Vitamin-B6-Dosierung von 1,5 mg pro Tag im ersten Trimester und 1,8 mg pro Tag im zweiten sowie im dritten Trimester empfohlen. Für Stillende beträgt der Referenzwert 1,6 mg pro Tag. Ganz genau lässt sich der Bedarf allerdings nicht bestimmen. Es handelt sich also um Schätzwerte.
Vitamin B6 hat eine wichtige Aufgabe für den Aminosäurestoffwechsel. Daher nahm man früher an, dass der Vitamin-B6-Tagesbedarf mit der Eiweißzufuhr steigt. Das haben neuere Studien allerdings relativiert. Daher gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) seit 2019 Empfehlungen für die tägliche Zufuhr an Vitamin B6 unabhängig von der Eiweißaufnahme.
Vitamin B6: Referenzwerte
| Alter | Vitamin B6 | |
|---|---|---|
| mg/Tag | ||
| m | w | |
| Säuglingea | ||
| 0 bis unter 4 Monatea | 0,1 | |
| 4 bis unter 12 Monate | 0,3 | |
| Kinder und Jugendliche | ||
| 1 bis unter 4 Jahre | 0,6 | |
| 4 bis unter 7 Jahre | 0,7 | |
| 7 bis unter 10 Jahre | 1,0 | |
| 10 bis unter 13 Jahre | 1,2 | |
| 13 bis unter 15 Jahre | 1,5 | 1,4 |
| 15 bis unter 19 Jahre | 1,6 | 1,4 |
| Erwachsene | ||
| 19 bis unter 25 Jahre | 1,6 | 1,4 |
| 25 bis unter 51 Jahre | 1,6 | 1,4 |
| 51 bis unter 65 Jahre | 1,6 | 1,4 |
| 65 Jahre und älter | 1,6 | 1,4 |
| Schwangere | ||
| 1. Trimester | 1,5 | |
| 2. und 3. Trimester | 1,8 | |
| Stillende | 1,6 | |
| aHierbei handelt es sich um einen Schätzwert. | ||
Beim Erhitzen von Lebensmitteln geht sehr viel des wertvollen Vitamins verloren. Wie extrem die Auswirkungen sein können, hat sich in den 1950er-Jahren gezeigt. Nachdem Säuglinge mit erhitzter Säuglingsmilchfertignahrung gefüttert worden waren, bekamen viele von ihnen Krampfanfälle – sie litten an Vitamin-B6-Mangel. Fertigmilch wird daher heute unter anderem mit Vitamin B6 angereichert.
Vitamin B6 Bedarf decken
Es gibt zahlreiche Lebensmittel mit Vitamin B6. Gute tierische Quellen sind zum Beispiel Fleisch wie Schwein und Rind, Geflügel wie Huhn und Gans, aber auch Fischsorten wie Lachs, Makrele, Sardine, Thunfisch und Krustentiere wie Hummer.
Bei den pflanzlichen Nahrungsmitteln kannst Du ebenfalls bei der Ernährung aus dem Vollen schöpfen. Hier sind zum Beispiel Gemüsearten wie Kohl und Kartoffeln zu nennen. Auch Hülsenfrüchte wie Sojabohnen, Linsen, Kichererbsen oder grüne Bohnen leisten einen wertvollen Beitrag zur Vitamin-B6-Versorgung. Weitere Lebensmittel, die viel von dem wasserlöslichen Vitamin enthalten, sind Bananen sowie Nussarten wie Walnuss, Erdnüsse sowie Sesam.
Mit einer abwechslungsreichen Mischkost kannst Du in der Regel ausreichende Mengen des B-Vitamins aufnehmen. Allerdings hat Vitamin B6 aus tierischen Lebensmitteln eine höhere Bioverfügbarkeit als aus pflanzlichen Produkten. Das heißt, es kann besser vom Körper aufgenommen werden. Am besten kombinierst Du daher verschiedene Lebensmittel tierischen und pflanzlichen Ursprungs und ernährst dich abwechslungsreich.
Vitamin B6: Wo enthalten?
Diese zehn Lebensmittel sind besonders reich an Vitamin B6. Die Angaben sind in Milligramm (mg) pro 100 Gramm (g) aufgeführt.
Vitamin B6 reagiert empfindlich auf Licht und Hitze. Daher solltest Du Vitamin-B6-haltige Lebensmittel möglichst lichtgeschützt aufbewahren und nicht zu lange erhitzen, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu schonen.
Vitamin-B6-Mangel: Symptome & Ursachen
Ein Mangel an Vitamin B6 tritt bei gesunden Erwachsenen in Deutschland selten auf. Dennoch kann es zu einer Unterversorgung kommen. Gemäß der Nationalen Verzehrsstudie (NVS II) liegt die Aufnahme des Vitamins über die Ernährung bei vielen Menschen sogar über dem Bedarf – bei Männern sind es 1,6 mg, und Frauen kommen im Durchschnitt auf 1,2 mg pro Tag. Da es sich um Durchschnittswerte handelt, nimmt ein Teil der Personen also deutlich mehr zu sich, während andere Erwachsene den Tagesbedarf nicht erreichen. Bei Männern sind das geschätzt 12 Prozent der Bevölkerung und bei Frauen sind es 13 Prozent. Darüber hinaus kann ein Vitamin B6-Mangel bei Risikogruppen auftreten, bei denen unter anderem durch Erkrankungen die Aufnahme verringert oder der Bedarf erhöht ist.
Wer zählt zu den Risikogruppen?
Zu den Risikofaktoren für einen Vitamin B6-Mangel zählen:
- chronische Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes
- vermehrte Harnausscheidung (Diurese)
- Einnahme von Antikonvulsiva (bei Epilepsie)
- Einnahme von Tuberkulostatika (bei Tuberkulose)
- Einnahme von Asthmamitteln (z. B. Theophyllin)
- Einnahme oraler Verhütungsmittel („Antibabypille“)
- sehr hohe Eiweiß-Aufnahme
Auch am Ende der Schwangerschaft kann es zu einer Verschlechterung der Vitamin-B6-Versorgung kommen, weil der Bedarf erhöht ist.
Wichtig zu wissen: Ein Vitamin-B6-Mangel tritt meist zusammen mit einem Mangel an anderen B-Vitaminen auf.
Vitamin-B6-Mangel Symptome: Wie äußert sich Vitamin-B6-Mangel?
Vitamin-B6-Mangel-Symptome treten meist erst auf, nachdem der Mangel längere Zeit besteht. Dies kann sich durch verschiedene Beschwerden beziehungsweise Auffälligkeiten zeigen und kann Körper und Psyche betreffen:
- Entzündungen und Geschwüre im Bereich von Zunge, Mund und Mundwinkeln
- Blutarmut, die unabhängig von den Eisenwerten ist
- neurologische Fehlfunktionen wie Sensibilitätsstörungen oder Krämpfe
- psychische Beschwerden wie Reizbarkeit, Depression und Verwirrung
Darreichungsformen für Vitamin-B6-Präparate
Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin B6 sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich. Es gibt sie als Mono-Präparat mit nur einem Nährstoff oder als Vitamin-B-Komplex beziehungsweise als Multivitamin-Präparat in Kombination mit anderen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Entsprechende Nahrungsergänzungen sind zum Beispiel erhältlich als:
- Vitamin B6-Tabletten
- Vitamin B6-Kapseln
- Vitamin B6-(Trink-)Ampullen
- Vitamin B6-Pulver
- Vitamin B6-Brausetabletten (meist als Multivitamin-Präparat)
- Vitamin B6-Lutschtabletten (meist als Multivitamin-Präparat)
Bei einem nachgewiesenen starken Vitamin B6-Mangel können Ärzt:innen den Mikronährstoff auch hochdosiert über eine Spritze verabreichen.
Zu viel Vitamin-B6: Überdosierung
Vitamin B6 ist im Allgemeinen gut verträglich und sicher. Erst wenn Menschen über Nährstoffpräparate, angereicherte Lebensmittel oder Medikamente sehr hohe Mengen aufnehmen, kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Studien zufolge sind bei einer langfristigen Zufuhr ab 500 Milligramm (mg) Vitamin B6 pro Tag Nervenschäden in Form einer sensorischen Neuropathie zu erwarten. Diese kann sich als sogenannte Polyneuropathie zeigen, bei der gleichzeitig mehrere periphere Nerven im Körper nicht richtig funktionieren. Allerdings wurden in keiner der Studien sensorische Nervenschäden beobachtet, wenn die Aufnahme des Vitamins bei maximal 200 mg pro Tag lag.
Sensorische Nervenschäden durch eine Vitamin B6-Überdosierung zeigen sich durch folgende Symptome:
- Schmerzen und Taubheit in den Extremitäten (Arme und Beine)
- in schweren Fällen Probleme beim Gehen
Um die Risiken durch eine Vitamin B6-Überdosierung zu verringern, hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) tolerierbare Höchstmengen (Tolerable Upper Intake Level, UL) für Vitamin B6 abgeleitet, die nicht dauerhaft überschritten werden sollten. Diese liegt für Erwachsene, Schwangere und Stillende bei 25 mg Vitamin B6 am Tag und für Kinder und Jugendliche zwischen 5 mg und 20 mg pro Tag.