So verändert sich das Immunsystem im Alter – Infos und Tipps für Senioren

 

Inhaltsverzeichnis:
1. Das Immunsystem älterer Menschen
2. Forschungsfeld Immunseneszenz
3. Entzündungsaltern
4. Schlechte Verbindung
5. Das Immungedächtnis wird vergesslich
6. Schrumpfende Lymphozyten-Fabrik
7. Dem Archiv geht das Papier aus
8. Fit für ein starkes Immunsystem
9. Das Immunsystem fördern
10. Das Immunsystem im Alter stärken

Das Immunsystem älterer Menschen

Nachdenkliche Frau guckt aus dem FensterDie Geburt ist der Startschuss für lebenslanges Lernen. Aber nicht nur das Gehirn entwickelt sich vom ersten Schrei bis zum letzten Atemzug weiter. Auch unser Immunsystem bleibt bis zum Schluss lernfähig. Seine Prioritäten ändern sich aber im Lauf der Jahrzehnte: Auf die Grundausbildung mit großen Lernfortschritten folgt die Arbeitsphase mit flexiblen Fortbildungen. Im Alter liegt der Fokus vor allem auf den Erinnerungen. Denn das Immunsystem kann sich an Viren und Bakterien erinnern, mit denen es bereits in Kontakt gekommen ist, und kann sich dadurch bei einer erneuten Infektion besser verteidigen.

Das Immunsystem setzt sich aus zwei großen Abwehreinheiten zusammen: der angeborenen und der erworbenen Immunabwehr, auch adaptive Immunabwehr genannt. Beide Teile werden im Laufe des Lebens fortlaufend umgebaut und weiterentwickelt. Etwa ab dem 60. Lebensjahr kann es aufgrund der nachlassenden Leistungsfähigkeit des Immunsystems zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infekte kommen. Außerdem nehmen akute Infektionskrankheiten bei älteren Menschen oft einen schwereren Verlauf als in jungen Jahren, etwa die Grippe, Gürtelrosen oder auch Lungenentzündungen. Ein geschwächtes Immunsystem macht Senioren anfällig für Erkrankungen von außen – und innen.

 

Forschungsfeld Immunseneszenz

Um den altersbedingten Abbau des Immunsystems besser zu verstehen, Strategien zu entwickeln und die Abwehrkraft von Senioren zu stärken, betrachten Wissenschaftler die Schwächung des Immunsystems im Zuge der Alterung auf zellulärer Ebene. Die mit zunehmendem Alter zu beobachtenden Veränderungen der verschiedenen Abwehrkomponenten werden unter dem Fachbegriff Immunseneszenz zusammengefasst.

 

Entzündungsaltern

Die Untersuchungen zeigen, dass der Alterungsprozess des Immunsystems nicht nur die Abwehrkraft gegenüber Krankheitserregern schwächt. Mit steigendem Alter kann es zu Fehlregulationen kommen, die den Körper anfälliger für chronische Erkrankungen machen. So werden etwa mehr entzündungsfördernde Substanzen gebildet, die eine altersbedingte “Dauerentzündung” auslösen können. Fachleute sprechen dann vom “Inflammaging” oder Entzündungsaltern. Mit fortschreitender Immunalterung werden körpereigene Antigene öfter als fremd missdeutet – das Immensystem erkennt praktisch die eigene “Familie” nicht mehr. Das kann Autoimmunerkrankungen fördern.

 

Schlechte Verbindung

Außerdem gibt es Probleme bei der Kommunikation bestimmter Zellen der unspezifischen Abwehr (“Fresszellen”) untereinander. Sie reagieren schwächer auf bestimmte Botenstoffe (Zytokine) und kommen quasi mit dem Aufräumen nicht nach. Veränderte und altersschwache Zellen werden dadurch nicht mehr so gründlich aussortiert. Auch das fördert die Entstehung von Dauerentzündungen, die chronische Krankheiten wie Krebs, Arteriosklerose, Typ-2-Diabetes oder Demenz begünstigen können.

 

Das Immungedächtnis wird vergesslich

Das Immunsystem bleibt prinzipiell bis ins hohe Alter lernfähig. Allerdings wird der Aufwand, um unbekannte Erreger zu bekämpfen, höher und die Speicherung neuer Informationen funktioniert weniger zuverlässig. Auch das trägt dazu bei, dass wir im Alter ein schwächeres Immunsystem haben.

Der Alterungsprozess des Körpers setzt nicht erst im Rentenalter ein: Spätestens in mittleren Jahren zeigt der Körper erste Verschleißerscheinungen, beispielsweise bei der Sehkraft oder den Gelenken. Für die nachlassende Leistungsfähigkeit des Immunsystems ist vor allem die Rückbildung eines besonders wichtigen Immunorgans verantwortlich: Der Thymus “schrumpft” schon ab dem ersten Lebensjahr. Schon in der Pubertät geht er quasi in “Altersteilzeit” und etwa mit dem 60. Lebensjahr dann weitgehend in den Ruhestand.

 

Schrumpfende Lymphozyten-Fabrik

Die Thymusdrüse unter dem Brustbein ist der Ort, wo spezielle Immunzellen ausreifen: die sogenannten T-Zellen, wobei T für Thymus steht. T-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen (Lymphozyten). Es gibt verschiedene T-Lymphozyten mit unterschiedlichen Aufgaben bei der Abwehr. Ausdifferenzierte, also fertig “ausgebildete” Lymphozyten, werden auch als Effektorzellen bezeichnet.

Eine andere Gruppe der Lymphozyten reift im Knochenmark: die B-Lymphozyten (B für englisch: Bone-Marrow, also Knochenmark). Im Zuge des Alterungsprozesses werden im Knochenmark Zellen, die eigentlich zur Produktion von B-Lymphozyten verwendet wurden, durch Fettgewebe ersetzt.

B- und T-Lymphozyten sind entscheidend für die Abwehrkraft des Körpers: Sie sind die wichtigsten Säulen der adaptiven Immunabwehr. Mit ihrer Hilfe werden neue Erreger erkannt und mit passenden Antikörpern unschädlich gemacht. Anschließend wandern Informationen über spezielle Erkennungsmerkmale (Antigene) bekämpfter Infektionserreger in ein zelluläres Gedächtnis. Dazu werden spezielle T- und B-Zellen hergestellt und eingelagert. Während einer Infektion produzierte Antikörper verschwinden oft nach wenigen Monaten wieder. Die Gedächtniszellen dagegen bleiben lebenslang erhalten.

 

Dem Archiv geht das Papier aus

Im Alter werden im Knochenmark und dem Thymus weniger “unbeschriebene” Lymphozyten bereit gestellt. (Fachleute sprechen von “naiven” B- und T-Lymphozyten.) Man kann es sich so vorstellen, dass dem Immunarchiv die Karteikarten ausgehen, um neue Erreger zu erfassen.

Das ist einer der Gründe, warum bei Senioren häufig Impfungen schlechter funktionieren als bei jüngeren Menschen. Der Körper konzentriert sich jetzt darauf, bereits vorhandene Informationen zu bewahren und kann dafür weniger neue Informationen verarbeiten. Das schwächt das Immunsystem im Kampf gegen neue Erreger.

An einer Stelle hat die Schwächung des Immunsystems bei Senioren einen Vorteil: Allergien treten im Alter seltener auf, denn das Immunsystem zeigt sich bei Älteren “gelassener” gegen fremde Antigene als bei jüngeren Menschen.

 

Fit für ein starkes Immunsystem

Alte Frau auf einer Schaukel

Die Umbauarbeiten am Immunsystem begleiten uns ein Leben lang. Entscheidend für die Geschwindigkeit, mit der die Immunabwehr im Alter nachlässt, ist aber nicht das Lebensalter in Jahren, sondern das biologische Alter. Forscher können das biologische Alter anhand von Veränderungen an der Erbsubstanz eines Menschen messen. Solche Untersuchungen zeigen, dass die biologische Uhr nicht streng dem Kalender folgt. Menschen, die ein besonders hohes Alter erreichten, hatten auch eine weitgehend erhaltene Immunfunktion. Unser Lebensstil kann viel dazu beitragen, die biologische Uhr (ein wenig) zurück zu stellen und das Immunsystem zu stärken.

 

Das Immunsystem fördern

Nicht alle Keime, mit denen das Immunsystem konfrontiert wird, sind Krankheitserreger: Im Darm treffen Immunzellen auf Freunde, Feinde und solche, die beides werden könnten. In jeder Lebensphase lernt die Abwehr hier verschiedene Erreger zu unterschieden und sammelt Bakteriensteckbriefe für das Archiv. Außerdem helfen einige Darmbewohner bei der Abwehr schädlicher Keime. Ein artenreiches Darm-Mikrobiom hilft daher dem Immunsystem, sich permanent fortzubilden. Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst sorgt für eine gesunde Bakteriengemeinschaft im Darm und stärkt das darmeigene Immunsystem.

 

Das Immunsystem im Alter stärken

Möhren und Kartoffeln schneidenDie wichtigsten Voraussetzungen für ein starkes Immunsystem sind ausreichend Bewegung, erholsamer Schlaf, die Vermeidung von Stress und eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung, die alle wichtigen Bausteine für die Komponenten des Immunsystems liefert. Dazu gehören unter anderem die Mikronährstoffe Vitamin A, Vitamin C und Vitamin E sowie Zink, Selen und Magnesium. Besonders wichtig ist auch eine gute Versorgung mit Vitamin D - ältere Haut kann es nämlich selbst bei Sommerwetter viel schlechter bilden als die jüngerer Menschen. In der kalten Jahreszeit reicht die Sonneneinstrahlung bei uns nicht aus, um ausrechend körpereigenes Vitamin D zu bilden, was schnell zu einer Unterversorgung führen kann.

Darüber hinaus macht der Verzicht auf Genussgifte wie Alkohol oder Tabak das Immunsystem stärker. Denn auch an der Reaktion auf solche “Schadstoffe” ist die Immunabwehr beteiligt. Wer hier verzichtet, hält seiner Immunabwehr den Rücken frei, um die wirklich wichtigen Schlachten bis ins hohe Alter mit aller Abwehrkraft schlagen zu können.

 

Was lernen wir daraus? Wenn wir Verantwortung für unsere Gesundheit übernehmen, können wir auch auf das Altern des Immunsystem Einfluss nehmen und sind somit auch besser vor Grippe und Co. geschützt. Grundsätzlich gilt, dass ein gestärktes Immunsystem der wohl beste Schutz ist, um der erhöhten Infektanfälligkeit im Alter entgegenzuwirken. Und mit einer Unterstützung der Abwehrkräfte kann man nicht früh genug anfangen. Gerade die Entwicklung ungünstiger Ernährungsgewohnheiten oder der Konsum von Genussmitteln beginnen oft schon, wenn man noch jung und gesund ist.

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